Williams-Pilot Robert Kubica im Interiew

"Ab jetzt beginnt die Arbeit erst richtig"

Robert Kubica - Williams - F1 Foto: sutton-images.com 31 Bilder

Robert Kubica feiert 2019 ein Formel 1-Comeback. Ein Jahr lang hat er sich als Testfahrer bei Williams auf den Job vorbereitet. Der Pole blickt auf eine Saison ohne Rennen zurück, erklärt seine Aufgabe bei Williams und warum das Grundproblem des Autos nie richtig gelöst werden konnte.

Sie geben 2019 in Australien Ihr Comeback als Formel 1-Fahrer. Welches Gefühl dominiert?

Kubica: Ich bin am Ende einer langen Reise angekommen, und sie hat ein Happy end. Dass ich es überhaupt so weit geschafft habe, ist meine größte Leistung. Vor mir steht eine riesige Herausforderung. Ab jetzt beginnt die Arbeit erst richtig. Und sie wird für mich sein.

Sie haben ein Jahr lang die Formel 1 aus der Zuschauerperspektive erlebt. Tut es weh, dabei zu sein, aber nicht zu fahren?

Kubica: Für einen Rennfahrer ist es nicht leicht. Ich hatte aber keine Schmerzen, keine Rennen zu fahren. Sicher, gab es da Rennstrecken, auf denen ich immer gut war. Da habe ich es schon vermisst, zu fahren. Und einige neue, die ich gerne fahren würde, wie zum Beispiel Baku. Mir haben zwei Dinge geholfen. Zuerst einmal war ich wieder froh, im Fahrerlager Teil des Geschäfts zu sein. Es ist lange her, dass ich zuletzt Formel 1 gelebt habe. Okay, in einer anderen Position. Aber wenn du Leidenschaft für diesen Sport hast, genießt du es trotzdem. Und dann, ich sollte es eigentlich nicht sagen, war unser Auto nicht gerade das Beste im Feld. Wäre der Williams ein starkes Mittelfeld-Auto gewesen, hätte ich wahrscheinlich mehr gelitten. Aber ich will nicht klagen. Für mich war dieses Jahr ein erster Schritt, meinem Ziel näherzukommen.

Mit welchen Augen schauen Sie sich ein Training oder ein Rennen aus der Garage an?

Kubica: Nicht wie einer auf dem Sofa, der sich ein Gesamtbild vom Rennen machen kann. Ich habe da eine komische Erfahrung gemacht. Bei vielen Rennen habe ich nicht einmal mitgekriegt, was sich vorne an der Spitze abgespielt hat. In Australien habe ich mich nach 40 Runden ertappt, dass ich nicht mal wusste, wer in Führung lag. Ich habe hauptsächlich unsere Autos verfolgt. Da die sehr selten auf dem Bildschirm zu sehen waren, habe ich mich mehr auf die Rundenzeiten, die Daten, die Funksprüche konzentriert und habe daraus versucht zu visualisieren, wie unser Rennen aussieht. Ein komplett anderer Blick.

Sie sind das Auto schon bei den Wintertests in Barcelona gefahren. Haben Sie gleich gespürt, dass da etwas faul ist?

Kubica: Wir sind mit großen Hoffnungen in das Jahr gestartet, aber ich habe schon nach meinen Versuchen während der Wintertests gespürt, dass wir da ein Problem bekommen könnten. Die Ingenieure brauchen manchmal etwas länger, das anhand der Daten zu erkennen oder zuzugeben. Das ist normal. Als Fahrer spürst du sofort gewisse Defizite. Du kennst natürlich nicht die Gründe dafür, aber weißt, wie das Auto reagiert und wie es reagieren sollte. Obwohl ich lange weg war, weiß ich immer noch, was ich von einem Auto verlangen muss, um schnell damit zu fahren und das meiste aus dem Paket herauszuholen.

Robert Kubica - Williams - Abu Dhabi - Testfahrten Foto: sutton-images.com
Robert Kubica feiert 2019 sein Comeback als Stammfahrer in der Formel 1.
Wie hat sich das Auto entwickelt?

Kubica: Wir haben das Auto verbessert, haben aber im Laufe der Entwicklungsarbeit auch einige andere Schwachstellen entdeckt, die nichts mit den Rundenzeiten zu tun hatten. Aber aus unserer Position heraus war es wirklich schwierig, die Lücke zu schließen. Die anderen entwickeln ja auch weiter. Sauber war zu Beginn der Saison noch hinter uns, aber sie haben ein unglaubliches Entwicklungstempo an den Tag gelegt, dass sie schließlich im Mittelfeld angekommen sind. Das wichtigste für uns war, von den Fehlern dieses Jahres zu lernen und die Entwicklung für 2019 so anzulegen, dass es nicht mehr passiert.

Waren die Probleme mit dem Auto zu groß, um sie in einer Saison zu lösen?

Kubica: Wir hatten ein großes Problem, das unser Auto das ganze Jahr verfolgt und auf die Rundenzeiten gedrückt hat. Einige andere Dinge haben wir gelöst. Doch wenn es in einem sehr komplexen Bereich des Autos Schwierigkeiten gibt, dann konzentrierst du dich darauf. Für Williams war es eine schwierige Saison, aber auch eine wichtige. Wir haben die Fehler verstanden und müssen jetzt daraus lernen, und sie nicht wiederholen.

Welchen Input haben Sie gegeben?

Kubica: Ich hätte noch mehr tun können. Aber weil wir so damit beschäftigt waren, das Problem zu lösen, kam ich auch nicht so zum Zug. Vielleicht hätte man sonst dem Gefühl des Fahrers mehr vertraut und schneller reagiert. Ich baue nicht das Auto, aber manchmal sieht der Fahrer ein Problem früher als der beste Ingenieur der Welt. Trotzdem haben wir vor allem in der zweiten Saisonhälfte gute Fortschritte gemacht, vor allem im Simulator. Da hatten wir zu Saisonbeginn noch Korrelationsprobleme. Diese Abweichungen zwischen den Werkzeugen und der Wirklichkeit haben im Endeffekt auch zu der Fehleinschätzung des Autos geführt. Wir dachten ja wirklich, wir hätten ein gutes Auto. Der Simulator wird ja mit Daten gefüttert, die von anderen Abteilungen kommen. Es hat Zeit gebraucht, bis wir das aussortiert haben. Wenn Williams noch mehr in diese Richtung entwickelt, kann es ein wichtiges Werkzeug werden.

Warum sind Sie parallel zu Ihrer Arbeit bei Williams nicht Rennen in anderen Serien gefahren?

Kubica: Ich wollte meinen Job bei Williams ordentlich erleben. Und der hat mich ziemlich ausgefüllt. Es gab Phasen in diesem Jahr, da war ich einen Tag zuhause. Da kannst du nicht zwischendurch ein Rennen fahren. Ich wollte mich in diesem Jahr auf Williams konzentrieren. Es war für mich eine gute Gelegenheit zu lernen, auf was es in der modernen Formel 1 ankommt. Der Sport ist heute ganz anders als zu der Zeit, in der ich noch gefahren bin. Reifenmanagement und Spritsparen sind heute ein wichtiger Bestandteil der Rennen. Hätte ich dieses Jahr nicht gemacht, würde ich das heute nicht wissen. Das war auch mein Ziel: Mich wieder auf den letzten Stand bringen.

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