Claire Williams - Frank Williams - GP England 2019 - Silverstone xpb
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Claire Williams tritt zurück

Neustart unter neuen Besitzern

Die Williams-Familie zieht sich nach der Übernahme durch Dorilton Capital aus der Formel 1 zurück. Claire Williams wird den Rennstall ein letztes Mal beim GP Italien leiten. Wer neuer Teamchef wird, ist unklar.

Zwei Wochen ist es her, als Williams den Verkauf des Rennstalls an eine private US-Investmentfirma bekanntgab. Die Teamkasse war zu leer, um als Familienunternehmen weiterzumachen. Und die Zeit offenbar gekommen, um sich als Familie aus der Königklasse des Motorsports zurückzuziehen. Nach über vier Jahrzehnten, 114 Grand Prix-Siegen, 128 Pole-Positions, neun Team-Weltmeisterschaften und sieben Fahrer-Titeln.

Williams zieht einen Schlussstrich unter über vier Jahrzehnte Formel 1. Mit dem Verkauf hat die Familie alle Befugnisse abgetreten. Drei Tage vor dem GP Italien in Monza verkündete der Rennstall, dass Claire Williams als stellvertretende Teamchefin nach dem Rennen zurücktrete und kein Familienmitglied mehr die Geschäfte führen werde. "Die Zukunft des Teams ist gesichert. Es fühlt sich für uns nach dem richtigen Moment an, den Sport zu verlassen. Williams ist bei Dorilton Capital in guten Händen. Wir wollen den neuen Besitzern einen echten Neustart ermöglichen", begründete Claire Williams den Schritt.

Williams - GP Belgien 2020
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Williams hat zwar den Anschluss an Haas und Alfa Romeo gefunden, ist aber weiter Letzter in der Team-WM.

Williams will Neustart

Die 44-Jährige führt seit 2013 als stellvertretende Teamchefin die Tagesgeschäfte, damit sich Vater und Firmengründer Sir Frank Williams mehr und mehr zurückziehen konnte. In den sieben darauffolgenden Saisons verbuchte der Traditionsrennstall zwei dritte Plätze 2014 und 2015, stürzte aber in den letzten Jahren ab. Williams wurde 2018 und 2019 jeweils Letzter in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Auch in dieser Saison ist der Rennstall aus Grove, der etwa 700 Mitarbeiter beschäftigt, 600 davon im Rennteam, ganz hinten zu finden.

Die Formel 1 wurde immer teurer, und Williams mit seinem kleinen Budget durchgereicht. Schlechte Platzierungen bedeuten geringere Einnahmen aus den Rechtetöpfen der Formel 1. Und mit letzten Plätzen öffnen auch die Sponsoren nur ungern die Geldkoffer. Die Corona-Krise könnte Williams den entscheidenden Stoß versetzt haben.

"Ich trete schweren Herzens ab", beschreibt Claire Williams. "Ich hatte eigentlich gehofft, unser Erbe lange fortzuführen. Aber die Notwendigkeit nach innerlichen Investitionen früher im Jahr, was auf unterschiedliche Faktoren zurückging, viele davon außerhalb unserer Kontrolle, führten zum Verkauf des Teams an Dorilton Capital. Meine Familie hat immer das Rennteam und die Mitarbeiter an erste Stelle gestellt. Deshalb war es die richtige Entscheidung. Wir wissen, dass wir die passenden Eigentümer gefunden haben, um Williams wieder nach vorne zu bringen und das Erbe zu bewahren."

Wer wird neuer Teamchef?

Es war zu erwarten, dass es nach der Übernahme zu Veränderungen kommen würde. Das es so schnell geht, war aber doch eine Überraschung. "Nicholas und ich erfuhren es von Claire heute Morgen", berichtete George Russell. "Es ist ein trauriger Tag für uns als Team. Wir werden darum kämpfen, den Namen Williams in Zukunft bestmöglich zu repräsentieren."

Die neuen Besitzer gaben in einem Statement bekannt, die Entscheidung der Familie zu respektieren. Man sei stolz darauf, Williams in die neue Epoche der Formel 1 zu führen. Damit ist die Zukunft unter dem neuen Rahmenvertrag gemeint, den alle Teams im August unterschrieben hatten, und an dem Claire Williams mitgewirkt hatte. Sie setzte sich für die kleineren Teams ein.

Das sechste Concorde Abkommen der Formel 1-Geschichte garantiert eine ausgewogenere Geldverteilung, greift den kleinen Teams unter die Arme und soll zu mehr Chancengleichheit führen. Dafür wurden die Regeln umgeschrieben.Ab 2021 gilt ein Budget-Deckel in Höhe von maximal 145 Millionen Dollar und ab 2022 ein neues Regelwerk. Es wird die Aufgabe von Dorilton Capital sein, Williams bis dahin so aufzubauen, dass es wieder aufwärts geht. Das Dorilton-Trio Matthew Savage, Darren Fultz und James Matthews leitet künftig das Aufsichtsgremium des Unternehmens.

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