George Russell - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021 xpb
Williams FW43B - Neue Lackierung - Formel 1 - 2021
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Williams FW43B - Neue Lackierung - Formel 1 - 2021 14 Bilder

Williams mit Philosophie-Wechsel: Geht Poker auf?

Williams mit Philosophie-Wechsel Mehr Abtrieb, starke Windanfälligkeit

Williams wird auch in dieser Saison im Hinterfeld fahren. Doch der Rennstall hat sich einen Plan zurechtgelegt, wie man wenigstens den letzten Platz abtreten will. Die Aerodynamik wurde spitzer ausgelegt. Das bringt Abtrieb, macht das Auto aber empfindlicher. Mit George Russell am Lenkrad könnte der Poker aufgehen.

Lassen Sie sich von der Zeitentabelle nicht täuschen. Williams ist nicht plötzlich ein Kandidat für das Q3 und die dritte Startreihe. George Russell lenkte am letzten Tag der Tests von Bahrain seinen FW43B in 1:30.117 Minuten um die Strecke. Damit war er auf identischen Reifen – C5 – nur eine Zehntelsekunde langsamer als Lewis Hamilton in einem Mercedes.

Ja, dieser Mercedes W12 ist schwerer zu fahren als sein Vorgänger. Das Heck ist unberechenbarer geworden. Doch Williams hat über den Winter keine zwei Sekunden auf den Klassenprimus mit der Diva gutgemacht. Das zeigt, wie vorsichtig man das Ergebnis genießen sollte. Das Talent selbst lässt sich nicht blenden. "Ich bin zwar noch keine wirkliche Qualifikationsrunde gefahren. Sandsäcke hingen aber auch nicht mehr am Auto. Andere werden bis zum Rennen in zwei Wochen mehr ausladen", befand George Russell.

Williams seit 27 Grand Prix ohne Punkte

Der junge Engländer sprach nach 373 Runden für das Team von einem produktiven Test. Russell selbst steuerte beim Testfinale allein 158 Umläufe bei. Dank des reibungslosen Tags kann er es auch verschmerzen, vor dem Saisonstart nur acht Stunden getestet zu haben. Der FW43B sei ein zuverlässiges Auto.

"Wir hatten keine technischen Probleme. Das ist schon einmal eine gute Basis. In Österreich kamen beim Saisonstart im letzten Jahr elf Autos ins Ziel. Wenn so etwas noch einmal passiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir dabei sind." Und dann könnten vielleicht auch mal wieder Punkte herausspringen.

Williams wartet saisonübergreifend seit 27 Rennen auf einen Punkt. Das soll sich in diesem Jahr ändern. Dafür haben die Ingenieure das Konzept des Autos im Rahmen der Möglichkeiten verändert. Williams hat sich eine Taktik zurechtgelegt. Man muss nicht auf jeder Rennstrecke gut sein, um den letzten Platz in der WM abzutreten. Russell rechnet vor. "Alfa hat 2020 acht Punkte gesammelt, Haas drei. Es reichen vielleicht zwei, drei gute Rennen, um genügend mitzunehmen, um auf dem achten oder neunten Platz zu landen."

Dafür braucht es ein zuverlässiges Auto, um Chancen zu ergreifen, wenn sie das Renngeschehen anbietet. Aus eigener Kraft wird Williams nicht schnell genug sein. Selbst nicht mit seiner neuen Fahrzeugphilosophie. Die Testfahrten legten nah, dass der Gegner Haas heißt. Alfa Romeo scheint sich aus der Gruppe der Hinterbänkler gelöst zu haben. "Kimi sah sehr, sehr schnell aus. Sie haben den größten Sprung von allen Teams gemacht", urteilt Russell.

Williams - Diffusor - Formel-1-Test - Bahrain - 2021
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Die Heckansicht des FW43B: Die Aerodynamik wurde spitzer ausgelegt.

Wind als Störfaktor

Um die Standfestigkeit scheint es gut bestellt. Das Potenzial des eigenen Autos blitzte von Zeit zu Zeit auf. Williams war sogar das einzige Team im Feld, das sich zeitenmäßig steigern konnte, wenn man die Leistungen mit dem letzten Bahrain-Rennen im November vergleicht. "Wenn der Wind mal aus einer für uns günstigen Richtung kam, war das Auto sehr schnell. In diesem Paket steckt ein schnelles Rennauto."

Und damit wären wir beim Thema. Der Williams FW43B verträgt sich laut Russell generell überhaupt nicht gut mit dem Wind. Und der wehte in Bahrain mitunter besonders stark. Erst am letzten Testtag beruhigte er sich. "Das Auto reagiert extrem sensibel darauf. Diese Bedingungen haben die schlechtesten Seiten unseres Autos zum Vorschein gebracht." Die Probleme kamen nicht unerwartet. Sie waren vielmehr einkalkuliert.

Die Williams-Ingenieure haben trotz der Übernahme vieler Fahrzeugteile aus dem Vorjahr, aufgezwungen vom Reglement, eine etwas andere Entwicklungsrichtung eingeschlagen. Williams suchte nach mehr Abtrieb, und entschied sich bewusst gegen ein breites Fenster, indem die Aerodynamik funktioniert.

Der Anpressdruck schwankt beim neuen Auto stärker je nach Fahrzustand und Auswirkung von außen. "Wir haben Abtrieb gegen Empfindlichkeit ausgetauscht", beschreibt es Russell. "Jedes Team hat verfolgt eine Philosophie. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten. Eine flache Karte mit gleichmäßigerem Anpressdruck über die Kurve hinweg mit weniger Ausschlägen nach oben und unten. Oder mehr Downforce in der Spitze, was das Auto aber unter gewissen Bedingungen extremer macht."

Je kleiner das Fenster, desto größer wird zum Beispiel der Wind als Störfaktor. Weil sich das Auto dann über die Vertikalachse stärker bewegt. Vor allem in langsamen Kurven, wie die Williams-Ingenieure bei den Testfahrten feststellten. Um es einfach auszudrücken: Der FW43B schlingert bei langsamen Geschwindigkeiten mehr. Da sind dann die Fahrkünste gefragt – und ein Gott gegebenes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, so wie es Russell hat.

George Russell - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
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George Russell erzielte bei den Testfahrten in Bahrain die sechstschnellste Rundenzeit.

Ingenieuren die Hände gebunden

Williams wird mit dieser Auslegung über die Saison hinweg leben müssen. Korrekturen sind nur in kleinem Maß möglich. Weil ein zu starker Eingriff in das Konzept nach vielen Probeläufen im Windkanal verlangen würde. Die würden dann dem 2022er Auto abgehen. Williams pokert. Doch was hätte man nach einer punktelosen Saison auch anderes machen sollen? Mit dem bekannten Konzept wäre man einfach weiter hinterhergefahren. Mit der neuen Philosophie ist vielleicht auch mal eine Überraschung drin. "Wenn es mal nicht so stark windete, waren wir in den Kurven ziemlich konkurrenzfähig."

Russell erwartet, dass die spitzere Auslegung der Aerodynamik dazu führen wird, dass es bei Williams in diesem Jahr auf und ab gehen wird. Je nachdem, ob der FW43B in seinem Wohlfühl-Fenster fahren kann. Den Ingenieuren sind die Hände gebunden. Man ist vom Wetter abhängig. Und vom Streckentyp: Je unterschiedlicher die Kurven, desto schwieriger wird es werden, ein passendes Setup zu finden. "Ihr könnt euch auf einen Jo-Jo-Effekt einstellen." Doch mit einem Talent wie Russell am Lenkrad, das sich auch von einem unruhigen Auto nicht abschrecken lässt, könnte der Poker aufgehen.

"Ob es sich auszahlt, eine andere Richtung eingeschlagen zu haben, werden wir erst am Saisonende sehen", sagt der 23-Jährige. "Wir könnten zurückblicken und sagen, dass wir in zehn Rennen sehr schnell waren, in den restlichen 13 dafür sehr langsam. Wenn wir aber in unseren guten Rennen gepunktet haben und auf dem achten Platz landen, haben wir alles richtig gemacht. Imola könnte mit den schnellen Kurven eine Strecke für uns sein. Es gibt zu jeder Philosophie ein Pro und Contra. Die Zeit wird zeigen, ob wir uns richtig entschieden haben."

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