George Russell - Williams - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola xpb
Williams - Formel 1 - GP Portugal 2021
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George Russells Wechselbad der Gefühle in Imola

Russells Wechselbad der Gefühle Erst Bestätigung, dann Abflug

George Russell gilt als Star der Zukunft. Noch hat der Engländer aber keinen einzigen WM-Punkt. In Imola warf der Williams-Pilot das Auto in aussichtsreicher Position in die Mauer.

Eine Woche musste George Russell um sein Cockpit zittern. Obwohl der 22-Jährige inzwischen in 34 Grand Prix nicht ein Qualifikations-Duell verloren hat, und trotz eines gültigen Vertrags, kokettierte Williams offensichtlich mit einem Fahrertausch. Der drittälteste Rennstall der Formel 1 soll sich mit Sergio Perez unterhalten haben. Und weil Nicholas Latifi mit ein paar Millionen den Team-Etat aufstockt, stand Russell zur Disposition.

Williams verpasste es vor dem GP Portugal, den Gerüchten ein Ende zu setzen und fuhr stattdessen zickzack. Eine Woche später holte Interimsteamchef Simon Robert das nach, was er in Portimao mit einer ungeschickten Ausdrucksweise verpasst hatte. Er gab ein klares Bekenntnis ab. "Wir werden mit George und Nicholas 2021 weitermachen."

Russell, der sich zuvor betont gelassen gegeben hatte, und auf seinen Vertrag verwies, gab im Nachhinein zu, dass die Unruhe nicht spurlos an ihm vorbei ging. "Ich habe von den Spekulationen um mein Cockpit gehört. Egal, ob die Geschichten wahr oder falsch waren. Es ging hier um meinen Platz im Team. Und klar habe ich mir Sorgen gemacht. Simon, die neuen Eigentümer und ich hatten aber ein klärendes Gespräch. Dort wurde klargemacht, dass wir einen Vertrag haben. Punkt." Die neuen Besitzer von Dorilton Capital waren zu Gast in Portugal.

George Russell - Williams - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
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In der elften Runde gab es frische, harte Reifen. In der 52. Runde rutschte Russell darauf ins Aus.

Unfall ein "Anfängerfehler"

Die zweite Bestätigung für 2021 nach der eigentlich bereits erfolgten Bekanntgabe vor dem GP Ungarn war die positive Nachricht am Imola-Wochenende. Doch ausgerechnet nachdem seine Zukunft geklärt war, erlaubte sich Russell einen seltenen Fehler. Den ersten wirklich kapitalen in seiner Formel 1-Laufbahn. Auf dem Weg zu seinem ersten WM-Punkt überhaupt im 34. Rennen flatterten dem Formel 2-Meister von 2018 die Nerven.

Der Engländer lag auf dem zehnten Platz als es passierte. In der Safety Car-Phase drehte er sich vor den Augen von Kimi Räikkönen auf dem Weg runter zu Acque Minerali weg und landete in der Streckenbegrenzung. Russell hatte das Limit überreizt beim Unterfangen, die harten Pirelli-Reifen auf Temperatur zu halten. Sie steckten die Williams-Mechaniker bereits in der elften Runde auf die Radträger. Je weniger Gummi, desto schneller kühlen die Reifen bei langsamer Fahrt aus. Hinter dem Safety Car kletterten die Rundenzeiten von knapp unter 80 auf über 130 Sekunden.

Russell schildert den Unfall aus der Cockpitperspektive. "Ich beschleunige, schalte hoch und schon hebelt mich eine kleine Bodenwelle aus. Bis ich schauen kann, stecke ich in der Mauer." Dann kritisiert sich der 22-Jährige hart. "Ein Anfängerfehler, den ich mir nicht erklären kann. Ich ärgere mich sehr über mich selbst. Wir waren in diesem Rennen für unsere Verhältnisse unheimlich schnell, und dann werfe ich das Auto so leichtfertig weg."

Nicholas Latifi - Williams - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
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Williams wird besser - davon profitiert auch Nicholas Latifi.

Beständig vor Alfa und Haas?

Es könnte die beste Chance für Williams gewesen sein, in dieser Saison zu punkten. Imola kam den weiß-blauen Autos entgegen. Auf der Power-Strecke ist der Mercedes-Motor eine Bank. Der Williams FW43 hat wegen seines immer noch hohen Luftwiderstands zwar eine ineffiziente Aerodynamik, doch den Nachteil kaschierte in der Qualifikation zum Teil der offene Heckflügel auf der 1,2 Kilometer langen Geraden. Da fuhr Russell sogar vor Sebastian Vettel auf den 13. Platz.

Zum achten Mal in den letzten 12 Rennen schaffte er es ins Q2. Im Rennen war Russell fast so schnell wie Lando Norris im McLaren vor ihm. Imola passte noch aus einem weiteren Grund zum Williams. Schon vor ein paar Wochen hatte Russell zur Rennstrecke in der Emilia-Romagna gesagt: "Wir haben eigentlich ganz gut Abtrieb. Für viele sogar überraschend viel." Deshalb konnte es sich Williams auch erlauben, etwas Flügel wegzunehmen, um schnell auf den Geraden zu sein. "Wir haben das Auto auf mehr Topspeed ausgerichtet."

Die Beute entging ihm trotzdem. Wie schon einmal in der Toskana. In Mugello hatte Russell den letzten Neustart versemmelt. Doch einem jungen Fahrer muss man Fehler zugestehen. "Diese Autos können brutal sein. Sie können dich vom einen auf den anderen Moment auf dem falschen Fuß erwischen. Vor allem mit kalten Reifen. Aber wir werden uns wieder in diese Position bringen und dann vollstrecken", gibt sich Russell kämpferisch.

Er will sich die ersten Punkte der Formel 1-Karriere selbst auf der Rennstrecke verdienen – ohne dass vor ihm reihenweise die Autos ausfallen. Optimistisch stimmt Russell, dass Williams immer besser wird. "Wir haben bei der Fahrzeugabstimmung und dem Verständnis in den letzten Wochen den Durchbruch geschafft. Wir können jetzt beständig vor Alfa und Haas sein."

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