Williams in der Krise

Wo liegt der Fehler?

Lance Stroll - Williams - GP Bahrain 2018 Foto: sutton-images.com 30 Bilder

Williams ist auf den letzten Platz abgestürzt. Der ruhmreiche Rennstall hat ein Auto, das er nicht versteht und Fahrer, die den Ingenieuren nicht bei der Lösung der Probleme helfen können. Wir analysieren, wo genau der Schuh drückt.

Das gab es noch nicht einmal in den Kindertagen des Rennstalls, als Frank Williams noch jeden Penny zusammenkratzen musste, um mit Autos Rennen zu bestreiten, die er mal von fremden Herstellern kaufte oder sie im Auftrag bauen ließ. Williams ist Letzter. In der Startaufstellung zum GP Bahrain fehlten vier Zehntel auf den schnelleren der beiden Sauber. Im Rennen waren es 20 Sekunden auf Romain Grosjean, der als einziger drei Mal zum Boxenstopp kam.

Alarmierend ist, dass die Formkurve nach unten zeigt. Bei den Testfahrten noch im hinteren Mittelfeld, in Melbourne Vorletzter, in Bahrain Schlusslicht. Dabei sollte mit Technikdirektor Paddy Lowe, Aerodynamikchef Dirk de Beer, der millionenschweren Mitgift der Fahrer Lance Stroll und Sergey Sirotkin und Entwicklungsfahrer Robert Kubica alles besser werden.

Paddy Lowe wirkte in Bahrain etwas ratlos, als er den Absturz des traditionsreichen Rennstalls erklären sollte. „Alle im Feld haben ihre Probleme. Aber wir haben größere.“ Was den früheren Mercedes-Ingenieur verwundert: „Das Auto war bei den Wintertests zwar nicht so schnell wie wir wollten. Doch die Daten gaben Anlass zur Annahme, dass wir so auf Platz 6 oder 7 liegen würden. Deshalb sind wir überrascht, dass Melbourne und speziell Bahrain diese Prognose nicht bestätigen konnten.“

Urteil der Fahrer: No grip, no balance

Robert Kubica - Williams - Formel 1 - GP Bahrain - 7. April 2018 Foto: sutton-images.com
Kubica muss weiter zuschauen, obwohl er bei der Entwicklung wahrscheinlich helfen würde.

Teamchefin Claire Williams mahnte an: „Ich hoffe, die Vorstellung bei den ersten Rennen war nicht repräsentativ. Wir wissen, dass es drei Schwachpunkte gibt, und an denen müssen wir schleunigst arbeiten.“ Auf die Frage nach Details wich Williams aus: „Bei uns waschen wir schmutzige Wäsche intern. Wir haben einen schlechten Job gemacht, und müssen uns jetzt wirklich reinhängen, das wieder gerade zu biegen.“ Immerhin gibt sie zu, dass es dem Auto an Abtrieb fehlt. Und zwar an allen Ecken und Enden. Das lassen auch die Aussagen der Fahrer vermuten. „No grip, no balance.“

Paddy Lowe bringt das Reifenmanagement ins Spiel: „Wir holen aus den weichen Mischungen supersoft und ultrasoft nicht die Rundenzeit, die der Reifen eigentlich hergeben müsste.“ Die Fahrer sind nicht in der Lage, die Reifen im Arbeitsfenster zu halten. Mal sind sie zu kalt, mal zu heiß. Bei der Analyse der Rundenzeiten fiel Lowe auf: „Wir verlieren überall Zeit.“

Neuerdings auch auf der Geraden. Der einstige Top-Speed-König ist an den Messpunkten auf den Geraden ins Mittelfeld abgerutscht. Lowe räumt ein: „Ja, wir haben die Philosophie des Autos geändert.“ Was bekanntlich oft mit hohen Risiken einhergeht.

Wenn ein Team wie Williams so lange seinem Konstruktionsprinzip des minimalen Luftwiderstandes treu geblieben ist, dann kann man nicht über Nacht einfach so den Schalter umlegen. Mehr Radstand, mehr Anstellwinkel, das sind Aufgaben, an die sich selbst ein Team wie Mercedes nur vorsichtig ran traut.

Eigentlich sieht der Williams FW41 gar nicht so verkehrt aus. Man erkennt im Gegensatz zu Sauber keine ungewöhnlichen Lösungen, die man für die Probleme verantwortlich machen könnte. Es ist eher ein Sammelsurium aus Ideen anderer Fahrzeuge.

Unter der Hand ist zu hören, dass der neue Frontflügel nicht so funktioniert wie erhofft. Und dass die Ingenieure beim Einzug des Hecks und dem Maßschneidern der Verkleidung einen Schritt zu weit gegangen sind. Kein Auto hat hinten so große Austrittsöffnungen wie der FW41. Aus der Heckansicht sieht man sogar die Innereien.

Mehr Kilometer für Kubica sind weniger für Sirotkin

Ferrari - GP Bahrain 2018 Power-Ranking GP Bahrain Ferrari kocht Mercedes ab

In Bahrain machte Lowe einen deprimierten Eindruck: „Wir verstehen nicht, warum wir gerade auf dieser Strecke so schwach abgeschnitten haben. Zurzeit fahren wir nicht gegen andere, sondern nur gegen uns selbst. Wir müssen jetzt tief graben um herauszufinden, was uns so bremst, auch im Vergleich zu Melbourne.“ Der 56-jährige Engländer verspricht in den nächsten drei Rennen neue Teile am Auto. Doch was nützen die, wenn man nicht mal weiß, warum die alten nicht funktionieren?

Die Fahrer können den Ingenieuren wenig Beistand leisten. Stroll hat jetzt 22 Rennen Erfahrung. Ohne Felipe Massa als Teamkollege wirkt der Kanadier verloren. Sergey Sirotkin fuhr in Bahrain erst seinen zweiten Grand Prix. „Zwei junge Fahrer im Team macht die Aufgabe nicht einfacher, wenn das Auto nicht funktioniert“, stöhnt Lowe.

Wäre es da nicht gescheiter, Robert Kubica an mehr als nur den vereinbarten drei Freitagen fahren zu lassen? „Dann würden wir Sergey wichtige Zeit auf der Strecke wegnehmen. Er braucht aber jeden Kilometer“, antwortet Lowe. Das ist der Teufelskreis, in dem Williams gefangen ist. Die Fahrer bezahlen fürs Fahren. Die kann man nicht mal so eben vor die Tür setzen. Nicht mal an einem Freitag.

Im Pavillon von Williams machte sich der Eindruck von Ratlosigkeit breit. Das könnte in Hoffnungslosigkeit umschlagen, wenn das Team merkt, dass es in dieser Konstellation nicht aus der Falle kommt. „Es wäre jetzt falsch, depressiv zu werden“, warnt Lowe. „Nur wenn wir zielgerichtet arbeiten, können wir den Trend umkehren.“

Standpauken von Lawrence Stroll, dem Vater von Lance, sind da wenig hilfreich. Man muss gar nicht hören, was da gesagt wird. Man versteht schon beim Zuschauen den Inhalt. Stroll senior redet, Lowe schweigt. Williams ist auf die Finanzspritze des kanadischen Milliardärs angewiesen. Umso mehr, weil sich Hauptsponsor Martini am Ende des Jahres verabschiedet.

Claire Williams goss mit ihrem Urteil zu den Plänen von Liberty ab 2021 zusätzlich Öl ins Feuer derer, die Williams schon vor dem Abgrund sehen. „Es war ein extrem guter Tag für uns. Als ich von dem Meeting zurückkam, hätte ich am liebsten eine Flasche Champagner geköpft. Aus unserer Sicht kann ich nur sagen: Wenn Liberty das umsetzt, was sie präsentiert haben, dann ist die Zukunft von Williams sicher.“ Schnell fügte die Tochter des Firmengründers hinzu: „Das soll nicht heißen, dass wir auf der Kippe stehen.“ Sorry Claire: Das hat sich nach diesem Satz aber jeder gedacht.

Neuester Kommentar

"Warum denkt man nur gerade an Ex Teams wie Jordan, Minardi, Ligier, Tyrrell..."

Naja, drei von den vier aufgezählten sind doch noch dabei, wenn auch unter anderen Namen:

Jordan -> Force India
Minardi -> Torro Rosso
Tyrell -> Mercedes (Tyrell->BAR->Honda->BrawnGP->Mercedes)

Also nicht gleich Schwarz sehen.

Berndili 29. April 2018, 02:24 Uhr
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