Williams-Technik

Die kürzeste Nase der Williams-Geschichte

Williams FW37 Präsentation Jerez Foto: Stefan Baldauf 21 Bilder

Williams hat im letzten Jahr den Sprung von Platz 9 auf Rang 3 geschafft. Die Stunde der Wahrheit schlägt jetzt. Williams-Technikchef Pat Symonds will beweisen, dass dieser dritte Platz keine Eintagsfliege war. Das Ziel ist es, sich in der Gruppe der Top 4 festzusetzen.

Der neue Williams FW37 zählt zu den Autos, die erst in letzter Sekunde zusammengeschraubt wurden. Dafür waren die 73 Runden von Valtteri Bottas am ersten Testtag ein respektabler Einstand. Aus Sicherheitsgründen wurde der Mercedes-V6-Turbo mit gedrosselter Leistung gefahren. Technikchef Pat Symonds zählt nicht zu denen, die schon zu Testbeginn mit Bestzeiten glänzen wollen. Dazu ist der 61-jährige Engländer viel zu lange im Geschäft.

Das Urgestein gilt als einer der Architekten der Wiedergeburt von Williams. Doch darin liegt auch ein Fluch. Jetzt muss sich der britische Traditionsrennstall an dem dritten Platz von 2014 messen lassen. Symonds will sich nicht auf ein Saisonziel festlegen. "Der dritte Platz hat den Hunger auf mehr entfacht. Es kann natürlich nicht in dem Stil weitergehen. Von neun auf drei zu springen ist leichter als von drei auf eins. Ich sehe aber keinen Grund, warum wir nicht wieder Dritter werden sollten, wäre aber auch nicht enttäuscht, wenn es am Ende Platz 4 wird. Wichtig ist, dass wir uns in der Spitzengruppe etablieren können.“

Nase schafft internen Crashtest erst im vierten Versuch

Dafür hat Williams ein Auto gebaut, das auf dem guten Fundament des FW36 vom Vorjahr aufbaut. "Der FW37 ist ein aufgeräumter FW36", stapelt Symonds tief. Damit meint er vorallem das Heck. "Wir haben die Querlenker der Hinterachse höher gelegt und die Dämpfer im Getriebegehäuse installiert. So konnten wir auch das Getriebe schöner verkleiden", erzählt Symonds. Die Maßnahme verbessert die Strömung oberhalb des Diffusors.

Die größte Abkehr zum Vorgänger ist die Nase. Von lang auf kurz. "Wir sind nicht auf der Minimallänge, aber es ist mit Sicherheit die kürzeste Nase, die Williams je gebaut hat. Dieses Team hat eine gute Crashtest-Bilanz, aber diesmal haben selbst wir uns schwer getan", gibt der Technikchef zu. Die Nase des FW37 bestand den internen Crashtest erst im vierten Anlauf.

Neues Heckflügel-Konzept in Planung

Dafür musste an das vordere Ende der Nase ein Stummel angebaut werden, der einerseits der neuen Nasenregel genügt, andererseits hilft, dass sich die Karbonstruktur beim Crash ordnungsgemäß zusammenfaltet. Red Bull hat eine ähnliche Konstruktion. Während der WM-Zweite des Vorjahres die Knolle aus aerodynamischen Gründen noch loswerden will, ist Williams mit seiner Nase zufrieden. "Wir haben andere Prioritäten als bei der Nase noch das letzte herauszuholen." Letztlich ist es auch eine Geldfrage. Der Aufwand, die Nase weiter zu verkürzen, steht für ein Team wie Williams in keinem Verhältnis zum Ertrag.

Da arbeiten die Techniker lieber an anderen Projekten. Zum Beispiel dem Heckflügel. Williams wird sein Konzept, den Flügel hinten auf die Endplatten zu stellen, wahrscheinlich bald aufgeben. Symonds rechnet damit, dass der Flügel in der nächsten Ausbaustufe auf einer zentralen Stelze steht.

"Nachdem uns keiner kopiert hat, haben wir uns gesagt, dass in der zentralen Stelze vielleicht doch mehr Potenzial steckt, als wir bis dahin gefunden hatten. Und tatsächlich sind wir jetzt bei den Windkanalversuchen an einem Punkt angelangt, an dem es sich lohnt, diese Bauart weiterzuverfolgen."

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