Winkelhock

"Das Maximum rausholen"

Foto: Spyker

Markus Winkelhock bestreitet am kommenden Wochenende beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring im Spyker-Team sein Formel 1-Debüt. Vier Tage vor dem Rennen stand uns der Waiblinger exklusiv Rede und Antwort.

Am Sonntag werden Sie das wichtigste Rennen Ihrer Karriere fahren. Spüren Sie schon eine innere Aufregung?

Winkelhock: Nein nicht wirklich, jedenfalls bis jetzt noch nicht. Die vergangenen Tage stand ich mit Spyker-Teamchef Colin Kolles ständig in Kontakt. Wir haben natürlich sehr viel über den Nürburgring-Einsatz gesprochen. Somit bin ich vom Kopf her bestens gerüstet. Und ich wäre daher auch nicht enttäuscht gewesen, wenn es nicht geklappt hätte. Weil ich mich einfach auf beide Situationen eingestellt hatte.

Was erwarten Sie von den nächsten Tagen?

Winkelhock: Eines steht fest: Es wird kein leichtes Wochenende, sondern eines, wie ich noch keins erlebt habe. Allein was mich da an Interview- und Fernsehterminen erwartet. Aber ich will mich der Situation stellen und wirklich das Beste daraus machen. Darauf haben ich und mein Umfeld jahrelang hingearbeitet. Die Umstellung vom DTM-Audi zum Formel 1-Spyker macht es nicht leichter. Den Formel 1 habe ich bislang nur 200 Kilometer gefahren.

Spielt das Gedenken an Ihren vor über 20 Jahren bei einem Sportwagenrennen tödlich verunglückten Vater eine Rolle?

Winkelhock: Eigentlich nicht. Seitdem ich mit der Rennfahrerei 1998 angefangen habe, bekomme ich diese Frage immer wieder gestellt. Ebenso wird auch die Angst, die meine Mutter um mich hat, ständig thematisiert. Es sind immer die gleichen Fragen. Aber letztlich kann ich das aus journalistischer Sicht sehr gut nachvollziehen.

Wenn Sie nun im zweiten Spyker-Ferrari Platz nehmen, fehlt Ihnen bei weitem jene Erfahrung, die Ihnen Ihr schneller Teamkollege Adrian Sutil voraus hat. Tun Sie Sutil indirekt nicht sogar einen Gefallen, da er Sie wegen seines Erfahrungsvorsprungs zwangsläufig in den Schatten stellt?

Winkelhock: Was soll ich dazu sagen? Adrian ist wirklich sehr, sehr schnell unterwegs, wesentlich schneller, als das viele vor der Saison voraussagen konnten. Christijan Albers hat er regelmäßig um eine halbe bis eine Sekunde distanziert. Und er fährt in absoluter Hochform. Aber andere Vergleiche als der zu seinem Teamkollegen sind unrealistisch. Ich setze mich einfach in das Auto und gebe Gas. Ich will das Maximum aus mir und dem Auto herausholen.

Was passiert nach dem Nürburgring? Werden Sie noch weitere Formel 1-Rennen in dieser Saison für Spyker bestreiten?

Winkelhock: Im Moment bin ich Test- und Ersatzfahrer. Durch Albers’ Fortgang entstand praktisch eine Notsituation. Daher darf ich ohne finanzielle Mitgift im Auto sitzen. Bis jetzt ist nur der Einsatz auf dem Nürburgring geplant. Was darüber hinaus passieren wird, davon weiß ich noch gar nichts. Keine Ahnung. Da müsste man Colin Kolles fragen. Und darüber hinaus müssten noch Sponsoren gefunden werden.

Wie werden Sie in das Rennen gehen? Was ist Ihr Ziel?

Winkelhock: Mmmh.... gute Frage. Ich weiß es nicht. Im Endeffekt ist es ein Rennen wie jedes andere auch. Insofern muss ich mir gar keine so großen Gedanken machen. Das wäre ja ganz anders, wenn ich in der Startaufstellung vorne stehen würde. Aber von hinten startet es sich eh’ leichter als von vorne oder im Mittelfeld. Sicherlich: In der ersten Runde oder in der ersten Kurve lassen sich immer Positionen gut machen. Aber da spielt auch Glück eine Rolle. Wie auch immer - in erster Linie will ich das Rennen beenden.

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