Michael Schumacher - Ferrari - Jacques Villeneuve - Williams - GP Europa 1997 - Jerez Motorsport Images

WM-Entscheidung im letzten Grand Prix

Die großen Finalrennen

1000. GP

Es ist das Wunschszenario aller Formel 1-Fans: Der große Showdown am Ende der Saison. 29 Mal wurde die Weltmeisterschaft erst im letzten Rennen entschieden. Wir erinnern an die spektakulärsten Titelentscheidungen seit 1950.

Schon im ersten Jahr der Formel 1 kam es in Monza zu einem Showdown. Nino Farina gegen Juan-Manuel Fangio. Italien gegen Argentinien. Ein 43-jähriges Raubein aus Turin gegen den angehenden Weltstar mit tadellosen Manieren. Farina gewann das Duell der Alfa Romeo-Piloten. Das Werk wollte es so und schanzte ihm den besseren Motor zu. Doch so weit kam erst gar nicht. Die Technik spielte Schicksal. Fangio fiel gleich zwei Mal aus. Zuerst im eigenen Auto mit Getriebeschaden, dann in Piero Taruffs Alfetta mit Motorschaden.

Das erste Finale war genauso wenig wie das zweite ein Jahr später in Pedralbes ein Krimi. Immerhin war 1951 die Ausgangsposition spannender als in der Saison davor. Juan-Manuel Fangio trat in seinem Alfa Romeo gegen Ferraris-Speerspitze Alberto Ascari an. Ferrari wählte die falschen Räder und machte sich mit einer Serie von Reifenschäden kampfunfähig.

Die Krone ging an Fangio. Sieger und Besiegter trafen sich am 1.November in Mailand erneut. Ausgangspunkt war eine Wette zwischen Fangio und Ascari. Wer Weltmeister würde, musste die Rechnung bezahlen. Der Verlierer durfte den Ort des Essens bestimmen und die Gäste einladen. Ascari entschied sich für das Ristorante Savini in der Nähe des Mailänder Doms und brachte viele Freunde mit. Fangio musste tief in die Tasche greifen. Eine nette Anekdote, aber nichts gegen die großen Finalrennen der Formel 1. Wir haben zwölf davon ausgesucht.

GP Mexiko 1964

Drei Fahrer flogen mit Titelhoffnungen nach Mexiko-City. Und so sah die Arithmetik vor der Finalrunde aus. Graham Hill hatte 39 Punkte und schon ein Streichresultat. Er würde ein weiteres Resultat verlieren, diesmal einen vierten Platz. Der B.R.M.-Pilot musste also mindestens Dritter werden, um wenigstens noch einen Punkt dazuzugewinnen. Damit wäre Jim Clark auf jeden Fall aus dem Rennen gewesen. John Surtees hätte dann schon wenigstens Zweiter werden müssen. Ferraris heißes Eisen im WM-Finale stand bei 34 Zählern und konnte noch voll punkten. Dito Jim Clark, der bei 30 Punkten hielt.

Jim Clark wählte für das wichtigste Rennen des Jahres den Lotus 33. Der Titelverteidiger fuhr mit einem Vorsprung von 0,86 Sekunden auf Dan Gurney auf die Pole Position. John Surtees vertraute weiter dem Ferrari 158 mit dem bewährten V8-Motor. Stallgefährte Lorenzo Bandini stand neben ihm in der zweiten Reihe. Der Italiener ging wie in Watkins-Glen mit dem neuen Ferrari 1512 ins Rennen. Graham Hill im B.R.M. P61 hatte als Sechster der Startaufstellung die schlechteste Ausgangsposition.

Der Dreikampf entlud sich am Renntag in einer unglaublichen Spannung, und er endete mit einem Eklat. Zunächst lief alles für Jim Clark. Der Lotus-Pilot eilte dem Feld auf und davon. Er hatte Dan Gurney als Puffer hinter sich. Graham Hill stürzte auf Platz 10 ab, weil sich beim Start die Befestigung seiner Rennbrille löste. John Surtees kämpfte in der Anfangsphase mit Zündaussetzern und war am Ende der Startrunde nur auf Platz 13 zu finden.

John Surtees - Rennfahrer
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John Surtees krönte sich 1964 zum Weltmeister.

In der 12.Runde hieß der Weltmeister auf dem Papier Graham Hill. Der B.R.M.-Pilot hatte sich in einer atemberaubenden Aufholjagd bis auf Rang 3 vorgekämpft. Bei dieser Platzierung hätte Jim Clark auch ein Sieg nichts genützt. Auch John Surtees machte Plätze gut, nachdem sich sein Ferrari-Motor erholt hatte. Weiter als bis auf Platz 5 kam er aber zunächst nicht nach vorne. Aber er hatte ja noch seinen Helfershelfer Lorenzo Bandini, der Graham Hill wie ein Schatten folgte.

Ferraris Nummer zwei verstrickte Hill in ein Duell ohne Rücksicht auf Verluste. Zwischen Ferrari und B.R.M. ging es auch noch um den Konstrukteurs-Titel. Jeder Punkt konnte wichtig sein. Der Weltmeister von 1962 ahnte, was in der Luft lag, und zeigte Bandini als Warnung mehrmals die Faust.

Inzwischen hatte auch Surtees zu den beiden aufgeschlossen, und Hill sah im Rückspiegel gleich zwei Ferrari. „Graham musste nun seine Kampflinie so wählen, dass er mich und Lorenzo blockierte. Es war klar, dass wir ihn über kurz oder lang in einen Fehler hetzten würden“, sagte Surtees von seinem Logenplatz. In der 31.Runde passierte, was passieren musste. Lorenzo Bandini touchierte in der Haarnadel den B.R.M. im Heck. Beide drehten sich. Graham Hill musste an die Boxen, um die verbogenen Auspuffendrohre geraderichten zu lassen. Das warf ihn auf Platz 12 zurück.

Für Surtees sah die Welt wieder etwas freundlicher aus, doch jetzt hielt Jim Clark wieder den Titel in der Hand. Surtees und sein Wasserträger Bandini lagen zu weit hinter Dan Gurney, um auf den zweiten Platz zu kommen, der Surtees gereicht hätte, wäre Clark als Sieger durchs Ziel gefahren.

Sieben Runden vor Schluss erlebte Jim Clark die Wiederholung eines technischen Dramas, das ihn schon 1962 den WM-Titel gekostet hatte. Eine Gummikupplung in einer Ölleitung wurde porös. Der Lotus zog eine kleine Ölspur hinter sich her. In der vorletzten Runde übernahm Dan Gurney die Führung. Als es in die letzte Runde ging, überschlugen sich die Ereignisse. Ferrari hielt Lorenzo Bandini eine Boxentafel vor die Nase, John Surtees vorbeizulassen. Wäre nämlich Clark als Zweiter vor Surtees ins Ziel gefahren, hätte das Graham Hill den Titel gebracht. „Lorenzo hat mich nicht freiwillig vorbeigelassen“, berichtete Surtees später. „Auf der Hälfte der letzten Runde ging der Climax V8 in Clarks Lotus mangels Öl fest. Er wurde noch als Fünfter gewertet. Surtees war Zweiter und damit Weltmeister. Graham Hill kam mit zwei Runden Rückstand auf Platz 11 ins Ziel. Der Engländer nahm die Niederlage sportlich. Zu Weihnachten schenkte er Lorenzo Bandini ein Buch. Der Titel: “Wie lerne ich Autofahren?„

GP Mexiko 1968

Die Situation erinnerte an 1964. Gleicher Ort, gleiche Ausgangsposition. Wie vier Jahre zuvor kämpften wieder drei Männer in drei unterschiedlichen Teams um den Titel. Diesmal waren auch drei Reifenfirmen am Showdown beteiligt. Graham Hill und Lotus fuhren auf Firestone-Reifen, Jackie Stewart und Matra auf Dunlop-Sohlen, und Denis Hulme und McLaren waren bei Goodyear unter Vertrag.

Graham Hill fuhr mit 39 Punkten in die entscheidende Schlacht. Jackie Stewart lag mit 36 Zählern auf Schlagdistanz. Wer auch immer von den dreifachen Saisonsiegern das Rennen gewann, würde mit der höheren Anzahl an Siegen Weltmeister sein. Denis Hulme brauchte mit 33 Punkten schon die Mithilfe seiner Kollegen. Hill durfte in diesem Fall nicht besser als Fünfter werden. Stewart hätte ein zweiter Platz bei einem Erfolg von Hulme trotz Punktegleichheit nicht geholfen.

Schon das Training war ein Thriller. Das Tempo bestimmten nicht die drei Hauptdarsteller, sondern Jo Siffert und Chris Amon. Die beiden fuhren komfortabel in die erste Startreihe. Denis Hulme kämpfte sich in letzter Minute neben Graham Hill in die zweite Reihe. Jackie Stewart stand nasch mehreren Defekten und Fahrzeugwechseln nur auf Platz 7 neben Jack Brabham.

Der Dreikampf um die WM begann verheißungsvoll. In der fünften Runde lagen die drei Kombattanten auf den Plätzen 1, 2 und 3. Dann klemmte sich Jo Siffert dazwischen, und in der elften Runde endeten die Hoffnungen von Denis Hulme mit einem spektakulären Unfall. Ausgangs der Peraltada-Kurve brach ein Dämpfer. Der McLaren schlug hart in die Leitplanken ein und fing sogar kurz Feuer. Hulme wurde kräftig durchgeschüttelt, blieb aber unverletzt.

Graham Hill fuhr ein überzeugendes Rennen zu seinem zweiten Titelgewinn. Er führte in den Runden 1 bis 4. Zwischen Runde 5 und 8 übernahm Jackie Stewart die Spitze, dann holte sich Hill die Führung zurück. In der 50. von 65 begann Jackie Stewarts Abstieg. Der Benzindruck schwankte, in Rechtskurven fiel der Öldruck in den Keller, und die Straßenlage seines Matra wurde mit abnehmender Spritmenge immer schlechter. Im Ziel reichte es nicht einmal mehr zu WM-Punkten. Stewart war nicht einmal traurig: “Für mich wäre der Titel ein Jahr zu früh gekommen. Ich ging ja noch in die Lehre. Graham als Weltmeister war die bessere Story.„

GP Japan 1976

Der große Showdown einer langen Saison fand in Japan statt. Einem Land, das zum ersten Mal im Kalender der Formel 1-WM stand. Niki Lauda ging mit drei Punkten Vorsprung in die entscheidende Schlacht gegen James Hunt. Die Rechenspiele waren simpel. Hunt musste mindestens ausgleichen. Bei Punktgleichheit war er wegen der höheren Anzahl der Siege Weltmeister. Da stand es 6:5 für den Engländer.

Nach zwei Trainingstagen bei schönem Herbstwetter lagen die beiden WM-Kandidaten direkt hintereinander, nur durch 0,28 Sekunden voneinander getrennt. James Hunt stand in der ersten, Niki Lauda in der zweiten Reihe neben John Watson im Penske. Nur einer war schneller. Mario Andretti holte für Lotus die erste Pole Position seit über zwei Jahren.

Am Sonntag erwartete die 25 Starter eine Waschküche. Es regnete Bindfäden. Nebelschwaden erschwerten die Sicht. Der Mount Fuji hüllte sich in Wolken. Das morgendliche Warm-up bestätigte die schlimmsten Befürchtungen der Fahrer. Riesige Pfützen sorgten für Aquaplaning, die Gischt und der Nebel reduzierten die Sicht auf 100 Meter. Unter der Führung von Niki Lauda erklärten mehrere Fahrer, dass sie bei diesen Bedingungen nicht fahren würden. An einen planmäßigen Start zur Ortszeit 13.30 Uhr war nicht zu denken. Nach einem weiteren Warm-up setzte der Veranstalter ein Ultimatum: UM 15 Uhr wird gestartet. Bernie Ecclestone ermahnte die anderen Teamchefs, dass TV-Stationen rund um den Globus Satellitenzeit gebucht hatten. Das Deutsche Fernsehen schaltete übrigens nach den ersten Verzögerungen ab und zeigte eine Mattscheibe.

Wer sich auf ein großes Duell Hunt gegen Lauda gefreut hatte, wurde schnell enttäuscht. Nach der ersten Runde war Lauda Zehnter, nach der zweiten stand er an der Box und stieg aus. Ein ungeheuerlicher Vorgang. Lauda gab auf. Aus Angst vor einem großen Unfall. Audettos Vorschlag, einen Motorschaden vorzutäuschen, wurde von seinem Fahrer abgelehnt. “Man hätte mir die Schützenhilfe später immer wieder unter die Nase gerieben.„ Lauda warf sich in Zivilklamotten und düste zum Flughafen nach Tokio ab.

James Hunt war noch nicht Weltmeister. Er musste Vierter werden. Der Engländer zog an der Spitze zunächst einsam seine Kreise. 20 Runden vor dem Ende durfte Lauda wieder Hoffnung schöpfen, hätte er mitbekommen, was sich da anbahnte. Es hörte auf zu regnen. Die Pfützen reichten nicht mehr aus, die Reifen zu kühlen. An Hunts McLaren begann sich der linke Vorderreifen aufzulösen. Der Fahrer wartete auf eine Entscheidung seiner Boxencrew, und die auf eine Aktion ihres Piloten. Keiner wollte einen Fehler machen.

In der 62. Runde gingen Patrick Depailler und Mario Andretti an Hunt vorbei. Fünf Runden vor Schluss dann das Unfassbare. Der linke Vorderreifen von Hunt hing in Fetzen auf der Felge. Zu seinem Glück genau vor der Boxeneinfahrt. In 27 Sekunden bekam der Engländer vier neue Reifen und kehrte als Fünfter ins Rennen zurück. Damit war Niki Lauda Weltmeister. Zwei Runden vor Schluss hatte Hunt den Ferrari von Clay Regazzoni und den Surtees von Alan Jones wieder eingeholt. Hunt ging an den Gegnern vorbei und war damit Dritter. Damit gehörte der Titel wieder ihm. Der angehende Champion hatte jedoch den Überblick verloren und fuhr das Rennen mit Wut im Bauch zu Ende.

Mario Andretti gewann ohne Boxenstopp mit einer Runde Vorsprung auf Depailler. Als Hunt nach der Zieldurchfahrt seine Box ansteuerte, machte er dem Team schwere Vorwürfe, weil sie ihn seiner Meinung nach viel zu spät zum Reifenwechsel hereingeholt und ihm so den WM-Titel gekostet hatten. Erst als irgendeiner den Redeschwall des Mannes im Cockpit durchbrach, war Teamchef Teddy Mayer in der Lage, seinem neuen Weltmeister zu gratulieren. Hunt wollte es nicht glauben. Doch der dritte Platz reichte.

GP Südafrika 1983

Es war das erwartete Superfinale. Wie 1964, 1968 und 1974 hatten wieder drei Fahrer die Chance auf den Titel. Alain Prost ging mit zwei Punkten Vorsprung auf Nelson Piquet in den letzten Lauf. René Arnoux brauchte bei acht Zählern Rückstand schon einen Sieg bei gleichzeitigem Ausfall seiner Kontrahenten.

Die Aufgabe wurde noch schwieriger, als sich Arnoux im Training den Ferrari über den rechten Fuß rollte. Danach waren Eisbeutel gefragt. Im Rennen kam der WM-Dritte nicht weit. Reifenschaden nach acht, Motorschaden nach zehn Runden. Aus der Traum. Bei Renault und BMW herrschte im Training Alarmstufe eins. Renault suchte die passenden Lader. Erst als man den richtigen Typ aussortiert hatte, rückte Alain Prost auf den 5. Startplatz vor. Vier Zehntel hinter seinem großen WM-Gegner Nelson Piquet.

BMW beklagte sechs Motorschäden. War der neue hochoktanige Sprit aus dem Labor von Wintershall schuld, der dem bayerischen Vierzylinder mehr PS einhauchte? Am Samstagabend war das Rätsel geklärt. Die Motoren überhitzten in der Höhenluft von 1800 Metern. Chefingenieur Paul Rosche ordnete für das Rennen ein fetteres Gemisch zur Innenkühlung der Zylinder an. Beide Motoren hielten.

Nelson Piquet ging vom zweiten Startplatz aus mit weichen Reifen und Sprit für nur 28 Runden in das letzte Rennen des Jahres. Der Herausforderer plante an der Spitze Tempo zu bolzen, genug Vorsprung herauszufahren, um nach dem Tankstopp in Führung zu bleiben. Die restlichen 49 Runden wollte Piquet das Auto mit reduziertem Ladedruck und harten Reifen über die Distanz bringen. Es klappte wie geplant. Vor dem Boxenstopp hatte Piquet 35 Sekunden Vorsprung auf Riccardo Patrese, der Alain Prost in Schach hielt.

Renault taktierte umgekehrt. Der Boxenstopp für Prost war erst für Runde 43 geplant. Doch der WM-Favorit rollte schon in der 36. Runde an die Box. Das Turbinenrad im Lader war gebrochen. Prost schaute sich mit finsterer Miene den Rest des Rennens von der Boxenmauer an. Piquet musste ja noch mindestens Vierter werden. Er wurde. Im letzten Renndrittel drehte der neue Weltmeister den Ladedruck auf den unteren Anschlag. Zuerst ließ Piquet Teamkollege Patrese vorbei. Er wehrte sich auch nicht gegen Niki Lauda und Andrea de Cesaris. Als Piquet den Ladedruck wieder hochdrehen wollte, merkte er, dass die Handkurbel abgefallen war. Der Brasilianer suchte sie verzweifelt im Cockpit und fand sie schließlich auch. An den Boxen ahnte keiner etwas von Piquets Nöten.

Bei einem Angriff von hinten hätte er sich nun wieder wehren können. Doch Derek Warwick, Keke Rosberg und Eddie Cheever lagen bereits eine Runde zurück. Und Lauda fiel noch aus. Der dritte Platz reichte Piquet zum zweiten Titel nach 1981.

Niki Lauda - McLaren MP4-2 - GP Portugal 1984
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Das knappste Finale aller Zeiten: Niki Lauda im McLaren beim GP Portugal 1984.

GP Portugal 1984

Ein halber Punkt. Eine Winzigkeit kostete Alain Prost den WM-Titel. Zum dritten Mal nach 1982 und 1983 schrammte der Franzose knapp an seinem Traum vorbei. Niki Lauda dagegen schrieb Geschichte. Der dritte WM-Titel ist sein wertvollster. Er krönte sein Comeback, das er drei Jahre zuvor gestartet hatte.

Es war keine Entscheidung im Kampf Mann gegen Mann. Prost startete wie üblich aus der ersten Reihe neben dem Trainingsschnellsten Nelson Piquet. Lauda dagegen kam über den 12. Startplatz nicht hinaus. Nach dem verregneten Freitagstraining konzentrierte sich die Zeitenjagd voll auf Samstag. Beim ersten Versuch verbremste sich Lauda, beim zweiten ging der Motor ein.

Am siebten Saisonsieg von Prost wurde nie gezweifelt, auch wenn Keke Rosberg nach einem Blitzstart die ersten acht Runden führte. Somit drehte sich alles um die Frage: Kann Lauda Zweiter werden? Er wurde. Allerdings mit Nervenflattern. Es dauerte allein 33 Runden, bis der Österreicher auf Rang 3 auftauchte.

Die ersten beiden Runden hielt sich Lauda aus allen Scharmützeln heraus, dann ging die Aufholjagd los. Die Überholmanöver nach Runden aufgelistet: Eddie Cheever (3), Patrick Tambay (6), de Angelis (19), Johansson (27), Alboreto (28), Rosberg (31), Senna (33). Zwei Positionen gewann Lauda kampflos. Nelson Piquet und Derek Warwick drehten sich.

Die größte Gegenwehr leistete Stefan Johansson. Acht Runden lang. Das lag auch daran, dass einer der beiden Turbolader des Porsche V6-Turbo in Laudas McLaren nicht genügend Druck aufbaute. Lauda musste sich mit Gewalt durchboxen. Dabei ging Johanssons Frontflügel zu Bruch. Dann stand nur noch Nigel Mansell im Weg. Scheinbar uneinholbare 35 Sekunden weit weg. Obwohl Lauda eine Sekunde pro Runde gutmachte, erschien das Unterfangen aussichtlos. Bis sich Mansell in der 51.Runde drehte. Die Bremsen seines Lotus waren am Ende.

Lauda war dadurch bis auf Sichtweite herangekommen. Er kämpfte nun gegen einen Gegner, der sich nicht wehren konnte. In der 53.Runde gab Mansell nach einem zweiten Dreher wegen eines Bremsdefekts auf. “Ich war noch nie so erleichtert, als ich Mansell am Streckenrand parken sah.„

GP Australien 1986

Drei Fahrer konnten noch Weltmeister werden. Alle drei waren es während des GP Australien auf dem Papier auch einmal. Nelson Piquet in den ersten drei Umläufen und in der 64.Runde. Nigel Mansell von der vierten bis zur 63.Runde. Alain Prost von Runde 65 bis zur Zielflagge.

Die Rechnerei wurde dadurch erschwert, dass Mansell bei einem Punktegewinn zwei Zähler würde streichen müssen, Prost einen. Nur die besten elf Resultate aus den 16 Rennen zählten. So konnte lediglich Piquet voll punkten. Aber er brauchte wie Prost einen Sieg. Mansell reichte ein dritter Platz. Das Undenkbare passierte. Williams-Honda vergeigte die Weltmeisterschaft vor den Augen von Firmengründer Soichiro Honda.

Keke Rosberg spielte 62 Runden lang den Joker für Teamkollege Prost. Mansell war doppelt abgesichert, solange Rosberg in Führung lag. Der McLaren-Pilot würde Piquet und Prost am Siegen hindern, und er selbst lag auf dem rettenden 3. Platz. In der siebten Runde übernahm Rosberg die Führung, baute sie bis auf 36 Sekunden aus und hielt sie, bis sich auf der langen Geraden die Lauffläche vom rechten Hinterreifen löste.

Da gingen bei Goodyear die Alarmglocken an. Die Amerikaner hatten den Reifenverschleiß für die kühlen Temperaturen von nur 17 Grad und für das Tempo, zu dem Rosberg die Williams-Piloten zwang, falsch eingeschätzt. In der 64.Runde nahm der Titelkampf eine dramatische Wendung. Mansell explodierte bei 310 km/h der linke Hinterreifen. Der Engländer wehrte sich mit allen Kräften gegen den Unfall, konnte aber einen kleinen Mauerkuss in der Auslaufzone der Brabham Straight nicht vermeiden. WM-Titel adé.

Teamkollege Piquet konnte sich über die Führung nicht lange freuen. Er spürte bereits seit fünf Runden Vibrationen an den Vorderrädern. Aus der Box kam der Befehl zum sofortigen Reifenwechsel. Goodyear befürchtete eine weitere Panne. Das brachte Alain Prost in Führung, der eigentlich schon aus dem Titelrennen schien. Prost musste schon in der 32.Runde zum Reifenwechsel an die Box, sieben Runden früher als geplant. Beim Überrunden von Gerhard Berger touchierte er den Benetton mit dem rechten Vorderrad. Der Plattfuß ließ Prost keine Wahl.

Als der Titelverteidiger 17 Runden vor Schluss zum ersten Mal die Spitze übernahm, war das Rennen noch lange nicht gelaufen. Piquet hatte nach seinem Boxenstopp zwar 21 Sekunden Rückstand, aber frische Reifen. Und weniger Spritsorgen. Prost las an seiner Tankuhr ab: zwei Runden im Minus. “Die Lage war so aussichtslos, dass ich beschloss: WM-Titel oder Ausfall.„ Es reichte, 4,205 Sekunden vor dem heranstürmenden Piquet. Prost parkte seinen McLaren 200 Meter hinter dem Ziel. Später fanden sich noch 2,5 Liter Benzin im Tank. Es hätte noch für eine Runde in langsamer Fahrt gereicht. Aber nicht um Piquets Angriff abzuwehren. Nigel Mansell kommentierte die Niederlage gefasst: “Ich bin froh, dass ich noch lebe.„

GP Australien 1994

Die Entscheidung fiel in Runde 36. Ein Fehler, ein Missverständnis, eine Kollision nach 4.661 Rennkilometern in der Saison 1994 machte Michael Schumacher zum ersten deutschen Weltmeister der Geschichte. Schumacher erfuhr am Streckenrand, dass Kontrahent Damon Hill mit verbogener Aufhängung aufgeben musste. Es blieb beim knappen Punktsieg von 92:91 für den Benetton-Piloten.

Eine Saison voller Tragik, Kontroversen, Sperren, Strafen und Tricksereien war stilgerecht mit einem Knalleffekt zu Ende gegangen. Schumacher schien mit dem WM-Titel auf und davon zu fahren, doch dann sorgte eine Serie von Disqualifikationen und Sperren dafür, dass Damon Hill näher rückte. Beim GP Japan hatte Hill einen Warnschuss abgefeuert. Er war bereit, gegen Schumacher auf der Strecke zu kämpfen. In Adelaide bestätigte der Engländer seine Sternstunde von Suzuka. Wenn einer Nerven zeigte, dann Schumacher. Er verschrottete seinen Benetton im ersten Zeittraining in der der Mauer der Schikane hinter Start und Ziel.

Die beiden Titelaspiranten gingen gleich nach dem Start am Trainingsschnellsten Nigel Mansell vorbei und trugen ihr eigenes Rennen aus. Der Abstand pendelte zwischen 0,4 und 2,8 Sekunden. Was Schumacher auch versuchte, Hill ließ sich nicht abschütteln. Ein erster Höhepunkt war der gemeinsame Boxenstopp in Runde 18, den beide Crews in 7,4 Sekunden abwickelten.

In der 36.Runde rutschte Schumacher ausgangs Kurve 5 untersteuernd mit beiden rechten Rädern in die Mauer. Der Aufprall verbog die Lenkung am Benetton. Schumachers Rennen wäre zu Ende gewesen. Das konnte Hill nicht wissen. Er lag in dem Moment 1,9 Sekunden hinter dem Benetton und hatte keine Sicht auf den Kurvenausgang. “Alles, was ich sah war, wie Michael über den Grünstreifen auf die Strecke zurückkam. Er hatte offensichtlich einen Fehler gemacht, und ich wollte so schnell wie möglich an ihm vorbei.„

Hill versuchte es erst links, dann rechts. Und dann schnappte im Scheitelpunkt von Kurve 6 die Falle zu. Schumacher fuhr mit dem rechten Hinterreifen über das linke Vorderrad des Williams und hechtete in die Reifenstapel. Als sein Unfallgegner mit einem Plattfuß an die Boxen rollte, wurde links vorne ein verbogener Querlenker diagnostiziert. Game over. Abwarten wäre besser gewesen. Die Frage aller Fragen wurde nie beantwortet: War es Absicht? Damon Hill, ganz Gentleman: “Ich möchte nicht daran glauben.„

GP Europa 1997

Es war das klassische Duell. Mann gegen Mann. Auf der einen Seite Michael Schumacher, der Ferrari zum ersten Mal seit 1979 wieder zum WM-Titel führen sollte. Auf der anderen Jacques Villeneuve, das kanadische Enfant terrible, der Williams den siebten WM-Pokal in 18 Jahren in die Vitrine stellen und dem scheidenden Motorpartner Renault ein schönes Abschiedsgeschenk machen wollte.

Die gegensätzlichen Persönlichkeiten heizten die Finalstimmung zusätzlich an. Schumacher ist ein Diplomat, Villeneuve ein Querkopf. Das Finale hätte eigentlich in Portugal stattfinden sollen, doch Estoril erfüllte nicht die geforderten Modernisierungsmaßnahmen. So kam Jerez kurzfristig zum Handkuss.

Ein Pünktchen trennte die Kombattanten. Vorteil Schumacher. Beide Parteien waren siegessicher. Schumacher-Manager Willi Weber hatte 100 000 rote Kappen mit der Aufschrift “Weltmeister 1997„ anfertigen lassen. Renault brachte in einer Anspielung auf Villeneuves ständig wechselnden Haarpracht gelbe Perücken mit nach Jerez.

Villeneuve trieb die Einschaltquoten mit Psychotricks nach oben. Er erinnerte an Michael Schumachers Foul von Adelaide 1994 und ließ keinen Zweifel offen, dass ihm sein Gegner im Notfall genauso ins Auto fahren würde, wie er das drei Jahre zuvor mit Damon Hill getan hatte. Merke: Wenn beide ausfallen, wäre Michael Schumacher neuer Champion.

Damit war die Lunte gelegt. Villeneuve wollte nur, dass alle ganz genau hinschauen. Das hatte er erreicht. Der Hype um das Finalrennen erreichte seinen Höhepunkt, als Villeneuve, Schumacher und Frentzen im Abschlusstraining bis auf die Tausendstelsekunde genau eine Zeit von 1.21,072 Minuten auf den Asphalt zauberten. Villeneuve gehörte die Pole Position, weil er die Zeit als erster gefahren war.

Michael Schumacher hatte sich drei frische Satz Reifen gespart, Villeneuve nur zwei. Der Kanadier startete auf gebrauchten Sohlen. Als die Startampel ausging, übernahm Michael Schumacher das Kommando. Er hatte maximal 4,2 Sekunden Vorsprung auf seinen Konkurrenten. Erst nach dem letzten Reifenwechsel kam es zum offenen Schlagabtausch der WM-Rivalen auf der Rennstrecke. Villeneuve wusste, dass er den Vorteil der neuen Gummis schnell nutzen musste. Deshalb setzte er in der 48. Runde in der Dry Sack-Kurve alles auf eine Karte. Sein Angriff kam aus dem Hinterhalt.

Villeneuve scherte in letzter Sekunde nach rechts aus, Schumacher sah einen Reflex im Rückspiegel, zog instinktiv nach innen, und als der Williams schon neben ihm lag, lenkte der Ferrari-Pilot ein zweites Mal nach rechts. Das rechte Vorderrad traf den Williams exakt an der Crashstruktur des Seitenkastens. Es ist die stabilste Stelle zwischen den Achsen.

Während Schumacher ins Kiesbett schlidderte und sich dort eingrub, hielt sein Rivale den ramponierten Williams auf der Bahn. “Ich wusste, dass er es tun würde„, stichelte der neue Weltmeister hinterher. “Aber mir war ein Ende im Kiesbett lieber als ein zweiter Platz.„ Schumacher gab zunächst Villeneuve die Schuld: “Er hätte die Kurve nie geschafft, hätte er sich nicht bei mir angelehnt.„ Ein Treffen an der Bar glättete nur scheinbar die Wogen. Villeneuve beharrte: “Er hat es absichtlich getan.„ Erst Jahre später korrigierte er: “Michael hatte mit meinem Angriff nicht gerechnet.„ Der gestrauchelte Ex-Champion gab erst am Dienstag nach dem Rennen seinen Fehler zu. Villeneuve wollte in den letzten 20 Runden nichts mehr riskieren, ließ die McLaren-Piloten näherkommen und im letzten Umlauf auch überholen. Die FIA entzog Schumacher am 11.November trotzdem alle Punkte dieser Saison.

GP Brasilien 2008

So ein Finale hat die Formel 1-Weltmeisterschaft in 60 Jahren nicht erlebt. 39 Sekunden lang war Felipe Massa Weltmeister. Dann kreuzte Lewis Hamilton als Fünfter die Ziellinie. Exakt auf dem Platz, der ihm gerade noch zum Titelgewinn reichte.

Einen Kilometer vor dem Zielstrich lag der McLaren-Pilot nur auf Rang 6. Timo Glock, der trotz einer schwarzen Gewitterwolke am Horizont mit Trockenreifen im Finale gepokert hatte, kämpfte auf verlorenem Posten. In der vorletzten Runde brach die Hölle über Interlagos zusammen. Es schüttete wie aus Kübeln. “Es ging nicht schneller. Ich bin nur noch gerutscht. Wenn mich Lewis nicht in der Kurve geschnappt hätte, dann den Berg hoch zu Start und Ziel„, entschuldigte sich der Toyota-Pilot.

Die Ausgangssituation vor dem Showdown in Massas Heimatstadt war klar. Der kleine Brasilianer musste gewinnen. Hamilton durfte nicht mehr als sechs Punkte auf ihn verlieren. Massa ließ an seiner Mission nie einen Zweifel aufkommen. Pole Position, 64 Führungsrunden, schnellste Runde, Sieg. Massa hatte alles im Griff und er machte, was in seiner Macht stand. Nur das Schicksal seines Gegners hatte er nicht im Griff.

Sao Paulos unberechenbares Wetter wurde zum Mitspieler. Schon vor dem Start ging ein Gewitterregen nieder. Zehn Minuten Warten, dann ging es los. Ab der achten Runde setzte das große Reifenwechseln ein. Weil Hamilton zögerte, konnte sich Massa zum ersten Mal als virtueller Weltmeister fühlen. Für sechs Runden. Hamiltons Devise war: “Fahre auf Ankommen, halte dich aus allem raus.„

Bis zur 64. Runde klappte das Vorhaben. Dann lösten Giancarlo Fisichella und Nick Heidfeld mit ihrem Wechsel auf Regenreifen eine Massenpanik aus. Alle bis auf die beiden Toyota-Piloten folgten dem Heidfeld-Schachzug. Mit dem Ergebnis, dass Hamilton plötzlich mit Sebastian Vettel um den so entscheidenden 5. Platz kämpfte. Vettel machte mit dem Engländer kurzen Prozess: “Lewis hatte seine Hinterreifen in den ersten Runden, als nur nieselte, bereits ruiniert. Ich war in dieser Phase wie auf rohen Eiern unterwegs, um das zu verhindern.„ Der Lohn dafür: Platz 4.

Als der Toro Rosso vorbeischoss, wäre Hamilton fast verzweifelt. “Du musst dir den Platz zurückholen, sonst kannst du den Titel vergessen„, hörte der Engländer am Funk. Er gab zu: “Das war der Moment, als ich zum ersten Mal nervös wurde.„ In der letzten Runde standen die Renngötter Hamilton bei. Der Regen wurde stärker. Glocks 13-Sekunden Vorsprung schmolz im Zeitraffer dahin. Drei Kurven vor Schluss hatte der McLaren-Pilot den Toyota im Visier. Die nächste Kurve ging er am Toyota vorbei.

Die Ferrari-Box lag sich schon in den Armen und feierte den vermeintlichen Weltmeister Massa. Doch dann, von einer Sekunde auf die andere, fror der Jubel ein. Massa erfuhr in der Auslaufrunde von Renningenieur Rob Smedley, dass es für Hamilton gereicht hatte. Im Ziel stand es nach Punkten 98:97 für Hamilton. Massa war ein guter Verlierer. Er klopfte sich auf dem Podium auf die Brust und sagte: “Lewis hat einen Punkt mehr als ich auf dem Konto. Also verdient er den Titel.„

GP Abu Dhabi 2010

Zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte der Formel 1 hatten vier Fahrer Titelchancen. Fernando Alonso fürchtete nur einen Crash oder einen Defekt. Daran, dass sein Kommandostand einen Blackout haben würde, dachte er nicht. Sebastian Vettel wurde Weltmeister mit dem Maximalprogramm. Pole Position, Sieg. Mehr konnte er nicht tun. Und trotzdem war er auf die Fehler seiner Gegner angewiesen. “Ich bin hier in der Hand von Webber und Alonso.„

Mark Webber fehlte im Finale schlicht der Speed. Waren es die Nerven, das falsche Setup oder der Plan in der Qualifikation vier Runden am Stück zu fahren, um die Reifen besser auf Temperatur zu bringen? Lewis Hamilton fehlten nur 0,031 Sekunden auf Vettels Bestzeit. Der Engländer hatte nur noch Außenseiterchancen. Die McLaren wurden zum unerwarteten Störenfried. Ein neuer Heckflügel brachte sie zurück an die Spitze. Ferrari hatte das langsamste Auto der WM-Kandidaten, doch Alonso stellte den F10 mit einer Chaosrunde auf den dritten Startplatz. Zwei Positionen vor Webber. Die halbe Miete schien eingefahren. Bei einem Vettel-Sieg reichte ihm ein vierter Platz.

Doch dann lief das Rennen ganz anders, als es sich alle Strategen ausrechneten. Als sich Michael Schumacher nach einem Kilometer im Feld drehte und von Vitantonio Liuzzi fast aufgespießt wurde, da spielte das SafetyCar den Pokerspielern eine Trumpfkarte in die Hände. Unter den 330 Rennszenarios der Topteams war diese Variante nicht dabei.

Sechs Fahrer wurden sofort ihre weichen Reifen los, darunter Nico Rosberg, Vitaly Petrov und Jaime Alguersuari. Sie schlossen sofort wieder zum Feld auf, konnten mit dem Reifensatz bis zum Ende durchfahren und saßen in Autos mit exzellentem Topspeed. Der entscheidende Fehler aber unterlief Ferrari, als Webber schon nach 11 Runden seinen Boxenstopp einlegte, weil seine Hinterreifen verschlissen waren. Ferrari reagierte, um Alonso vor Webber zu halten. Doch der Australier war nicht gar mehr Ferraris Gegner. Der hieß längst Vettel. Alonso ahnte es und fragte seine Box: “Seid ihr sicher, dass ihr keinen Fehler macht?„ Der Sündenbock war schnell gefunden. Einsatzleiter Chris Dyer musste im Winter seinen Hut nehmen.

Alonso fiel durch den frühen Boxenstopp hinter Nico Rosberg und Petrov. Damit war sein Rennen gelaufen. Petrov baute sich 35 Runden lang wie ein Bollwerk vor Alonso auf. Alonso kam nicht an dem Renault vorbei und Webber nicht an Alonso. Nur noch Hamilton hätte Vettel in die Suppe spucken können, doch auch McLaren taktierte falsch. Man versuchte mit Macht vor Vettel an die Box zu kommen, um mit frischen Reifen den Unterschied zu machen. Dabei übersah McLaren, dass Hamilton hinter Robert Kubica fallen würde und nicht das nötige Tempo fahren könnte, um Zeit auf Vettel gutzumachen.

Red Bull lieferte eine Runde später mit Vettel einen Blitz-Boxenstopp ab, hielt seinen Fahrer damit vor Hamilton. Alonso war so sauer, dass er gleich nach dem Rennen untertauchte. Webber wusste, dass er die Chance seines Lebens verpasst hatte. Hamilton konnte mit der WM-Niederlage am besten leben. “Meine Chancen waren so klein, dass ich am wenigsten enttäuscht war.„

GP Brasilien 2012

Dieses Finale zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso bei einem Punktestand 273:260 konnte kein Filmregisseur besser erfinden. Höchstens geschlagen von der Dramatik des Jahres 2008 an gleicher Stelle. Interlagos müsste immer der Schlussakkord der Saison sein. Allein wegen des Wetters, das keiner vorhersagen kann.

Beim Start war es trocken. Ab der 9. Runde zwangen Schauer die Vorsichtigen auf Intermediates. Nur Jenson Button und Nico Hülkenberg hielten durch und lagen plötzlich mit 45 Sekunden in Führung. Sie schmolz dahin, weil zu viele Wrackteile auf der Strecke eine SafetyCar-Phase nötig machten. Für Button zahlte sich der Poker mit seinem dritten Saisonsieg aus.

Nach einer Trockenphase kehrte in der 52. Runde der Regen zurück. Diesmal mussten alle Intermediates aufziehen. Paul di Resta rutschte auf einer Pfütze aus und donnerte mit 270 km/h in die Mauer. Das Rennen ging im Bummeltempo hinter dem SafetyCar zu Ende. Nach einem Rennen voller Dramen eine kleine Enttäuschung.

An den Kommandoständen von Red Bull und Ferrari hatte man genug geschwitzt. Fernando Alonso musste 13 Punkte aufholen. Würde er gewinnen, hätte Sebastian Vettel ein vierter Platz gereicht. Bei einem zweiten Platz von Alonso brauchte Vettel Rang 7. Im Rennen lag Rot meistens vor Blau, aber es reichte nicht. Alonso wurde Zweiter, Vettel Sechster.

Drei Mal musste Vettel um seine WM-Krone zittern. Gleich in der ersten Runde, als er verlorenes Terrain beim Start in der vierten Kurve wettmachen wollte und mit Bruno Senna kollidierte. Der Red Bull stand verkehrt herum im Feld und wurde von Bruno Senna und Sergio Perez auch noch am rechten Hinterrad getroffen.

Für Senna und Perez war das Rennen beendet. Vettel fuhr weiter. Mit abgerissener Bodenplatte und einen großen Loch im rechten Seitenkasten. Das kostete PS und Abtrieb. Vettels Glück im Unglück: Er ließ sein Auto rückwärts rollen statt auf der Bremse zu stehen. Deshalb knickte das rechte Hinterrad nicht ab. Technikchef Adrian Newey kontrollierte anhand von TV-Bildern den Schaden und meldete Vettel ins Cockpit: “Du kannst weiterfahren.„

Gefährlich wurde es noch einmal, als im letzten Renndrittel der Regen zurückkehrte. Der Funk ins Weltmeisterauto war abgerissen. Als Renningenieur Guillaume Rocquelin seinen Fahrer fragen wollte, ob es Zeit für Intermediates sei, stand er auch schon da. Die Mechaniker suchten nach Reifen, schnallten mit Slicks die falschen drauf, und mussten zwei Runden später den Fehler korrigieren. Wieder fehlte ein Reifen.

Gleichzeitig setzte Alonso alles auf eine Karte. Er blieb zwei Runden länger als Vettel mit Slicks auf der Strecke, in der Hoffnung, der Regen möge sich verziehen. Falsch gepokert. Der Regen blieb. Trotz des späten Wechsels auf Intermediates lag Alonso klar vor Vettel. Aber eben nicht weit genug.

Die dritte Gefahr für Vettel kam erst vier Tage nach dem Finale daher. Alonsos Management platzierte TV-Aufnahmen im Internet, die zeigten, dass Vettel in der vierten Runde Jean-Eric Vergne überholte, obwohl das elektronische Flaggensignal gelb blinkte. Ein Regelverstoß, der nachträglich das Titelrennen umdrehte? FIA-Rennleiter Charlie Whiting lieferte die Aufklärung. “Davor wurde die grüne Flagge geschwenkt. Das hat das Ampelsignal aufgehoben.„

GP Abu Dhabi 2016

Die Ausgangsposition versprach ein langweiliges Rennen. Nico Rosberg reichte ein dritter Platz zum WM-Titel. Mit einem Mercedes eigentlich eine Formsache. Wie erwartet standen Lewis Hamilton und Nico Rosberg in der ersten Startreihe. Eine gute halbe Sekunde vor dem Rest.

Trotz der einfachen Aufgabe für Rosberg wurde das Saisonfinale zum Krimi. Weil Hamilton jedes Mittel Recht war, seine Minimalchance zu nutzen. Der schnellste Mann des Wochenendes fuhr absichtlich langsam. Um Rosberg in die Fänge der Fahrer von Red Bull und Ferrari zu treiben. Zuerst musste der WM-Favorit Kimi Räikkönen und Daniel Ricciardo fürchten, später Sebastian Vettel und Max Verstappen. Am Ende kreuzten die ersten vier Fahrer die Ziellinie im Abstand von 1.685 Sekunden die Ziellinie.

Formel 1: Die großen Finalrennen

Juan Manuel Fangio - Pedralbes 1951
Juan Manuel Fangio - Pedralbes 1951 Juan Manuel Fangio - Giuseppe Farina - Felice Bonetto - Emmanuel de Graffenried - Alfa Romeo - GP Italien 1950 Juan Manuel Fangio - Lancai-Ferrari D50 - GP Italien 1956 Phil Hill - Ferrari Dino 246 - GP Marokko 1958 27 Bilder

Hamilton bummelte in den ersten sieben und in den letzten 18 Runden. Er fuhr seine eigene Taktik und nicht die seines Teams. Mercedes überlegte sich schon im Vorfeld Erziehungsmaßnahmen sollte es Hamilton mit seiner Verzögerungstaktik übertreiben. Den ersten Alarm gab es gleich in der Anfangsphase. Hamilton hielt das Verfolgerfeld kompakt. Die Mercedes-Strategen mussten fürchten, dass Ferrari oder Red Bull einen ihrer Fahrer durch einen frühen Boxenstopp an Rosberg vorbeibringen.

Um das zu verhindern wurde der Spitzenreiter schon in der 7.Runde an die Box gebeten, drei Runden früher als geplant. Gleichzeitig auch Rosberg, für den Fall, dass der Teamkollege den Aufruf ignoriert. Wäre Hamilton auf der Strecke geblieben, hätte das Rosberg mit dem früheren Stopp die Führung gebracht. Weil Hamilton gehorchte, musste sein Stallrivale eine Runde warten.

Im letzten Abschnitt des Rennens drohte Rosberg neue Gefahr. Sie bestand darin, dass mit Verstappen und Vettel zwei Fahrer auf den Plan traten, die mit alternativen Strategien unterwegs waren. Beide schlossen dank Hamiltons Bummelfahrt schnell zu Rosberg auf.

Die Aufforderungen vom Mercedes-Kommandostand an ihren Star-Piloten das Tempo anzuziehen, verhallten ohne Reaktion. Hamilton spielte sein Spiel. Und Rosberg verzweifelte. Er musste im Mittelteil des Rennens unter hohem Risiko Verstappen überholen. Und er sah am Ende Vettel mit frischeren und weicheren Reifen rasend schnell näherkommen. “Die letzten Runden waren nicht lustig. Lewis fuhr so langsam, dass ich Angst haben musste, auf den vierten Platz abzurutschen.„ Die Anspannung löste sich erst eine Stunde nach dem Rennen. Da erschien gerade Vater Keke im Fahrerlager. Er hatte das Rennen am Fernsehschirm bei Freunden im 130 Kilometer entfernten Dubai gesehen.

Fünf Tage nach der WM-Entscheidung in der Wüste gab Nico Rosberg nur wenige Stunden vor der FIA-Preisverleihung seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung bekannt. Mercedes hatte plötzlich ein freies Cockpit, das später mit Valtteri Bottas besetzt wurde.

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Die großen Finalrennen

Jahr         Rennen                                                                  Titelgegner                                                                                                          Weltmeister  
1950       GP Italien            Farina, Fangio                                                                        Nino Farina  
1951       GP Italien            Fangio Ascari                                                                        Juan-Manuel Fangio  
1956       GP Italien            Fangio, Collins, Moss                                                                   Juan-Manuel Fangio  
1958       GP Italien                                                              Hawthorn, Moss                              Mike Hawthorn  
1959       GP USA                                                                  Brabham, Moss, Brooks                       Jack Brabham  
1962       GP Südafrika          G.Hill, Clark                                                                      Graham Hill  
1964       GP Mexiko             G.Hill, Surtees, Clark John Surtees  
1967       GP Mexiko             Hulme, Brabham Denis Hulme  
1968       GP Mexiko             G.Hill, Stewart, Hulme                                                              Graham Hill  
1974       GP USA                                                                  E.Fittipaldi, Regazzoni, Scheckter          Emerson Fittipaldi  
1976       GP Japan              Lauda, Hunt                                                                        James Hunt  
1981       GP USA-Mitte                                                        Reutemann, Piquet, Laffite                      Nelson Piquet  
1983       GP Südafrika          Prost, Piquet, Arnoux                                                               Nelson Piquet  
1984       GP Portugal           Lauda, Prost                                                                       Niki Lauda  
1986       GP Australien         Mansell, Piquet, Prost Alain Prost  
1994       GP Australien                                                       M.Schumacher, D.Hill                            Michael Schumacher  
1996       GP Japan              D.Hill, J.Villeneuve                                                                   Damon Hill  
1997       GP Europa                                                                            M.Schumacher, J.Villeneuve     Jacques Villeneuve  
1998       GP Japan                                                               Häkkinen, M.Schumacher                       Mika Häkkinen  
1999       GP Japan              Irvine, Häkkinen Mika Häkkinen  
2003       GP Japan                                                               M.Schumacher, Räikkönen                      Michael Schumacher  
2007       GP Brasilien          Hamilton, Alonso, Räikkönen Kimi Räikkönen  
2008       GP Brasilien          Massa, Hamilton Lewis Hamilton  
2010       GP Abu Dhabi          Alonso, Webber, Vettel, Hamilton Sebastian Vettel  
2012       GP Brasilien          Vettel, Alonso                                                                      Sebastian Vettel  
2014       GP Abu Dhabi          Hamilton, N.Rosberg Lewis Hamilton  
2016       GP Abu Dhabi          N.Rosberg, Hamilton Nico Rosberg  
Jahr         Rennen                                                                  Titelgegner                                                                                                          Weltmeister  
1950       GP Italien            Farina, Fangio                                                                        Nino Farina  
1951       GP Italien            Fangio Ascari                                                                        Juan-Manuel Fangio  
1956       GP Italien            Fangio, Collins, Moss                                                                   Juan-Manuel Fangio  
1958       GP Italien                                                              Hawthorn, Moss                              Mike Hawthorn  
1959       GP USA                                                                  Brabham, Moss, Brooks                       Jack Brabham  
1962       GP Südafrika          G.Hill, Clark                                                                      Graham Hill  
1964       GP Mexiko             G.Hill, Surtees, Clark John Surtees  
1967       GP Mexiko             Hulme, Brabham Denis Hulme  
1968       GP Mexiko             G.Hill, Stewart, Hulme                                                              Graham Hill  
1974       GP USA                                                                  E.Fittipaldi, Regazzoni, Scheckter          Emerson Fittipaldi  
1976       GP Japan              Lauda, Hunt                                                                        James Hunt  
1981       GP USA-Mitte                                                        Reutemann, Piquet, Laffite                      Nelson Piquet  
1983       GP Südafrika          Prost, Piquet, Arnoux                                                               Nelson Piquet  
1984       GP Portugal           Lauda, Prost                                                                       Niki Lauda  
1986       GP Australien         Mansell, Piquet, Prost Alain Prost  
1994       GP Australien                                                       M.Schumacher, D.Hill                            Michael Schumacher  
1996       GP Japan              D.Hill, J.Villeneuve                                                                   Damon Hill  
1997       GP Europa                                                                            M.Schumacher, J.Villeneuve     Jacques Villeneuve  
1998       GP Japan                                                               Häkkinen, M.Schumacher                       Mika Häkkinen  
1999       GP Japan              Irvine, Häkkinen Mika Häkkinen  
2003       GP Japan                                                               M.Schumacher, Räikkönen                      Michael Schumacher  
2007       GP Brasilien          Hamilton, Alonso, Räikkönen Kimi Räikkönen  
2008       GP Brasilien          Massa, Hamilton Lewis Hamilton  
2010       GP Abu Dhabi          Alonso, Webber, Vettel, Hamilton Sebastian Vettel  
2012       GP Brasilien          Vettel, Alonso                                                                      Sebastian Vettel  
2014       GP Abu Dhabi          Hamilton, N.Rosberg Lewis Hamilton  
2016       GP Abu Dhabi          N.Rosberg, Hamilton Nico Rosberg  
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Im Radio Fahrerlager gibt es die kleinen Randgeschichten aus Suzuka.

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