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Lewis Hamilton - Mercedes - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Verstappen - Hamilton - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Mick Schumacher - Haas - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen 61 Bilder

Showdown um WM-Titel: Wer hat die besseren Karten?

Showdown um WM-Titel Wer hat die besseren Karten?

Zum zehnten Mal richtet Abu Dhabi das Saisonfinale der Formel 1 aus. Zum vierten Mal wird dort der WM-Titel für die Fahrer ausgespielt. Nie gab es einen größeren Showdown als jetzt. Wie wird Max Verstappen Weltmeister? Und wie Lewis Hamilton?

Max Verstappen gegen Lewis Hamilton: Die Geschichte dieser beiden hätte kein Drehbuchautor besser schreiben können als der Rennsport selbst. Hier der Draufgänger, dort der eher bedachte Weltmeister, der auch mal zurücksteckt. Wobei dieser Hamilton auch austeilen kann, wie er uns in der 43. Runde des GP Saudi-Arabien vorgeführt hat.

Da drängte er seinen WM-Rivalen langsam neben die Piste der letzten Kurve, damit dieser Verstappen ja nicht noch einmal rotzfrech zu einem Konter ansetzt. Geschickt gemacht. Die Verantwortlichen von Red Bull verwiesen aber nicht zu Unrecht auf diese Szene, und fragten: Warum bekommt Max die Strafen und bei Lewis wird nicht einmal untersucht?

Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Motorsport Images
Verstappen gegen Hamilton: Löwe gegen siebenfacher Weltmeister.

Hamilton muss punkten

Zum 31. Mal in der Geschichte wird die Weltmeisterschaft im Saisonfinale entschieden. Zum vierten Mal in Abu Dhabi. Zum erst zweiten Mal überhaupt gehen zwei Fahrer mit Gleichstand in das letzte Rennen. 1974 waren es Emerson Fittipaldi (McLaren), der in den USA schlussendlich seinen zweiten WM-Titel sicherstellte, und Clay Regazzoni (Ferrari). Mit dem Unterschied, dass damals noch Jody Scheckter (Tyrrell) wenigstens Außenseiterchancen hatte. 2021 stehen sich nur die beiden Protagonisten allein gegenüber.

Wer hat die besseren Karten? Klar ist, dass Hamilton mindestens einen Punkt braucht. Verstappen kann sich auch einen Nuller leisten, wenn sein Rivale nicht unter den besten zehn Fahrern landet. Hamilton würde in diesem Fall auch die schnellste Rennrunde nichts bringen, weil der Extra-Punkt nur vergeben wird, wenn der entsprechende Pilot in den Top 10 landet.

Das ruft natürlich unweigerlich das Szenario eines Unfalls auf den Plan. Verstappen fährt wie ein Löwe, und er wird es auch in Abu Dhabi tun. Er wird angreifen, wenn sich ihm nur die kleinste Gelegenheit dazu eröffnet, sich die kleinste Lücke auftut. Er wird sich in der Verteidigung so breit wie möglich machen, wenn Hamilton hinter ihm auftauchen sollte.

Schwer vorstellbar ist es aber, dass er es drauf anlegen könnte, und damit davon käme. Ayrton Senna tat dies zwar 1990 im Kampf mit Alain Prost, und rammte den Franzosen am Start in der ersten Kurve von der Strecke. Doch Michael Schumacher wurden 1997 für sein Manöver gegen Jacques Villeneuve in Jerez sämtliche Punkte aberkannt. Derzeit ist die Rechtsprechung der Sportkommissare eher für Strafe als Laufenlassen. Verstappen müsste es schon extrem clever anstellen.

Setup als entscheidende Größe

Die Teamchefs versprechen Fairness. Zuerst Red Bull-Rennleiter Christian Horner. "Wir wollen sie auf der Strecke schlagen. Und die WM nicht bei den Stewards ausfechten oder im Kiesbett gewinnen." Mercedes-Sportchef Toto Wolff: "Ich vertraue der Selbstregulierung. Es gab ausreichend Warnschüsse, die dafür sorgen sollten, dass keiner einen Unfall heraufbeschwört. Der bessere Fahrer, das schnellere Auto sollte gewinnen."

Wer wird das bessere Auto in Abu Dhabi haben? Red Bull fürchtet, dass die Änderungen am Yas Marina Circuit eher Mercedes favorisieren. "Das sollte ihnen helfen", glaubt Horner. Andererseits: "Wir dachten für Saudi-Arabien auch, dass wir weit weg sind. Und doch hatten wir ein schnelles Auto."

Vorhersagen lassen sich in diesem Zweikampf auf Augenhöhe praktisch nicht machen. Zu oft stolperte in dieser Saison der vermeintliche Favorit. Kleine Unterschiede geben den Ausschlag. Wer das Setup zusammen bekommt und wer vielleicht knapp das Wohlfühlfenster für sein Auto verfehlt. Die Aussage von Max Verstappen nach dem GP Saudi-Arabien ist bezeichnend dafür. "Es wird wichtig sein, die Longruns abzuwickeln, und einen guten Samstag zu haben. Dann sehen wir, was passiert."

Umbau pro Mercedes?

Gemeint ist: Red Bull braucht zuerst einen guten Trainingsfreitag. In Katar rannte der Herausforderer in den Trainings vergeblich der passenden Abstimmung hinterher. Man baute vor der Qualifikation um, und fiel auf die Nase. In Saudi-Arabien baute man zwischen erstem und zweiten Training um. Der RB16B verfiel ins Untersteuern. Die Longruns schrumpften auf Minimalmaß, und verloren ihre Aussagekraft.

Am Samstag rehabilitierte sich Red Bull zwar. Doch einen gewissen Preis zahlt man im Rennen in einem so engen Duell immer, wenn der Dauerlauf vom Freitag nicht passt. Jeder noch so kleine Fehler wird vom jeweiligen Gegner sofort bestraft. Mercedes traf die Abstimmung in den letzten drei Grand Prix zuverlässiger. Vielleicht auch, weil sich der Titelverteidiger mehr auf sich selbst konzentriert, als mit einem Auge immer zum Rivalen zu schauen. Davor allerdings, in Mexiko und in den USA, hatte Mercedes beim Setup danebengegriffen.

Auf dem Papier sieht der umgebaute Yas Marina Circuit wie eine Mercedes-Strecke aus. Die Schikane am Anfang des zweiten Sektors – früher Kurve fünf und sechs – wird ausgespart. Stattdessen heizen die Autos direkt in eine Linkskehre. Das soll eine Überholstelle schaffen beziehungsweise dafür sorgen, dass man besser am Vordermann für die nachfolgende Gerade dranbleiben kann. Weil man womöglich den Gegner in eine Verteidigung auf der Innenspur treiben oder eine andere Linie durch die neue Kurve fünf wählen kann.

Mercedes kann Trick auspacken

Am Ende der zweiten Gegengerade wird das langsame Kurvengeschlängel (Kurve 11 bis 14) eliminiert. Stattdessen windet sich dort eine Steilkurve nach links. Generell werden die Kurven im letzten Abschnitt geweitet. Auch hier ist das Ziel, dass man durch Anpassungen an der Strecke besser folgen können soll. Früher hingen dort die Kurven nach außen, was das Hinterherfahren erschwerte. In Summe wird der Yas Marina Circuit kürzer (von 5,554 auf 5,281 Kilometer) und schneller. Das freut zunächst einmal Mercedes. Weil dem Motor eine etwas größere Bedeutung zukommt.

Die Anzahl der schnellen Kurven ist im Vergleich zu Katar und Saudi-Arabien zuletzt deutlich geringer. Die Links-Rechts am Anfang der Runde (T2-T3) geht ohnehin voll. Die Kurven zehn und elf sollten Mercedes auch nicht davon abhalten, eine extremere Abstimmung zu fahren. Der Silberpfeil sollte auf den Geraden wieder stärker das Heck absetzen können, um Luftwiderstand zu verringern. Dieses Setup-Tool unterstützt die Höchstgeschwindigkeit. Vielleicht aber kann Red Bull sein letztes Technik-Update der Saison in Abu Dhabi doch ausspielen (siehe Story).

Die etwas weiteren Radien im Schlussabschnitt könnten dem Titelverteidiger insofern helfen, als dass es nicht mehr unbedingt auf die Wendigkeit des Autos ankommt. Da hat Mercedes wegen des langen Radstand einen kleinen Nachteil gegenüber Red Bull. Man muss aber erst einmal abwarten, inwiefern die Veränderungen dort sich auf die Geschwindigkeiten auswirken. Früher hatten die vielen 90-Grad-Ecken im letzten Abschnitt den Charakter eines Stadtkurses. Je verwinkelter, desto besser eigentlich für Red Bull. Siehe Monaco.

Hamilton - Verstappen - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Wilhelm
Hamilton muss mindestens einen Punkt holen. Verstappen kann sich einen Nuller leisten, wenn beide ausfallen.

The winner takes it all

Red Bull hat mit Verstappen den GP Abu Dhabi im Vorjahr dominiert. Damals allerdings unter anderen Vorzeichen. Mercedes wähnt sich auf gutem Territorium. Und trotzdem lehrt der Saisonverlauf, nicht im Vorfeld in Freude auszubrechen. "Im Moment sind wir auf einer guten Umlaufbahn. Aber es ist nicht so, dass wir mit der Trophäe bereits dem Sonnenuntergang entgegenfahren. Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben", sagt Teamchef Wolff.

Sein Gegenüber sieht das Positive. "Es geht um alles oder nichts. Jeder hat einen Schuss. Wenn uns das jemand vor der Saison angeboten hätte, hätten wir dankend angenommen. Wir hätten uns dafür den Arm abgebissen angesichts der Dominanz von Mercedes in den letzten sieben Jahren." Horner vertraut auf die Fähigkeiten seines Schützlings. Red Bull sollte auch seinem eigenen Auto vertrauen. Der RB16B ist ein sehr gutes Rennauto. Das Honda-Paket ein guter Antrieb. Wenn die Abstimmung sitzt, kann dieser Rennwagen auf jeder Rennstrecke um den Sieg fahren.

"Der Sieger dieses einen Rennens räumt alles ab", sagt Horner. Das macht den Reiz aus. Alles oder nichts. "Wir müssen ihn noch einmal schlagen. Klar hat Mercedes nach drei Siegen Rückenwind. Aber wir werden alles versuchen." Das Schlusswort gehört dem Mann, der Verstappen den ersten WM-Triumph verwehren will, und sich selbst den achten Pokal in die Vitrine stellen möchte. "Es ist ein unglaublich intensives Jahr und eine unglaublich intensive Zeit. Wir operieren am absoluten Maximum. Es lastet viel auf uns allen. Aber ich denke, es ist großartig für den Sport. Ich finde es toll für die Fans. Ich glaube, sie genießen es mehr denn je. Ich genieße es als Rennfahrer."

Einen kuriosen Fall gäbe es übrigens noch. Wenn Verstappen Zehnter wird und die schnellste Rennrunde erzielt, Hamilton seinerseits Neunter wird. Oder anders herum. Auch dann würde der 24-jährige aus den Niederlanden mit Punktgleichstand Weltmeister sein. Eher unwahrscheinlich. Es dürfte darauf hinauslaufen, dass der Sieger tatsächlich den großen Jackpot abräumt. Verstappen könnte 18 Mal auf dem Podest gestanden sein, neun Mal gewonnen haben – und doch mit leeren Händen Abu Dhabi verlassen. Oder er trägt sich als 34. Weltmeister in den Geschichtsbüchern ein.

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