Kimi Räikkönen - F1-Test Barcelona - 2019 Wilhelm

WM-Punkte für schnellste Runde

Gutes Geschäft für die FIA

Mit dem WM-Punkt für die schnellste Runde nimmt die Formel 1 eine alte Tradition wieder auf. Für die FIA ist es ein gutes Geschäft. Und für Kritiker der Satellitenteams ein Schreckgespenst. Wir erklären warum.

Das könnte eine gute Quizfrage für die Eine-Million-Euro-Frage sein: Kennen Sie den letzten Fahrer, der einen extra WM-Punkt für die schnellste Rennrunde in einem Grand Prix bekommen hat? Sie werden ohne nachblättern wahrscheinlich nicht auf die Antwort kommen. Es war Maurice Trintignant auf einem Cooper-Climax beim GP USA 1959 in Riverside. Seit 1960 gibt es in der Formel 1 keine WM-Zähler mehr für den Mann mit der schnellsten Runde. In der Klasse darunter ist es seit Einführung der GP2 im Jahr 2005 die Regel.

In dieser Saison nimmt die Formel 1 diese alte Tradition nach einer 60-jährigen Pause wieder auf. In einer Entscheidung in letzter Minute beschlossen zuerst die Strategiegruppe, dann die Formel 1-Kommission und zum Schluss der FIA-Weltrat, dass ab es sich sofort wieder lohnen soll, die schnellste Runde im Rennen zu fahren. Vorausgesetzt man platziert sich in den Top Ten.

Extra-Gebühr für Extra-Punkt an die FIA

Der Plan war zuvor im Rahmen einer Teammanager-Sitzung bereits diskutiert worden. Ursprünglich sollten nur die Fahrer von dem Extra-Punkt profitieren. Doch das wurde in den höheren Gremien plötzlich auch auf das entsprechende Team ausgeweitet. Der Punkt wird dem Rennstall in der Konstrukteurswertung addiert.

Ein Profiteur der Regelung ist auch die FIA. Weil sie bei den Fahrern und Teams jetzt zusätzlich abkassieren kann. Jeder Fahrer zahlt pro Punkt in der Vorsaison 1.104 Dollar für seine Superlizenz. Macht bei 21 Rennen in Summe 23.184 Euro mehr in die FIA-Kasse – wenn der Zusatzpunkt in jedem Grand Prix vergeben wird.

F1-Tagebuch - GP Abu Dhabi 2018
Red Bull
Je mehr Punkte gesammelt werden, desto höher die Gebühren an die FIA.

Bei den Teams wird es für den Verband noch lukrativer. Jedes Team berappt neben einer Basisgebühr von 516.128 Dollar noch einen Abschlag von 5.161 Dollar pro Punkt. Der Weltmeister muss sogar 6.194 Dollar pro WM-Zähler abdrücken. Das würde zwischen 108.381 und 130.074 Dollar zusätzliche Einnahmen für den Verband bedeuten, je nachdem wie viele schnellste Runden von einem der beiden Fahrer des Weltmeister-Teams erzielt wurden.

Zusatzpunkt entschied Fahrer-WM 1958

Die FIA und das F1-Management erhoffen sich mit der neuen Regelung mehr Spannung und neue Ansätze bei der Strategie. Tatsächlich ist der Anreiz des Zusatzpunktes nur für die Teilnehmer reizvoll, die nach hinten genug Luft haben, einen extra Boxenstopp für einen frischen Reifensatz einzulegen. Keiner in den Top Ten wird freiwillig eine Position aufgeben, um auf den extra Punkt loszugehen.

„Den größten Nutzen hat das Team, das das drittschnellste Auto hat. Die Lücke zum Mittelfeld ist meistens so groß, dass die sich ohne Schaden einen zusätzlichen Reifenwechsel leisten können“, rechnen Strategen vor. Das wäre 2018 in den meisten Fällen Red Bull gewesen. Für die Mittelfeld-Teams ist der extra Punkt eher uninteressant: „Bei uns geht es viel zu eng her“, winkt Sauber-Teammanager Beat Zehnder ab.

Charles Leclerc - Ferrari - Barcelona - F1-Test - 19. Februar 2019
Stefan Baldauf
Müssen die Partner-Teams einspringen, wenn Ferrari, Mercedes oder Red Bull der Konkurrenz den Zusatzpunkt klauen wollen?

Die Rückkehr zu alten Werten könnte trotzdem noch für Ärger Sorgen und den Kritikern der Satelliten-Teams neue Munition liefern. Ein Teamchef warnt: „Man stelle sich vor, ein Mercedes-Fahrer hält die schnellste Runde. Ferrari will oder kann keinen extra Boxenstopp riskieren, gibt aber Haas oder Sauber den Auftrag, einem ihrer Fahrer mit frischen weichen Reifen auf die schnellste Runde anzusetzen, um Mercedes den Punkt wegzunehmen. Das gleiche könnte natürlich auch Mercedes mit Racing Point tun oder Red Bull mit Toro Rosso.“

So könnte schlimmstenfalls sogar eine Weltmeisterschaft entschieden werden. Wenn es im Finale auf den einen Punkt ankommt und einer der beiden Kandidaten die schnellste Runde hält, könnte der Teamkollege des anderen WM-Aspiranten an die Box geholt werden, um sie dem Gegner wieder wegzunehmen.

Schon einmal wurde die Fahrer-WM wegen eines Punktes für die schnellste Runde entschieden. Mike Hawthorn holte 1958 den Titel, weil es Stirling Moss beim drittletzten Rennen wegen eines Missverständnis versäumt hatte, Hawthorn die schnellste Runde wieder abzujagen.

Motorsport Aktuell Sebastian Vettel - GP Japan 2019 Mercedes gegen Ferrari Wie oft sticht der Ferrari-Trumpf?

Ferrari kann inzwischen auf jeder Strecke in die erste Startreihe fahren.

Das könnte Sie auch interessieren
Sebastian Vettel - GP Japan 2019
Aktuell
Carlos Sainz - McLaren - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 11. Oktober 2019
Aktuell
Kevin Magnussen - GP Japan 2019
Aktuell