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Wo steht Red Bull?

"Motor erst bei 60 Prozent"

Daniel Ricciardo - GP Australien 2014 Foto: Wilhelm 26 Bilder

Daniel Ricciardos zweiter Platz zeigte, wozu Red Bull in der Lage ist, wenn alle Kräfte mobil gemacht werden. Die Weltmeister kamen aus dem Nirgendwo und hatten in Melbourne das zweitschnellste Auto. Dabei läuft der Renault V6-Turbo erst zu 60 Prozent rund.

Vergessen Sie die Disqualifikation. Die Tatsache, dass Daniel Ricciardos Renault-Motor phasenweise mehr als 100 Kilogramm Sprit pro Stunde inhalierte, hat nichts mit dem Resultat des GP Australien zu tun. Ricciardo wäre wohl auch ohne diese Verbrauchsspitzen Zweiter geworden. Er musste ja immer noch mit 100 Kilogramm Gesamtvolumen an Sprit über die 57 Runden-Distanz kommen.
 
Spritverbrauch war offenbar kein Problem bei Red Bull. Ricciardo hatte im Ziel noch ein beträchtliches Polster. "Ich habe am Anfang zu viel Sprit gespart und konnte mich am Ende dann gegen Magnussen gut verteidigen. Er musste wohl etwas sparen", erklärte der Pilot hinterher.

Red Bull trotz Problemen schneller als Ferrari

Ricciardos zweiter Platz im Training und im Rennen war ein Warnschuss an die Konkurrenz. Obwohl der Renault-Motor immer noch nicht rund läuft, reichte es für Red Bull, die McLaren und Ferrari in Schach zu halten. Nur Mercedes war eine Hausnummer zu groß. Doch das war für Red Bull beim Saisonstart noch kein realistischer Gegner.
 
Vor drei Wochen wäre man in Milton Keynes froh gewesen, 57 Runden am Stück zu fahren. Die Rundenzeiten lagen 2,5 Sekunden hinter der Spitze. Dann begann in Milton Keynes und Viry-Chatillon eine beispiellose Generalmobilmachung. Das Ergebnis zeigt, welche Power dieser Rennstall hat, wenn er mal ernst machen muss. "Die Geschwindigkeit, mit der Red Bull aufgeholt hat, muss einem Angst machen", applaudiert Williams-Technikchef Pat Symonds.

Renault fehlt noch die Konstanz

Teamchef Christian Horner unterstreicht, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. "Bei den Bahrain-Tests war der Renault-Motor bei 10 Prozent von dem, was er können muss. In Melbourne lagen wir bei 60 Prozent."

Motorenchef Rob White hatte nach dem guten Abschneiden Tränen in den Augen. Das zeigt, wie groß der Druck ist, der auf Renault lastet. Er warnt jedoch: "Wir sind noch nicht über den Berg. Bei unserer steilen Lernkurve sind Rückschläge unvermeidbar."
 
Die Programmierung der Software des Technikmonsters ist nach wie vor der wunde Punkt bei Renault. Noch arbeiten nicht alle der 20 Programme für die einzelnen Bausteine konstant zusammen. "Uns fehlt die Robustheit. Mal geht es gut, mal nicht", gibt Einsatzleiter Remi Taffin zu.

Wie viel Luft für wie viel Sprit?

Die Episode mit der Durchflussmenge zeigt wie dünn das Netz ist, auf dem sich Renault bewegt. Am Ende geht alles darum, die Menge an Ladedruck bereitzustellen, die für die maximal erlaubte Durchflussmenge in jeder Fahrsituation ideal ist. Der Grat, um einerseits schädliches Klopfen und andererseits zu hohen Spritverbrauch zu vermeiden, ist laut Rob White dünn wie eine Messerspitze. "Da ist es leicht, links oder rechts runterzufallen."

Die Überschreitungen beim Benzindurchfluss sind so ein Beispiel. Wenn Renault ans Limit geht, läuft leicht etwas aus dem Ruder. Schöpft man die Grenzen nicht aus, kommen andere Komplikationen hinzu. Dann lädt die MGU-H nicht zuverlässig die Batterien, und die MGU-K bekommt nicht genügend Saft. Resultat sind Leistungslöcher beim Beschleunigen, mangelnder Top-Speed und störende Lastwechsel beim Runterschalten.

Newey beginnt mit der Weiterentwicklung

Dass der Red Bull RB10 ein gutes Auto ist, demonstrieren die Sektorzeiten. Obwohl die Leistungsentfaltung des Motors noch nicht konstant ist, lag Daniel Ricciardo im kurvenreichen Sektor 3 immer im Spitzenfeld. Im Regen sogar ganz vorne. Das spricht für viel Abtrieb.

Und das ist erst der Anfang. "Ich habe erst jetzt mit der Weiterentwicklung des Autos begonnen", stöhnt Technikchef Adrian Newey. "Wenn du nicht zum Fahren kommst, kannst du auch nichts ausprobieren." Jetzt hat Red Bull endlich Daten, auf denen man aufbauen kann. Sebastian Vettel macht sich trotz des Fehlstarts keine Sorgen: "Ich weiß jetzt, dass ich ein schnelles Auto habe."

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