Wolff zum Hamilton-Verhalten

„Anarchie ist keine Lösung“

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016 Foto: Wilhelm 70 Bilder

Nachdem Lewis Hamilton in Abu Dhabi die Anweisungen der Ingenieure ignoriert hat, überlegt Teamchef Toto Wolff die Verhaltensregeln zu ändern. Er weiß aber noch nicht, in welche Richtung.

Nico Rosberg ist in Abu Dhabi Weltmeister geworden. Doch nach dem Rennen diskutierten alle nur über Lewis Hamilton. Seine Bummel-Taktik und das Ignorieren der Ingenieure spalteten das Fahrerlager in zwei Fraktionen. Auch Teamchef Toto Wolff wusste nicht, ob er sauer sein oder Verständnis zeigen soll.

Hamilton stellt sich über das Team

„Wenn man 1.500 Mitarbeiter im Team hat und 300.000 Beschäftigte bei Daimler, dann schafft man sich Werte, die man respektieren muss. Wenn man diese Werte in der Öffentlichkeit verletzt, dann bedeutet es, dass man sich über das Team stellt. Das ist ganz einfach. Anarchie funktioniert in keinem Team und in keiner Firma“, so die Kritik an seinem Fahrer.

Doch es gibt noch eine andere Seite: „Natürlich sagt ein Teil von mir auch, dass es seine einzige Chance war. Vielleicht kann man von einem Rennfahrer in so einer Situation nicht etwas verlangen, von dem seine Instinkte nicht zulassen, dass er die Anweisung befolgt. Da müssen wir einen Weg finden, wie wir so etwas in der Zukunft lösen.“

Werden Fahrer im Zweikampf mehr eingeschränkt?

Direkt nach dem Rennen konnte Wolff noch nicht sagen, in welche Richtung es gehen wird. „Alles ist möglich. Wir könnten die Regeln ändern, weil sie in solchen Situationen sowieso nicht funktionieren. Vielleicht geben wir ihnen sogar noch mehr Freiheiten. Das wäre sicher gute Unterhaltung. Das würde schöne Überschriften generieren, aber weniger Siege und Titel. Wir könnten auch die harte Lösung finden, weil unsere Werte nicht respektiert wurden. Ich bin nicht sicher, in welche Richtung die Nadel ausschlägt. Ich bin aber bereit, alles zu diskutieren.“

Vor dem Rennen wusste Mercedes nicht, was Hamilton für das entscheidende Rennen geplant hatte. Allerdings war die Teamleitung auf alles vorbereitet: „Lewis hatte 2 Möglichkeiten: Er konnte Vollgas fahren, gewinnen und zeigen, dass er der schnellste Mann auf diesem Planeten ist. Oder er entscheidet sich, die anderen hinter sich aufzustauen. Wir wussten nicht sicher, in welche Richtung es gehen wird. Wir haben aber beide Möglichkeiten einkalkuliert.

Paddy Lowe als letzte Eskalationsstufe

Das Problem war nicht die Einbrems-Taktik selbst, sondern dass Mercedes Gefahr lief, das Rennen aus den Händen zu geben. Deshalb verteidigte Wolff auch die Anweisungen an Hamilton: “Unser erstes Prinzip ist immer, den Sieg zu sichern. Das gilt für das erste Rennen wie für das letzte. Und nur wenn dieses Nummer 1-Ziel in Gefahr gerät, greifen wir von außen ein.„

Laut Wolff geriet der Erfolg in Abu Dhabi gleich 2 Mal in Gefahr. Als Verstappen auf eine Einstopp-Strategie setzte. „Da war es nicht klar, wie weit er damit kommt.“ Und als Sebastian Vettel auf die Supersoft-Reifen wechselte. „Da war er plötzlich 2 Sekunden schneller. Nach unseren Berechnungen war die Chance hoch, das Rennen zu verlieren.“

Deshalb meldete sich der Kommandostand über Funk. Erst Renningenieur Peter Bonnington, dann Technikchef Paddy Lowe. „Wenn sich Paddy meldet und sagt “das ist ein Befehl„, dann ist das die höchste Eskalationsstufe. Wir haben die Verhaltensregeln gemeinsam in Melbourne entschieden“, erklärt Wolff. Er selbst spricht dagegen nicht direkt mit den Fahrern „Ich habe nicht den richtigen Knopf am Funkgerät. Ich kenne mich selbst. Ich hätte sonst schon mehrmals in der Vergangenheit eingegriffen – und anschließend vielleicht bereut. Da muss man sich selbst und seine Stärken und Schwächen kennen.“

Mit Würde gewinnen und verlieren

Wolff zeigte sich etwas verärgert, dass Hamilton die Technik für den Verlust des WM-Titels verantwortlich machte. „Man muss mit Würde gewinnen und verlieren. Es ist ein mechanischer Sport. Ohne Auto würden sie in der Startaufstellung auf dem Boden sitzen und nicht weit kommen. Dieses Team hat ihnen in den letzten 3 Jahren das beste Auto gebaut, mit dem sie Rennen und Titel gewonnen haben.“

Der Fokus sollte laut Wolff auf dem neuen Weltmeister liegen. „Malaysia hat Lewis den Titel gekostet, das ist klar. Aber wir diskutieren die ganze Zeit darüber, was Lewis getan hat, ohne die Leistung von Nico anzuerkennen. Er hat den talentiertesten Fahrer geschlagen und die Meisterschaft gewonnen. Und er hat es schon in den vergangenen Jahren spannend gemacht. Er ist ein harter Hund. Er lässt einfach nicht locker. Er hat einige Charakterzüge, die ihn zu einem verdienten Weltmeister machen.“

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