Worstcase-Szenario für Melbourne

Was passiert, wenn keiner ankommt?

Romain Grosjean - Lotus - Formel 1 - Bahrain - Test - 2. März 2014 Foto: xpb 50 Bilder

Die neue Formel 1 steckt noch in den Kinderschuhen. Selbst Optimisten rechnen damit, dass nur die Hälfte aller Autos ins Ziel kommt. Doch was passiert, wenn es weniger sind? Oder gar keiner ins Ziel kommt? Wir haben die Experten Charlie Whiting und Beat Zehnder gefragt.

Es ist die größte technische Herausforderung der Formel 1-Geschichte. Die Testfahrten haben schon einen Vorgeschmack gegeben, was die Königsklasse in Melbourne erwarten könnte. Der Minimum-Rekord war der GP-Monaco von 1966. Nur vier Autos kamen ins Ziel. Auch 1996 sahen lediglich vier Fahrer die Zielflagge in Monte Carlo. Doch drei weitere wurden noch gewertet, weil sie erst kurz vor dem Ziel ausgefallen waren. Sie bekamen auch WM-Punkte. Dazu müssen mindestens 90 Prozent der Renndistanz beendet worden sein. In Melbourne wären das 53 Runden.
 

Kein Auto im Ziel? Der letzte Havarist ist Sieger

Das führt zu der Frage, was passiert, wenn kein Auto die 58-Runden-Distanz in Melbourne schafft. Selbst FIA-Rennleiter Charlie Whiting muss nachdenken, weil es diesen Fall in der Formel 1-WM noch nie gab. „Sieger ist dann der Fahrer, der zuletzt ausgefallen ist“, sagt Whiting. Mit einer Einschränkung: „Wir müssten formal das Rennen mangels Fahrzeugen abbrechen. Das heißt, dass in diesem Fall auch die Regeln gelten, die bei einem Rennabbruch in Kraft treten. Gewertet wird dann der Stand zwei Runden vor dem Abbruch.“ Es könnte sein, dass zu diesem Zeitpunkt der letzte Überlebende nicht in Führung lag. Dann gewinnt ein anderer.

Und an was bemessen sich die 90 Prozent? Antwort: "An der Rundenzahl des Siegers." Da in den ersten Rennen eine hohe Ausfallquote erwartet wird, werden die Teams im Rennen Schäden reparieren, bei denen sie normalerweise das Auto abgestellt hätten. "Es lohnt sich vielleicht eine Elektronikbox oder einen Heckflügel zu tauschen", sagt Sauber-Teammanager Beat Zehnder.

Komplizierte Rechenspiele

Force India-Technikchef Andy Green zweifelt: "Bei uns dauert ein Heckflügeltausch 15 Minuten, weil noch die Hydraulikleitungen für dass DRS dranhängen. Das ist fast schon zu lang, um noch gewertet zu werden." Bei verbogenen Querlenkern der Aufhängung winkt er ab. "Mit den Karbon-Lenkern musst du die ganze Ecke auswechseln. Es wäre zu gefährlich, nur die beschädigte Komponente zu tauschen, weil bei einer Kollision auch andere Teile der Aufhängung davon betroffen sein können. Karbonteilen siehst du von außen nicht an, ob sie was abgekriegt haben." Wenigstens ein Fall ist klar: Sind weniger als 75 Prozent zurückgelegt, gibt es für alle halbe Punkte. Und diese 75 Prozent beziehen sich auf die volle Renndistanz von 58 Runden.

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