Zeitenwechsel

Formel 1-Welt verkehrt

Foto: Red Bull

Die ungewöhnlichen Startzeiten der Trainings und des Rennens am Sonntag (28.9.) sorgen in Singapur für eine ganz spezielle Vorbereitung bei den Teams. Bloß nicht aus dem Rhythmus kommen lautet die Devise.

Sebastian Vettel machte seine erste Streckenbegehung um elf Uhr nachts. Nico Rosberg ging den Kurs von Singapur um halb zwei Uhr morgens ab. Nick Heidfeld wurde um drei Uhr morgens in der Disco gesehen. Jeder im Formel 1-Zirkus versucht krampfhaft wach zu bleiben, um in den Rhythmus des Nachtrennens zu kommen.

Der Zeitplan in Singapur spielt total verrückt. Geschlafen wird von vier Uhr morgens bis mittags um zwölf. Das Fahrerlager füllt sich erst Nachmittags um drei. Mark Webber juxte: "Hier lohnt es sich, ein Red Bull-Fahrer zu sein. Ich kann die Zeit mit Partys totschlagen." Lewis Hamilton vertreibt die Langeweile im Internet, "oder ich schaue mir im Hotelzimmer ein Video an."

Nicht an der Sonne orientieren

Heikki Kovalainen schaut auf die Uhr, die nach europäischer Zeit tickt, um sich zu orientieren. "Ob es draußen hell oder dunkel ist, spielt keine Rolle. Ich lebe nach meiner Uhr." Webber pflichtet bei: "Der ganze Tagesablauf ist einfach um sechs Stunden nach hinten geschoben." David Coulthard bedauert, dass nach Dienstschluss kein Restaurant mehr offen ist. "Nach drei Uhr morgens kriegst du nur noch Zimmer-Service. Ein bisschen langweilig, wenn das fünf Tage so geht."

Die Strecke haben die meisten Fahrer bereits zu Fuß umrundet. Coulthard rechnet mit deutlich mehr Mauerkontakten als in Valencia, dem anderen neuen Stadtkurs in dieser Saison. "Die meisten Kurven haben einen Radius von 90 Grad. Du entscheidest beim Einlenken bereits, ob du am Ausgang die Mauer triffst." Der GP-Oldie vergleicht die Strecke mit einer Kombination aus "Melbourne und dem alten Stadtkurs von Detroit."

Überholen theoretisch möglich

Teamkollege Webber bedauert. "In vielen Kurven haben sie innen Randsteine angebracht, so dass du nicht direkt an die Mauer ranfahren kannst. So wollen sie zu viele Mauerkontakte verhindern." Die kritischen Kurven sind nach Meinung des Australiers Kurve 4, Kurve 13 und die enge Schikane.

Lewis Hamilton zeigte sich erstaunt, wie breit die Strecke ist: "Theoretisch gibt es einige Stellen, auf denen Überholen möglich sein müsste. In Realität muss man sehen, ob man dem vorausfahrenden Auto überhaupt folgen kann. Nicht dass es uns so geht wie in Valencia, wo wir auch alle gedacht hatten, dass es mit dem Überholen einfach wird."

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