Sergio Perez - Esteban Ocon - Force India - GP Kanada 2017 - Rennen xpb
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Zoff bei Force India

Mit Stallregie auf Platz 3?

Force India steht als WM-Vierter an der Schwelle zu einem Topteam zu werden. Damit wachsen auch die Probleme. Sergio Perez schlug den Plan aus. Esteban Ocon auf Daniel Ricciardo anzusetzen. Hat er damit einen Podestplatz aufs Spiel gesetzt?

Vor zwei Jahren hätte der Vorfall noch kleine Wellen geschlagen. Force India diskutierte mit seinen Piloten über eine Stallregie. Sergio Perez sollte Teamkollege Esteban Ocon versuchsweise Platz machen, damit der Franzose sich auf den drittplatzierten Daniel Ricciardo werfen kann. Hätte er es innerhalb drei Runden nicht geschafft, wäre die alte Reihenfolge wiederhergestellt worden. Ocon hatte Reifen am Auto, die um 13 Runden jünger waren als die seines Stallrivalen.

Perez verwarf die Idee. „Lasst uns ein Rennen fahren. Wir verlieren hier nur Zeit“, gab der Mexikaner als Antwort auf die Bitte zurück. Am Ende landeten die Force India-Piloten auf den Plätzen 5 und 6. Manche warfen dem Team vor, es hätten auch die Plätze 3 und 4 werden können, wenn man den Platztausch energischer befohlen und Perez darauf reagiert hätte. Perez reagierte sauer auf Vorwürfe, er hätte dem Team geschadet: „Das war keine Stallorder, sondern eine Diskussion am Funk. Esteban wir nie richtig nah. Es wurde nur einmal richtig eng, weil ich hinter Ericsson hängenblieb. Ich habe dem Team meine Argumente gesagt, und sie haben sie akzeptiert.“

Nicht eine Sekunde schneller als Ricciardo

Spätestens seit diesem Jahr steht Force India ganz anders unter Beobachtung als früher. Der WM-Vierte des Vorjahres ist auf dem besten Weg seinen vierten Platz zu verteidigen. Und Perez und Ocon trieben den Red Bull von Daniel Ricciardo vor sich her. Da bekamen die Funksprüche plötzlich eine ganz andere Relevanz. „Wir werden langsam erwachsen“, lächelte Teamchef Bob Fernley gequält. „Damit kommen auf uns plötzlich Probleme zu, die sonst nur die Topteams haben. Man lässt uns nicht mehr so viel durchgehen wir früher. Wir werden stärker beobachtet. Deshalb müssen wir lernen, wie wir mit solchen Problemen umgehen.“

Zwei Stunden nach dem Rennen hatten Sportdirektor Otmar Szafnauer und Technikchef Andy Green einen besseren Überblick. Das Rennen war analysiert. Alle Fakten lagen auf dem Tisch. Hat die Weigerung von Perez sich auf das Angebot einzulassen, dem Team ein Podium gekostet? Hat er damit Sebastian Vettel einen Platz geschenkt?

Die Antwort lautet zwei Mal nein. „Um Ricciardo zu überholen, hätten wir eine Sekunde pro Runde schneller sein müssen als er. Das war weder bei Perez, noch bei Ocon der Fall.“ Szafnauer führt weiter aus: „Wenn schon Sergio als einer der besten Überholer im Feld nicht an Ricciardo vorbeikommt, Esteban wiederum seinerseits nicht Perez überholen kann, dann dürfen wir auch nicht erwarten, dass es Ocon an Ricciardo vorbeigeschafft hätte.“

Die Force India-Chefs glauben auch nicht, dass man Vettel durch die Uneinigkeiten der Piloten einen Platz geschenkt hat. „Der Ferrari ist ein schnelleres Auto als unseres. Vettel hatte weichere und frischere Reifen als wir. Es wäre naiv zu glauben, dass er uns nicht überholt hätte, wenn wir die Reihenfolge nicht getauscht hätten.“

Zweite Platztausch-Bitte von Force India kam zu spät

Gegen einen Platztausch auf Probe sprachen zwei Dinge. „Jeder freiwillige Tausch kostet dich zwei Sekunden. Nicht nur durch die Aktion selbst, sondern auch, weil die Reifen auskühlen“, erklärt Green. Bei der ersten Anfrage rettete sich Perez mit dem Hinweis, dass er seine Reifen für den entscheidenden Angriff geschont hätte, und er nur auf den Moment warten würde, in dem Ricciardo auf Überrundete aufläuft. Der Kommandostand ließ sich darauf ein. „Das intern führende Auto hat bei allen taktischen Überlegungen Vorrang“, verteidigte sich Fernley.

Nachdem diese Chance verstrichen war, zögerte Force India mit seinem zweiten Funkspruch zu lange. „Wenn überhaupt, hätten wir den Platztausch gleich nach den Boxenstopps von Ferrari anordnen müssen. Als wir mit Checo das zweite Mal geredet haben, war es schon zu spät. Vettel hätte uns eingeholt gehabt, bevor wir den Platztausch hätten rückgängig machen können.“

Niki Lauda kritisierte das Mercedes-Kundenteam. „Sie haben eine bessere Platzierung verschenkt und Vettel geholfen, auf den vierten Platz zu fahren. Perez hat sich aus Sicht des Teams egoistisch verhalten.“ Mag sein. Doch gute Rennfahrer sind so gestrickt. Mercedes ist 2014 in Ungarn das Gleiche passiert. Als Lewis Hamilton gebeten wurde, für Nico Rosberg Platz zu machen, weil der auf einer anderen Strategie unterwegs war, hörte Hamilton weg.

Ocon hielt einen Podestplatz für möglich. Doch das große Donnerwetter blieb am Ende aus. „Wir haben Esteban nach dem Rennen alles erklärt. Er hat es verstanden“, beteuert Szafnauer. Force India reiste am Ende trotzdem mit 18 Punkten aus Montreal ab. Und ist froh zwei Fahrer zu haben, die zwar immer mehr zu Rivalen werden, sich aber gegenseitig auch immer mehr antreiben. „Wir haben Esteban ein halbes Jahr gegeben, sich bei uns zu akklimatisieren. Er hat es vor Ende der ersten Saisonhälfte geschafft und kommt Sergio immer näher. Das zeigt, dass wir den richtigen Fahrer ausgesucht haben“, freute sich Green.

Zweite erfreuliche Erkenntnis: Die Lücke zu Red Bull wird kleiner, der Abstand zum Mittelfeld größer. Green führt zwei Gründe an: „Die Streckencharakteristik kam uns entgegen. Und unser Montreal-Upgrade hat gezündet.“ Von den Neuerungen am Frontflügel, Seitenkasten-Flügel, T-Flügel, der Unterboden-Kufe, den Bremsbelüftungen hinten und den Leitblechen vor den Seitenkästen, müssen nur die Leitbleche noch einmal überarbeitet werden. Damit hat die Treffsicherheit der Aerodynamik-Abteilung fast schon wieder das Niveau des Vorjahres erreicht.

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