Smog und Nebel in Shanghai

Rennverlegung auf Samstag vom Tisch

Das gab es in der Formel 1 noch nie. Das erste Training dauerte 22 Minuten. Das zweite wurde erst gar nicht angepfiffen. Die FIA verwarf die Option, den GP China auf Samstag vorzuverlegen.

Wer am Freitag in Ticket für den ersten Trainingstag zum GP China gekauft hatte, bekam nicht viel zu sehen. Die erste Trainingssitzung dauerte über zwei Etappen nur 22 statt 90 Minuten. Die 20 Fahrer legten dabei 88 Runden auf nasser Piste und bei kalten 13 Grad zurück. Das zweite Training wurde erst gar nicht gestartet. Die Fahrer langweilten sich in der Garage.

Reise ins Ungewisse für Teams

Der Grund war immer der gleiche. Eine Mischung aus undurchdringlichem Smog und Nebel legte sich wie ein grauer Deckel über die 25-Millionen-Einwohner Metropole Shanghai. Der Regen war dabei das geringste Problem. Am Nachmittag hatte er aufgehört, und trotzdem blieb der Rettungshubschrauber auf dem Boden. Er hätte an der Rennstrecke starten, aber auf dem Dach des ausgewählten Krankenhauses wegen zu schlechter Sicht nicht landen können. Der Helikopter-Pilot erzählte, dass die Landeplattform komplett im Nebel verschwunden sei, ein Anflug daher viel zu gefährlich wäre.

Ein Transport auf der Straße ist keine Alternative. „Das Krankenhaus liegt 38 Kilometer weg. Selbst mit Polizeieskorte brauchst du mehr als eine Stunde“, erzählt der Schweizer Sportkommissar Paul Gutjahr. In fünf Kilometern Entfernung zur Rennstrecke gibt es zwar noch ein kleineres Hospital, das aber neurochirurgisch nicht den Formel 1-Anforderungen genügt.

Weil das Wetter für Sonntag ähnlich schlecht vorhergesagt ist, trafen sich die Teammanager und FIA-Rennleiter Charlie Whiting während des abgesagten zweiten Trainings, um den Ernstfall zu beraten. Whiting fragte die Teammanager, ob sie sich notfalls ein Rennen am Samstag vorstellen können mit der Qualifikation am Morgen. Der Wetterbericht für Samstag ist gut. Es soll sogar die Sonne scheinen. Für den Sonntag sind wieder Regen und tiefliegende Wolken vorhergesagt

Trotzdem entschied der Weltverband am späten Freitagnachmittag in Shanghai, das Rennen nun doch wie geplant am Sonntag zu starten. Nach der letzten Wetterprognose sollen die Wolken am Sonntag etwas höher liegen, und es soll Wind aufkommen. Der könnte den Nebel wegblasen. Der angekündigte Regen soll um die Mittagszeit aufhören. Niki Lauda freut sich auf ein spannendes Rennen: "Keiner ist bis jetzt viel gefahren. Die erste Hälfte des Rennens wird nass, die zweite trocken. Das könnte lustig werden." Das dritte Training am Samstag verspricht hektisch zu werden. Die Teams müssen sich auf die Qualifikation vorbereiten und gleichzeitig Longruns nachholen, die am Freitag ausgefallen sind. Die Reise ins Ungewisse ist normalerweise ein Garantieschein für ein gutes Rennen, weil der Überraschungsfaktor umso größer ist, je schlechter die Teams vorbereitet sind.

Red Bull die Nummer 1 im Regen

Immerhin bot die Schonkost am Vormittag ausreichend Unterhaltung. Sechs Fahrer kamen von der Strecke ab. Bei Asphalttemperaturen von 16 Grad und Dauerberieselung von oben war die Strecke glatt wie Schmierseife. Die neuen Intermediates wollten nur zögerlich auf Temperatur kommen. „Vorne links blieb der Reifen kalt“, berichtete Nico Hülkenberg, der seinen Renault im Kiesbett versenkte.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP China 2017 - Shanghai - 7.4.2017 Foto: sutton-images.com

Auch Felipe Massa klagte über eine lange Aufwärmphase. „Wenn die Intermediates dann aber mal im Fenster waren, fühlte sich der Grip gut an.“ Der Brasilianer führte die Dreher eher auf den glatten Belag zurück, der im Zusammenspiel mit Nässe tückisch ist. Kevin Magnussen warnte nach zwei Pirouetten, dass die Intermediates schnell auskühlen und dann praktisch nicht mehr ins Fenster zurückgebracht werden können. Das könnte bei ähnlich niedrigen Temperaturen am Sonntag nach SafetyCar-Phasen für Probleme sorgen.

Red Bull hatte keine Probleme. „Unser Auto hat als einziges nicht untersteuert. Verstappen ging raus und war sofort schnell. Ricciardo wäre weiter vorne gestanden, hätte er nicht seine Runde wegen einer virtuellen SafetyCar-Phase abbrechen müssen“, registrierte Teamberater Helmut Marko hoffnungsfroh. Das Aerodynamikpaket zeigte offenbar schon Wirkung. Der erste Platz ging an Max Verstappen, der letzte an Lewis Hamilton. Ein Resultat zum Einrahmen.

7 Sekunden schneller als 2016

Pirelli kam der Regen eigentlich gelegen. Endlich hatte man Gelegenheit die neuen Intermediates und die Regenreifen unter Realbedingungen zu testen. Doch die Ergebnisse fielen mager aus. „Für Intermediates war es zu kalt und teilweise auch zu nass. Für einen echten Regenreifen-Test fehlte uns die Zeit.“ Pirelli hätte die Runden gebraucht, denn die Mischung der Regenreifen war kurzfristig noch einmal geändert worden.

Trotz der begrenzten Fahrzeit fielen drei Dinge auf. Verstappens Bestzeit war 7 Sekunden schneller als der Bestwert im verregneten dritten Training vor einem Jahr. Der neue Intermediate wärmt sich langsamer auf als der alte, hat aber ein größeres Arbeitsfenster. Und die neuen Regenreifen können jetzt schon bei weniger Wasser auf der Strecke eingesetzt werden.

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