Mercedes S-Klasse im Eco-Vergleich

Sparsamste S-Klasse gesucht

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Luxuswagen, so die weit verbreitete Meinung, sind die klassischen Klimakiller. In der Palette der Mercedes S-Klasse gibt es vier Modelle, die antreten, gängige Vorurteile zu widerlegen. Wir suchen die sparsamste S-Klasse.

Der Dienstwagen von Baden-Württembergs neuem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann trägt keine Modellbezeichnung. Die Mercedes S-Klasse übernimmt der Grüne von seinem Vorgänger Stefan Mappus, und sie heißt korrekt Mercedes S 600.

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Über angemessenere Alternativen will Kretschmann nachdenken. Schließlich gibt es auch sie in Form von Daimlers nobelster Limousine: zwei sparsame Diesel, ein zur Enthaltsamkeit erzogener, ganz neuer V6-Benziner sowie einen Hybrid, bei dem ein Elektromotor den V6 unterstützt.

Leise schnurrender Mercedes S 250 CDI

Der jüngste und interessanteste Schwabenstreich ist der Mercedes S 250 CDI, die erste S-Klasse mit einem VierzylinderDieselmotor. Die Überraschung dabei: Vom gepflegten Oberklasse-Feeling geht so gut wie nichts verloren. Allein beim Beschleunigen im unteren Drehzahlbereich kündet dezentes Motorknurren davon, was da unter der Haube sitzt.

Ist der Mercedes S 250 in seinem angestammten Autobahn-Revier unterwegs, hört man vom Motor so wenig wie bei den Sechszylindern – die Minimalunterschiede bei der Geräuschmessung sind für das menschliche Ohr quasi bedeutungslos. Auch an Temperament fehlt es nicht. Gut, im Bereich oberhalb von 160 km/h schiebt der Vierzylinder nicht mehr so souverän wie die Sechszylinder-Motoren. Aber damit kann man problemlos leben, ähnlich wie mit der etwas geringeren Höchstgeschwindigkeit. Papierwerte, und in der Praxis nicht von schwerwiegender Bedeutung.

Erstaunlich geringer Verbrauch

Dafür glänzt der Mercedes S 250 mit Verbrauchswerten, die man noch vor wenigen Jahren einem Kompaktwägelchen zugeordnet hätte. Die schaffen gute Laune und ein gutes Gewissen – auch wenn der S-Klasse-Fahrer normalerweise nicht bangend auf die Preissäulen der Zapfstellen-Abkassierer starren muss.

Sparsam freilich, wir wollen die Kirche im Dorf lassen, ist auch der Sechszylinder-Diesel im Mercedes S 350 Bluetec. Er beschleunigt geschmeidiger, fast ohne Diesel-Geräusch und mit jenem Quäntchen Zusatz-Nachdruck, das durchaus auch als Komfortmerkmal gelten darf. Und sein gewaltiges Drehmoment macht der famosen Siebengang-Automatik das Leben noch leichter. Wer derart aus dem Vollen schöpft, muss eben überhaupt weniger schalten.

Diesel, Benziner oder doch Hybrid?

Soll man sich da noch einen Benziner leisten? Konservative Käufer liegen mit dem Mercedes S 350 nicht falsch. Denn der bietet das klassische Mercedes-Gefühl, das manche seit den Zeiten der Heckflosse kennen. Sehr kultivierter, summender Motorlauf, freudiges Hochdrehen, spontanes Ansprechen. Und mit der neuen Motorengeneration, die einen 60-Grad-Zylinderwinkel und Direkteinspritzung aufweist, bewegt sich der Verbrauch in einem für so viel automobilen Luxus durchaus angemessenen Rahmen.

Der Mercedes Hybrid S 400 besitzt noch den alten V6 mit 90-Grad-Winkel. Der ist zwar nicht ganz so effizient wie der neue, gleicht das aber durch einen Elektromotor aus, der 160 Newtonmeter beisteuert. Der Aufpreis freilich ist deftig. Keine Chance, mit dem im Durchschnitt nur wenig geringeren Verbrauch die Mehr-Investition gegenüber dem Mercedes S 350 jemals hereinzuholen.

Hybrid für ängstliche Amerikaner

Ein nennenswerter Verbrauchsvorteil ergibt sich allein im Stadtverkehr. Der Hybrid ist in erster Linie gedacht für die Amerikaner, die beim Diesel immer noch Berührungsängste zeigen. Er demonstriert im Parkhaus Umweltbewusstsein, wenn er lautlos rein elektrisch in die Parklücke rollt. Man zeigt sich gern im Fortschritt signalisierenden Hybrid. Wie der ehemalige Mercedes-Chef Jürgen Hubbert. Der ließ deshalb auch das Typenschild am Heck dran.

Mercedes S 250 CDI – bester Sparer

Der beste Luxus-Sparer ist der Mercedes S 250 CDI. Er stellt die Luxuswagen-Welt tatsächlich auf den Kopf. Kein anderes Auto bietet ein derartiges Maß an komfortabler Fortbewegung bei einem so geringen Energieverbrauch wie dieser Mercedes. Dabei muss der Käufer keineswegs schwer akzeptable Zugeständnisse bei der Fahrkultur machen, weil der doppelt aufgeladene Vierzylinder mehr als ausreichende Fahrleistungen zur Verfügung stellt und sein Lauf nahezu perfekt gedämmt ist.

Allerdings: Der V6-Diesel im Mercdes S 350 Bluetec, stärker und noch kultivierter, verbraucht nicht unziemlich viel mehr und erfüllt schon die Euro 6-Norm. Auch der Benziner S 350 zählt zu den sehr sparsamen Luxus-Limousinen, während der Mercedes S 400 Hybrid enttäuscht. Der wird erst attraktiver, wenn auch er auf den neuen Sechszylinder-Motor umgestellt wird.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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