Peugeot 504 (1968-1983) Kaufberatung

Limousine, Coupé, Cabrio und Kombi aus Frankreich

Peugeot 504, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 23 Bilder

Der Peugeot 504 von 1968 ist eine charmante französische Limousine. Er ist elegant sowie technisch sehr robust und langlebig. Aber wie alle Fahrzeuge seiner Zeit rostet er stark. Wir blicken in die Geschichte und unters Blech des Modells.

Der Peugeot 504 im alten Test: Klaus Westrup erinnert sich an den Peugeot 504 L, eine Spar-Version in der Peugeot-Mittelklasse: Die Siebziger haben gerade richtig begonnen, die Männer tragen Schlaghosen, wilde Haarmähnen und buschige Koteletten, da stürzt die Ölkrise Autofahrer in tiefe Verzweiflung.

Peugeot 504 im alten Test von 1973

Hohe Spritpreise, Sonntags-Fahrverbote und eine rigorose Tempo-Beschränkung von 100 km/h auf Autobahnen rütteln an den Grundfesten der automobilen Freiheit.

Aber auch auf dem Neuwagen-Sektor hinterlässt die Krise 1973 Spuren. Ganz ähnlich wie heute, wo wir uns in Anbetracht der Treibstoffpreise in einer Art Dauer-Ölkrise befinden, stellt sich schon vor 40 Jahren die Frage, ob es nicht etwas weniger sein darf. Den Begriff Downsizing gibt es noch nicht in Zusammenhang mit der Motorisierung, aber was partiell geschieht, ist genau das. Man will sparen mit dem Automobil, und das möglichst ohne großen Verzicht.

Peugeot 504
Der letzte Coup

Peugeot geht in der Mittelklasse mit gutem Beispiel voran. Der 504, seit 1969 auf dem deutschen Markt und seit 1971 in einer Zweiliter-Version namens GL zu haben, kehrt ganz im Sinne des Downsizing in der gestrippten L-Version wieder zum Ur-Hubraum von 1,8 Liter zurück. Das verbliebene L am Wagenheck wirkt zunächst sinnentfremdet – mit Luxus hat auch die Reduzierung des Verdichtungsverhältnisses auf nur 7,5 : 1 nichts zu tun. Aus heutiger Sicht wirken die sanften Verpuffungen des kurzhubig ausgelegten Vierzylinders fast oldtimerhaft, doch das Ergebnis zählt.

Unauffälliger Peugeot 504-Motor verbraucht 12,5 Liter

Das Stoßstangen-Triebwerk verzehrt wie angestrebt Normalbenzin, seine Höchstleistung von 79 PS erreicht es schon bei 5.000 Touren, das maximale Drehmoment von 145 Newtonmeter stellt sich schön tief ein bei nur 2.500 Umdrehungen. Ein sehr sanfter Vierzylinder ist hier auferstanden, seine Stärken liegen weder im Drehvermögen noch in der Elastizität, sondern vor allem im leisen und vibrationsarmen Lauf. Von Massenkräften zweiter Ordnung, die prinzipiell alle Reihen-Vierzylinder quälen, hat Peugeots Sparmaschine offensichtlich nie etwas gehört.

Wirklich sparsam ist sie, was Wunder bei der kümmerlichen Verdichtung, allerdings nicht. Der Testwagen genehmigt sich im Mittel alle 100 Kilometer 12,5 Liter Normalbenzin, bei einem Autobahn-Durchschnitt von 100 km/h sind es immer noch 10 Liter. Im Testbericht von 1974 werden diese Ziffern als „angemessen“ bewertet – heute wäre er wohl ein elender Säufer.

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Starrachse des Peugeot 404

Zum sanften Motor passt der sanfte Charakter des Peugeot 504 ganz vorzüglich. Nichts an dieser französischen Limousine ist sportlich, auch natürlich nicht die starre Hinterachse, die der 504 L im Zuge weiterer Vereinfachung und Verbilligung verpasst bekommen hat.
Im Gegensatz zu den GL-Modellen der 504-Serie mit Zweiliter-Motor, deren Hinterräder einzeln und ungleich aufwendiger an Schräglenkern und Schraubenfedern aufgehängt sind, findet man im 504 L die Achsen vom altertümlichen 404, von dem 1973 täglich immerhin noch 400 Exemplare entstehen. Zwei Längs-Lenker und ein Querstab übernehmen die Führungsaufgaben, immerhin gibt es Schrauben und keine altertümlichen Blattfedern.

Viel schlechter ist der Federungskomfort des Peugeot 504 gar nicht geworden, selbst die Bodenhaftung der starren Achse ist erstaunlich gut. Auch auf schlechten Straßen neigt sie kaum zum Versetzen, in den Fahreigenschaften lernt man den 504 L als ein unproblematisches Auto kennen, das bei scharfer Kurvenfahrt leicht untersteuert und nur geringe Lastwechselreaktionen zeigt.

Professionelle Unsportlichkeit

Um die Lenkkräfte in Grenzen zu halten, ist die Lenkung im Peugeot 504 sehr indirekt ausgelegt, was in engen Kurven und beim Rangieren viel Kurbelei nach sich zieht. Auch dies trägt zum Gesamteindruck einer geradezu professionellen Unsportlichkeit bei. Für die große bequeme Reise hingegen ist die Besatzung mit diesem charaktervollen Peugeot bestens gerüstet, auch wenn der Gepäckraum, durch die Anwesenheit der Platz raubenden Starrachse, sich nach Werksangaben im Volumen von 560 auf 460 Liter reduziert.

Optisch ist der Peugeot 504 L ebenfalls ein wenig karger geworden. Die Chromeinfassungen an den Seitenfenstern fehlen, die Stoßstangenhörner sind aus Gummi, es fällt kaum auf. Dass im Interieur nun ein in die Breite gezogener Tachometer Dienst tut statt der Rundinstrumente beim GL, lässt die schlichtere Version schon damals etwas nostalgisch erscheinen. Die Lenkradschaltung mit ihrem pflaumigen Knauf passt da gut ins Bild und trägt zum eigenwilligen Charme dieses Autos nicht unerheblich bei.

Ob die Franzosen durch den Wegfall der längst im Peugeot 504 etablierten Knüppelschaltung Produktionskosten eingespart haben, entzieht sich der Kenntnis, das Schaltvergnügen hat jedenfalls nicht gelitten.

Kaufpreis knapp über 10.000 Euro

Fehlt überhaupt etwas Wichtiges? Die Beschleunigung des Peugeot 504 L ist etwas schlechter als beim GL mit Zweiliter-Motor und seinen 93 PS – 16,3 Sekunden auf Tempo 100 statt 15. Die Höchstgeschwindigkeit sinkt von 162 km/h auf 155, aber am meisten geht der Preis nach unten. Knapp über 10.000 Mark kostet der gestrippte 504, rund 1.600 Mark weniger als der GL.

Zu Beginn der siebziger Jahre ist das ein Wort. Der Peugeot 504 L ist nicht nur deutlich billiger als der GL, sondern liegt im Preis auch unter den Konkurrenten Chrysler 180, Ford Consul 1700 und Opel Rekord 1700.

Besser als alle anderen zeigt das im Wesen so sanfte Mittelklasse-Auto, dass automobiler Verzicht nicht in Ärmlichkeit enden muss. Und dass Einfachheit durchaus eine Tugend sein kann. Vielleicht ist sie sogar der wahre Luxus und das L am Wagenheck des Peugeot 504 nur folgerichtig.

Karosserie-Check

Rost ist das große Standardproblem der 70er-Jahre-Generation, und leider bildet der Peugeot 504 auch keine Ausnahme. Vor allem die vorderen Kotflügel zernagt es in Folge von Spritzwassereinwirkung im Bereich der Scheinwerfer und der A-Säulen. In der Regel ebenfalls betroffen von Korrosion in meist mehr oder manchmal weniger schlimmem Ausmaß sind Türen, hintere Kotflügel und Seitenwand.

Ein Blick auf die Federbeindome des Peugeot 504 empfiehlt sich ebenso wie die Prüfung von Innenschwellern und den Längsträgern beidseitig des Getriebes unterm Auto. Ebenfalls von unten lässt sich inspizieren, ob die Schweißnaht, die sich dort befindet, wo die Antriebswellen durch die Hinterachsschwingen gehen, noch intakt ist. Sie neigt zum Reißen. Schweller lassen sich oft erst beurteilen, nachdem das Blech aufgetrennt wurde.

Technik-Check

Die Technik des Peugeot 504 ist robust. Hohe Laufleistungen sind für die Großserienmechanik kein Problem, als unbedenklich und normal gilt leichter Ölverlust. Hitzeprobleme treten oft infolge defekter Thermoschalter auf. Hoher Spritverbrauch und dunkler Rauch aus dem Auspuff deuten auf ein Problem der insgesamt unkapriziösen Einspritzung. Ersatz ist teuer. Zittert die Lenkung leicht, deutet das darauf hin, dass die verschleißfreudigen Bremsscheiben erneuert werden sollten.

Preise

In der Liste des Marktbeobachters Classic-Analytics ist ein Preis von 7.900 Euro für einen Peugeot 504 im Zustand vermerkt. Mäßige Exemplare kosten rund 2.400 Euro. Gute Coupés kosten knapp unter 20.000 Euro, gute Cabrios liegen deutlich darüber.

Bei Einführung 1968 (Peugeot 504)
11.650 Mark

Ersatzteile

Ein später Segen der hohen Stückzahl und langer Produktionszeit ist die einigermaßen gute Ersatzteillage für den Peugeot 504. Technik für Antrieb und Fahrwerk ist gut verfügbar, anders dagegen Teile der Innenausstattung: Sie sind durchweg Mangelware.

Schwachpunkte

  1. vorderer Kotflügel
  2. A-Säulen
  3. Schweller
  4. Türen
  5. Längsträger
  6. Hinterachsträger
  7. Thermoschalter
  8. Bremsscheiben- und Sättel
  9. Getriebe-Hauptwellenlager
  10. Schwungrad (Öldichtung)
  11. Schaltbarkeit Getriebe
  12. Innenausstattung
Peugeot 504, Schwachstellen, Igelbild

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Weil er sehr solide ist, aber viel seltener als etwa ein Mercedes /8, ist der Peugeot 504 eine charmante Alternative zum deutschen 68er-Modell. Wenn die Karosserie substanziell in Ordnung ist und die Technik läuft, braucht der Franzose keine schlaflosen Nächte bereiten und taugt dank guten Komforts und angenehmen Fahrverhaltens auch für längere Ausfahrten.

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