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Lotus F1

Das Renault-Werksteam wurde in den Jahren 2012 bis 2015 verkauft und ging unter dem Namen Lotus F1 Team an den Start. Der große Erfolg wollte sich unter den ambitionierten Investoren aber nicht einstellen.

Lotus F1 Team - an diesen neuen alten Namen mussten sich die Fans 2012 erst noch einmal gewöhnen. Das alte Renault-Werksteam war Geschichte. 2015 befand sich nicht einmal einmal mehr ein Motor mit dem Rhombus-Logo im Auto. Die Bezeichnung und der Look des Teams kam den älteren Formel 1-Fans bekannt vor. In den 60er und 70er Jahren sammelte das originale Lotus-Team um Starkonstrukteur Colin Chapman sieben Konstrukteurspokale und sechs Fahrertitel - zum Teil ebenfalls mit schwarz-goldenen Autos.

Lotus wollte um Titel kämpfen

Mit dem alten Team Lotus hatte das neue Lotus F1 Team aber nichts am Hut. Der Renault-Werks-Rennstall wurde 2010 von Finanzinvestoren aus Luxemburg gekauft. Nach einem langen Rechtsstreit konnte das Team 2012 endlich den Namen des Hauptsponsors Lotus übernehmen. Zuvor war der Caterham-Rennstall zwei Jahre lang unter dem prestigeträchtigen Namen angetreten.

Zu Beginn der neueren Lotus-Geschichte waren noch die malaysischen Eigentümer der gleichnamigen Sportwagenfirma mit im Boot. Doch aus finanziellen Gründen zogen sie sich relativ schnell wieder aus dem Formel 1-Geschäft zurück. Man einigte sich darauf, dass der Rennstall den Namen behalten darf, um leichter an Sponsoren zu kommen.

Die Investitionen für die Eigentümer der luxemburgischen Investmentgesellschaft Genii-Capital waren hoch. Das Risiko auch. Nach dem letzten WM-Titel von Fernando Alonso 2006 kämpfte der ehemalige Werksrennstall lange um den Anschluss an die Spitze. Eine echte Chance auf einen Titel hatte man nie.

Lotus seit 2011 in Schwarz-gold

2011 ging das Team zum ersten Mal in der legendären schwarz-goldenen Lackierung an den Start. Damals noch unter dem Namen Lotus Renault GP. Nach 2 Podiumsplätzen zu Beginn der Saison durch Vitaly Petrov (Australien) und Nick Heidfeld (Malaysia) verlief die Formkurve stetig abwärts. Das revolutionäre Auspuffkonzept - mit dem Endrohr vor dem Seitenkasten - bot zu wenig Entwicklungspotenzial. Die Konkurrenz konnte links und rechts vorbeiziehen. Am Ende wurde gerade noch so der fünfte Platz in der Teamwertung gesichert.

Unter dem neuen Namen Lotus F1 Team konnte man 2012 den Abwärtstrend jedoch stoppen. Die Verpflichtung von Ex-Champion Kimi Räikkönen war nicht nur ein gelungener Maketing-Coup sondern brachte das Team auch sportlich auf die richtige Bahn. Mit dem ersten Sieg für das Team in Abu Dhabi und insgesamt 7 Podiumsplätzen wurde der Iceman am Ende Dritter in der Fahrerwertung.

Teamkollege Romain Grosjean, der ebenfalls neu verpflichtet wurde, konnte nicht ganz die Leistungen bringen. Immer wieder wurde der Franzose in unnötige Startkollisionen verwickelt und schenkte damit wertvolle Punkte her. Seinen persönlichen Tiefpunkt setzte Grosjean beim Grand Prix von Belgien in Spa, als er einen Massencrash auslöste. Die FIA-Kommissare sperrten den Wiederholungstäter daraufhin für ein Rennen. Die Fehler Grosjeans sorgten am Ende der Saison auch dafür, dass Lotus nur knapp Rang 3 in der Teamwertung verpasste.

Mit der gleichen Fahrerpaarung ging es auch in die Saison 2013. Räikkönen landete direkt zum Auftakt in Australien einen Sieg. Vor allem die sensiblen Pirelli-Reifen passten dem E22 sehr gut. Je schwieriger die Bedingungen desto besser kam Lotus zurecht. 14 Mal standen die Piloten insgesamt auf dem Podium. In der zweiten Saisonhälfte war Grosjean oft der einzige im Feld, der die Red Bull noch ärgern konnte.

Weil die Leistungen aber nicht konstant abgerufen werden konnten, blieb am Ende nur Rang 4 im Konstrukteurspokal. Auch der Ausfall von Kimi Räikkönen in den letzten beiden Rennen half nicht. Der Finne hatte eine Rückenoperation vorgezogen und war durch Landsmann Heikko Kovalainen ersetzt worden.

Abwärtstrend nach der Saison 2013

Für 2014 musste Lotus ganz auf Räikkönen verzichten, der sich in Richtung Ferrari aus dem Staub gemacht hatte. Dafür kam Pastor Maldonado als neuer Grosjean-Teamkollege nach Enstone. An den Fahrern lag es allerdings nicht, dass 2014 zu einer Horror-Saison wurde. Nach einer verspäteten Fertigstellung des Autos floppte das revolutionäre Aerodynamik-Konzept. Neben dem schlechten Speed sorgte vor allem Zuverlässigkeitsprobleme mit dem neuen Renault V6 Turbo-Antrieb für Kopfschmerzen. Mit nur 10 WM-Punkten rutschte man am Ende bis auf Rang 8 in der Teamwertung.

Um die Wende einzuleiten wurden vor der Saison 2015 drastische Maßnahmen verkündet. Mercedes wurde als neuer Motorenpartner verpflichtet. Und schon bei den Testfahrten im Winter war zu erkennen, dass es aufwärts ging. Doch dann meldete sich Renault plötzlich bei den Teambesitzern von Genii. Es wurden Verhandlungen über den Rückkauf des Rennstalls aus Enstone aufgenommen. Weil die alten Besitzer vor dem Verkauf kein Geld mehr in das Team stecken wollten, ging es in der Saison 2015 sportlich immer weiter bergab.

Die finanzielle Situation wurde irgendwann so dramatisch, dass nicht einmal mehr Lieferanten und Logistikpartner bezahlt werden konnten. Die Teammitglieder durften wegen nicht beglichener Rechnungen teilweise nicht in die Pavillons an der Strecke einziehen. Zudem wurde das Material regelmäßig erst mit Verzögerung geliefert. Erst als Renault im November die Kaufabsicht offiziell verkündete, entspannte sich die Lage bei den Mitarbeitern. Die letzte Saison unter dem Namen Lotus war da nicht mehr zu retten. Am Ende sprang nur Platz 7 in der Teamwertung heraus. Immerhin schaffte es Grosjean in Spa-Francorchamps noch einmal aufs Podium.

Zum Jahreswechsel wurde der Verkauf des Teams dann offiziell gemacht. Enstone wurde wieder zum Renault-Werksteam. Lotus verschwand von der Bildfläche.

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