Alonso - Buemi - Nakajima - Toyota - 24h-Rennen Le Mans 2019 Motorsport Images

24h-Rennen Le Mans 2019 (Ergebnis)

Alonso-Toyota siegt glücklich - Ferrari bei GT vorn

Drama in der letzten Stunde: Zwei Reifenschäden in zwei Runden kosten dem 7er Toyota den Sieg. Fernando Alonso, Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima stauben ab. In der LMGTE Pro gewinnt Ferrari vor Porsche.

Es schien, als habe Le Mans seine Unberechenbarkeit verloren. Über 23 Stunden plätscherte das Langstreckenrennen an der Sarthe vor sich hin. Ohne echte Spannung um den Gesamtsieg. Das einstige Biest wirkte wie ein zahnloser Tiger. Doch dann machte Le Mans seinem Namen einmal mehr alle Ehre. Und Toyota war wieder einmal mittendrin.

Der Traum von Jose Maria Lopez, Kamui Kobayashi und Mike Conway vom ersten Gesamtsieg zerplatzte innerhalb weniger Minuten. Das Trio beklagte zwei Reifenschäden in den Runden 366 und 367. Erst vorne rechts, dann hinten links. Wie Toyota später klarstellte, gab es nur einen Plattfuß hinten links. Doch ein defekter Sensor führte die Ingenieure zunächst in die Irre. Die Daten sprachen von einem Druckverlust im rechten Vorderreifen, was allerdings nicht stimmte. Zwei Stopps warfen das 7er Auto zurück. Ein Vorsprung von über zwei Minuten verwandelte sich in einen Rückstand von einer Minute. Fernando Alonso, Kazuki Nakajima und Sebastien Buemi staubten ab und errangen den zweiten Le Mans-Erfolg in Serie.

Toyota dominierte von A bis Z. In der Qualifikation ein bisschen weniger als im Rennen. Im Prinzip fahren die Japaner konkurrenzlos seit erst Audi und später Porsche die große Langstreckenbühne verlassen haben. Die Bemühungen von SMP Racing, Rebellion, Bykolles und Dragonspeed müssen hochgeschätzt werden. Doch gegen ein Werk wie Toyota, das sich jährlich mit VW um den Titel der meistverkauften Autos streitet, sind sie chancenlos. Das Überschallflugzeug Concorde wurde ja auch nicht an einer Propellermaschine gemessen.

Die Fans bekamen auch keinen echten teaminternen Zweikampf zu sehen. Es gab nur ein echtes Überholmanöver zwischen den Toyota. Eine Stunde vor Schluss war der 7er Toyota mit Lopez am Steuer machtlos. Ansonsten leisteten sie sich gegenseitigen Geleitschutz.

Toyota TS050 Hybrid - Startnummer #8 - 24h-Rennen Le Mans - Sonntag - 16.06.2019
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Nakajima kreuzt im TS050 mit der Startnummer 8 als erster Fahrer den Zielstrich nach 24 Stunden.

7er Toyota überlegen, aber mit Pech

Es stellte sich vor dem Rennen nur die Frage, welcher der beiden Toyota die 87. Ausgabe des 24-Stunden-Rennens von Le Mans gewinnen würde. Das Schicksal verweigerte Kobayashi, Conway und Lopez, die in der Qualifikation schneller waren als das Schwesterauto, den Sieg. Die Titelverteidiger Alonso, Buemi und Nakajima blieben über weite Strecken blass – und wurden schlussendlich von der Glücksfee geküsst.

Die Überlegenheit des 7er Toyota zeichnete sich bereits im ersten Stint ab. Startfahrer Conway nahm Buemi auf der ersten Runde über drei Sekunden ab. Im vierten Umlauf fuhr der Brite einen neuen Streckenrekord in 3:17.297 Minuten. Bis zum ersten Tankstopp hatte Conway das Schwesterauto bereits um 15 Sekunden abgehängt. Nach zwei Rennstunden wuchs die Lücke auf über 40 Sekunden.

Die Entscheidung, auf weniger Anpressdruck zu setzen, zahlte sich aus. Alonso klagte über zu wenig Topspeed. Die 8er Crew traf das Setup nicht so perfekt wie ihre Teamkollegen. Es brauchte ein Safety Car, um die Toyota wieder zusammen zu schieben – und Alonso, Buemi und Nakajima kurzfristig die Führung zu bescheren. Doch in der Nacht drifteten sie wieder auseinander. Dieses Mal nicht wie 2018 zugunsten des 8er Toyota, sondern des 7er Autos. Diesmal brillierte Fernando Alonso nicht in der Dunkelheit von Le Mans.

Le Mans-Sieg und WM-Titel

Bis zur 13. Rennstunde lagen die beiden Toyota innerhalb von acht Sekunden. Dann wuchs der Rückstand des TS050 mit der Startnummer 8 auf über eine Minute. Unter anderem aufgrund eines längeren Boxenstopps. Die Mechaniker tauschten sowohl die vordere als auch die hintere Verkleidung, um das Auto zu trimmen. Es nützte nichts, um auf die Geschwindigkeit der Teamkollegen zu kommen. Conway, Kobayashi und Lopez waren in diesen 24 Stunden das schnellere Trio mit dem besseren Gesamtpaket. Trotz eines Ausrutschers des Argentiniers. In den Abendstunden geriet Lopez in Arnage ins Kiesbett, und befreite sich.

Der 8er Toyota hatte mehr Glück mit den vielen Safety Car- und Gelbphasen. Und sie hatten Glück, das standfestere Auto zu haben. Wobei zwei Reifenschäden nicht dem Team angelastet werden können. Es ist der klassische Fall von Pech. Der Lorbeer wurde ungerecht verteilt. Alonso, Buemi und Nakajima gewannen den WM-Titel und das Saisonhighlight mit einem Vorsprung von 16,972 Sekunden. „Dieser Sieg kommt unerwartet“, sagt Alonso. „Wir hatten nicht die Geschwindigkeit in den 24 Stunden. Wir hatten es nicht verdient. Aber Glück ist in diesem Rennen ein großer Faktor.“ Kobayashi meinte enttäucht: „Heute mag ich Le Mans nicht.“

Rennergebnis - 24h-Rennen Le Mans 2019
ams
Das Rennergebnis des 24h-Rennens Le Mans 2019.

SMP steigt aufs Podest

Die LMP1-Privatiers, die sich im Qualifying auf sechs Zehntel genähert hatten, wurden im Rennen erwartungsgemäß abgehängt. Toyota hat das bessere Auto, die besseren Fahrer, die besseren Strategen, die besseren Simulations-Tools, die besseren Werkzeuge – das deutlich höhere Budget.

SMP Racing und Rebellion stritten sich um den dritten Platz. Mit dem besseren Ende für die Russen. Bykolles und Dragonspeed hingegen waren für die schnelleren der privaten LMP1-Teams keine Bedrohung. Beiden fielen noch in der ersten Rennhälfte aus. Rebellion stand sich selbst im Weg. Der R13 mit seinem gegenüber dem Vorjahr um rund 30 PS erstarkten Gibson-V8 war einen Tick schneller als der BR1 mit 2,4-Liter-Turbo. Doch zu viele Fehler warfen Rebellion vom Podest.

Das Auto mit der Startnummer 3 von Thomas Laurent, Nathanael Berthon und Gustavo Menezes warfen ein Unfall, eine Zeitstrafe und eine kurze Technikpanne zurück. Nach rund sechs Fahrstunden knallte Laurent vor der zweiten Schikane in die Leitplanke und zerstörte die Frontpartie seines Autos. Den fälligen Reparaturstopp wickelte die Rebellion-Mannschaft in 3:38 Minuten ab. Ein gewöhnlicher Boxenstopp dauert bei den Privatiers rund 1:10 Minuten.

In den frühen Morgenstunden packte das Team die falschen Reifen drauf und wurde von der Rennleitung zu einer dreiminütigen Zeitstrafe verdonnert. Im letzten Rennviertel schlich der 3er Rebellion für den Moment langsam um die Strecke. Das Schwesterauto mit der Startnummer 1 kreiselte in der Frühphase in Tertre Rouge. Bruno Senna hatte die Kontrolle über seinen Prototyp verloren. Dazu quälten sich Senna, Neel Jani und Andre Lotterer mit problembehafteten Dämpfern herum.

SMP freute sich über den verbliebenen Podestplatz und beklagte einen Unfall. Stoffel Vandoorne, Mikhail Aleshin und Vitaly Petrov fielen wenig auf, machten allerdings auch wenig falsch. Im Ziel lagen sie sechs Runden hinter Toyota. Für das Schwesterauto war kurz nach Mitternacht Feierabend. Egor Orudzhev bohrte seinen BR1 in den Porsche-Kurven in die Leitplanken.

Ferrari 488 GTE Evo - Startnummer #51 - 24h-Rennen Le Mans - Sonntag - 16.06.2019
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Ferrari setzte sich in der LMGTE Pro durch.

Auspuff kostet Porsche den GT-Sieg

In der LMGTE Pro waren Ferrari, Porsche und Chevrolet mit der Fahrzeugeinstufung BoP (Balance of Performance) einverstanden. Ford, Aston Martin und BMW fühlten sich verschaukelt. Das BMW-Drama ist schnell abgehakt. Die Münchner waren zeitweise um zwei Sekunden pro Runde zu langsam, was mit keiner BoP der Welt zu erklären ist. Zudem kämpfte BMW mit technischen Problemen. Man wurde Klassenletzter.

Aston Martin geigte von der Klassen-Pole-Position nur in den ersten drei Runden auf. Dann fielen die Briten zurück. In der Nacht crashten sowohl der 95er als auch der 97er Vantage AMR. Aber auch mit einem sauberen Rennen wäre Aston Martin chancenlos gewesen. Ford verlor mehrmals den Kontakt zur Spitze, profitierte in der ersten Rennhälfte aber häufig von Unterbrechungen. Dann schlossen die GT wieder auf. Doch bei grüner Flagge waren Chevrolet, Porsche und Ferrari nicht zu halten.

Die Entscheidung in der LMGTE Pro fiel drei Rennstunden vor Ende für den Ferrari 488 Evo mit der Startnummer 51. Erst verunfallte Jan Magnussen in seiner C7.R in den Porsche-Kurven. Dann trennte ein Safety Car den Ferrari von Alessandro Pier Guidi, James Calado und Daniel Serra von den beiden verbliebenen siegfähigen Porsche 911 RSR. Ferrari triumphierte, Porsche durfte sich mit zwei Podestplätzen trösten. Es hätte mehr sein können. Doch die Nacht meinte es nicht gut mit den Weissachern. Gerade hatten sich Michael Christensen, Kevin Estre und Laurens Vanthoor von Ferrari freigeschwommen, da zerstörte ein Loch im Auspuff alle Hoffnungen. Ein 20-minütiger Reparaturstopp ruinierte dem Trio das Rennen.

In der LMP2-Klasse siegte Signatech Alpine Matmut (Startnummer 36). In der LMGTE AM gewann Keating Motorsports (Startnummer 85).

24h-Rennen Le Mans 2019: Das Langstreckenrennen in Bildern

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