Aston Martin Valkyrie Hypercar - Le Mans Aston Martin

Neues WEC-Reglement ab September 2020

Aston Martin fordert Toyota heraus

ACO und FIA haben einen neuen Hersteller für die Topklasse der Sportwagen-Weltmeisterschaft gefunden. Aston Martin steigt ein. Die Briten kommen mithilfe von Red Bull. Das Einsatzauto basiert auf dem Hypercar Valkyrie. Toyota hingegen baut einen neuen Prototyp.

Am Wochenende steigt das Superfinale der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Es ist gleichzeitig die 87. Ausgabe des 24-Stunden-Rennens von Le Mans. Tatsächlich aber steckt im Superfinale der Saison 2018/2019 nicht viel drin, obwohl 62 Autos am Start stehen.

Zum zweiten Mal in Folge steht der Sieger eigentlich schon vor dem Rennstart fest. Toyota wird in Le Mans wie im Vorjahr ein Rennen gegen sich selbst fahren. Die Privatiers in der LMP1-Topklasse mögen näher herangerückt sein, doch schlagen kann sich der Automobilgigant nur selbst. Mit einem Unfall. Mit technischen Defekten.

Aston Martin kommt mit Valkyrie

Um die Langeweile in absehbarer Zukunft zu beenden, wurde im Hintergrund in den letzten Monaten an einem neuen Reglement gefeilt, das ab September 2020 greift. Mit dem Ziel, zumindest einen zweiten Hersteller anzulocken. Der WM-Ausrichter ACO und der Automobilweltverband FIA vermeldeten am Freitag (14.06.2019) einen Erfolg. Aston Martin hat angebissen und wird ab der Saison 2020/2021 mindestens zwei Werksautos einsetzen.

Der britische Traditionshersteller wird auf Basis seines Hypercars Valkyrie einen Rennwagen zusammen mit Red Bull entwickeln. Für das Design wird Red Bull-Technikguru Adrian Newey zuständig sein. Den Bau des Fahrzeugs übernimmt die Firma Multimatic. Als Einsatzteams werden Multimatic und eventuell das Schweizer Team R-Motorsport gehandelt, das in der DTM seit dieser Saison die Vantage betreut. Angeblich wird das neue LMP1-Projekt über dieselbe Schweizer Quelle finanziert. Toyota hat dem ACO ebenfalls zugesagt. Die Japaner bleiben Le Mans treu. Toyota wird in der nächsten Saison mit dem TS050 Hybrid weiterfahren, und dann für den Zweikampf mit Aston Martin einen neuen Prototyp entwickeln.

Hypercar gegen Prototyp

Womit wir bei der Reglementsfrage wären. Die Topklasse der Sportwagen-Weltmeisterschaft bilden zukünftig Prototypen und Hypercars. Um es zu vereinfachen: Es werden dann reinrassige Rennwagen gegen Rennwagen fahren, die aus Straßenautos abgeleitet sind. Ein Hypercar ist zwar extrem schnell, aber eben prinzipiell für die Straße gebaut. Und diese beiden höchst unterschiedlichen Fahrzeuggattungen müssen dann über das Regelwerk so austariert werden, dass beide Hersteller bestmöglich gewinnen können. Ansonsten droht schnell Ungemach.

Im Straßen-Valkyrie ist ein Hybridsystem vorgesehen, mit einem Elektromotor von Rimac. Der Valkyrie-Rennwagen soll dagegen komplett ohne Hybrid in den Wettbewerb geschickt werden. Als Motor dient ein 6,5 Liter großer V12-Sauger, der von Cosworth entwickelt wird. Toyota wird einen Prototyp mit Verbrennungsmotor und Hybridsystem bauen. Die Energierückgewinnung darf im Gegensatz zum aktuellen Reglement einzig über die Vorderachse erfolgen, und der Elektromotor nur die Vorderräder boosten. Das erste Rollout des Straßen-Hypercar Valkyrie war übrigens für diese Woche geplant, wurde aber wegen Problemen auf der Zulieferseite verschoben.

Toyota GR Super Sport Concept - Tokyo Auto Salon 2018
Toyota
Toyotas neuer Prototyp soll ähnlich aussehen wie das GR Super Sport Concept.

Aston Martin und Red Bull hatten daher die Sorge, dass Toyota einen Vorteil beim Herausbeschleunigen aus den langsamen Ecken sowie bei Regen haben würde. Bei der letzten Verhandlungsrunde wurde festgelegt, dass Toyota seine Hybridleistung bei trockenen Bedingungen erst ab einer Geschwindigkeit von über 120 km/h abrufen darf, bei Regen sogar erst zwischen 140 km/h und 160 km/h. Es ist der Versuch, die beiden unterschiedlichen Konzepte unter einen Hut zu bringen. „Die Regeln für den Allrad waren eine schwere Geburt“, sagt ein Toyota-Vertreter.

Auf der Pressekonferenz vor dem diesjährigen 24h-Rennen Le Mans hat der ACO das Reglement weiter skizziert. Die neue Topklasse wird bei einer Systemleistung um 1.000 PS liegen – also so wie bislang. Der Verbrennungsmotor, dessen Layout frei bestimmbar ist, darf rund 750 PS leisten, das Hybridsystem maximal 270 PS zusteuern. Das Gewicht der Fahrzeuge wird bei 1.100 Kilogramm liegen. Zum Vergleich: Der aktuelle Toyota TS050 Hybrid wiegt 888 Kilogramm. Das Mehrgewicht drückt auf die Rundenzeit. Der ACO peilt in Le Mans Werte von 3:30 Minuten an – 15 Sekunden langsamer als derzeit. Mit 3:30er Rundenzeiten wäre die neue Topklasse „Le Mans Prototype Hypercar“ langsamer als die aktuellen LMP2. Deshalb werden die Regelhüter auch in der zweitschnellsten Klasse Anpassungen vornehmen müssen.

Toyotas neuer Prototyp soll äußerlich Ähnlichkeiten aufweisen zur Studie Toyota GR Super Sport Concept, die man in Le Mans 2018 präsentiert hatte. Damit hat der Rennwagen ein Markengesicht, das dem TS050 Hybrid heute fehlt. Beim Hybridsystem muss Toyota abrüsten. Die Komplexität des Rennwagens wird verringert, ergo sinken die Kosten. Die Zeiten sollen vorbei sein, in denen ein Hersteller für den Le Mans-Sieg ein dreistelliges Millionen-Budget verbrannte.

Das nächste neue Reglement

Erinnern wir uns zurück, um das neue Reglement in einen Gesamtkontext zu bringen. Nach dem Ausstieg von Porsche (Ende 2017) suchten ACO und FIA fieberhaft nach einem neuen Regelwerk, das die Topklasse der Sportwagen-WM wieder attraktiv machen würde für Hersteller. Weil die im Gegensatz zu Privatteams das Geld in die Rennserie tragen. Und sich große Namen besser vermarkten lassen.

2018 wurde ein Reglement vorgestellt, das auf Prototypen basiert. Allerdings sollten die Autos nach Hypercars aussehen. Dafür sollte die Karosserie über dem Chassis so geformt werden, dass die Autos einen größeren Wiedererkennungswert haben. Angedacht war eine Kombination aus Verbrennungsmotor mit 700 PS und Elektromotor mit 271 PS. Beim Hybridsystem sollte von 8 auf 5 Megajoule abgerüstet werden. Die Kosten für ein Zwei-Auto-Team sollten zwischen 25 und 30 Millionen betragen.

Der Vorschlag lag kaum auf dem Tisch, da war er schon wieder weg. Es biss kein Hersteller an. Deshalb mussten ACO und FIA ein neues Regelwerk erdenken. Das neue Konstrukt sorgt für Vielfalt, allerdings auch für Chaos, das geordnet werden muss. Theoretisch sind Prototypen mit und ohne Hybridsystem erlaubt sowie Hypercars mit und ohne. Dafür braucht es eine entsprechend komplizierte Balance of Performance. Ein Fragezeichen steht hinter der Sicherheit. Die FIA hat in den letzten Jahren die Cockpitsicherheit vorangetrieben, Crashstrukturen erweitert, die Sitzposition des Fahrers angepasst. Damit ein Hypercar diese Standards erfüllen kann, muss es theoretisch stark umgebaut werden.

Was passiert mit der LMGTE?

Das Reglement soll auf fünf Jahre festgeschrieben sein. Vor Beginn der Saison 2020/2021 werden die Autos homologiert. Es soll den Herstellern erlaubt sein, innerhalb der fünf Jahre einmal ein komplett neues Auto zu konstruieren. Falls man beim ersten Entwurf verwachst hat. Eine finale Entscheidung diesbezüglich steht noch aus. Die Kosten werden trotzdem runtergehen, allerdings über 30 Millionen Euro liegen. „Wenn Hersteller sich duellieren, dreht sich die Spirale zwangsläufig nach oben“, sagt man bei Toyota. Doch all das ist kein Vergleich zu den aktuellen Budgets eines Werksteams. Allein durch das gestiegene Gewicht der Autos können die Teams sparen. Weil die Hersteller nicht mehr gezwungen sein werden, auf jedes Gramm bei der Teileproduktion zu achten. „Unser Ziel bleibt es trotzdem, unter 1.100 Kilo zu landen, um dann Ballastgewichte platzieren zu können“, sagt Toyota.

Die geringeren Budgets und die Vielfalt der Konzepte dürfte weiteren Herstellern die neue Topklasse schmackhaft machen – und vermögenden Privaten. Kandidaten wie Koenigsegg und Glickenhaus werden gehandelt, Kandidaten wie McLaren, Mazda und sogar Porsche nicht ausgeschlossen. „Viele Hersteller zeigen großes Interesse“, heißt es beim ACO.

Die Neuordnung der LMP1 könnte den Untergang der GTE-Klasse beschleunigen. Der Abschied von BMW und Ford steht bereits fest. Damit verschwinden zwei der sechs Hersteller. Die Budgets in der LMGTE Pro liegen aktuell zwischen 15 und 30 Millionen Euro pro Saison. Legt man da etwas drauf, könnte man in der Topklasse mitfahren. Warum also noch ein GT-Programm betreiben?

Sie sehen: Die Macher der Sportwagen-WM haben noch Arbeit vor sich, um die Rennserie zu sortieren und tatsächlich nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. Fest steht: Die kommende Saison, die am 1. September in Silverstone beginnt und am 14. Juni 2020 in Le Mans endet, wird abermals zäh. Toyota wird mit dem TS050 aller Voraussicht nach weiterhin vorneweg preschen. Ein neues System, das von Toyota selbst vorgeschlagen wurde, soll die Rennen jedoch spannender machen. Abhängig vom Erfolg sollen von Rennen zu Rennen Fahrzeuganpassungen vorgenommen werden.

Die Regelhüter könnten dem Sieger zum Beispiel mehr Gewicht auftürmen, weniger Reichweite im Rennen zugestehen oder die Durchflussmenge begrenzen. Es wäre eine Erweiterung der aktuellen Balance of Performance. Doch kann man einen Hybrid-Bomber mit allerlei Fahrwerkstricks wie den hydraulisch vernetzten Dämpfern (FRIC) tatsächlich so schwächen, das konventionelle Rennwagen dagegenhalten können?

Aston Martin Valkyrie: Neweys Spielzeug

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