Dakar Blog: Tag 2

Ein Fahrer, den der Hafer sticht

Robby Gordon Foto: Bodo Kräling 119 Bilder

Auch auto motor und sport ist bei der Rallye Dakar 2011 live dabei. Reporter Claus Mühlberger versorgt Sie in seinem Blog täglich mit den heißesten Geschichten aus dem Biwak. Tag 2: Hummer-Pilot Robby Gordon sorgt für Gesprächsstoff.

Vor dem Vergnügen steht oft die Pflicht. Das ist beim Eiskunstlauf so und bei der Dakar-Rallye verhält es sich nicht anders. In den Gründerjahren der Rallye, in den Achtzigern, mussten die Teilnehmer vom Start in Paris mehr als 1.000 Kilometer durch das winterliche Frankreich juckeln. Die Motorradfahrer froren sich oft beinahe den Allerwertesten ab, bevor ihre Rallyegeräte aufs Fährschiff gingen und dann in milder klimatisierten Ländern wie Marokko, Tunesien oder Libyen die ersten Sonderprüfungskilometer auf dem Programm standen.

Luxus-Biwak in der Pampa

Im Unterschied zu Europa ist es im Januar in Argentinien schön warm. Frieren muss also keiner der Teilnehmer auf den elend langen Verbindungsetappen in Richtung Norden, dort wo sich die Action abspielt. Aber langweilig ist die Fahrt auf den meist bolzengeraden Straßen durch die Pampa allemal.

Dafür entschädigte das erste Biwak nahe der Stadt Victoria in der Provinz Entre Rios, 350 Kilometer nordwestlich von Buenos Aires. Das in bester Aussichtslage errichtete Camp dient im zivilen Leben als Freizeitpark - Swimming Pools, Driving-Range und allerlei Pipapo inklusive. Mit seinen schweizerisch-sauberen Duschen und den tadellosen weißen Tischdecken im Reetdach-Restaurant erinnerte das Biwak eher an einen luxuriösen Club Méditerranée oder an eine DTM-Hospitality als an ein traditionelles Dakar-Biwak, wo es von jeher eher rustikal zugeht.

Robby Gordon als Stuntpilot

Den meisten Fahrern war dies aber ziemlich wurscht. Denn jetzt hieß es: Nur noch einmal schlafen, dann geht es endlich los. Die meisten sind bereits seit gut einer Woche in Argentinien. Sie verbrachten viele Stunden mit quälend lästigen Pflichten wie Papierabnahme, Sponsorenterminen, Autogrammstunden und ähnlichen Verrichtungen, die Motorsport-Profis ungefähr so gerne haben wie Kopfweh. Die vielen Repräsentationspflichten können einen Rennfahrer ganz schön schlauchen. Und da kommt der eine oder andere dann schon mal auf dumme Gedanken.

Den Vogel schoss diesmal Robby Gordon ab, als er seinen Hummer auf der Verbindungsetappe mitten auf einer Stadtautobahn in Buenos Aires auf Standgas stellte. Seinen Beifahrer Kellon Walsh verdonnerte er dazu, das Lenkrad schön geradeaus zu halten. Dann kraxelte der Amerikaner bei Tempo 60 aus dem Fenster - der Hummer-Prototyp hat keine Türen - und machte es sich auf dem Dach bequem. Nach diesem Stunt waren die ohnehin schon extrem begeisterten Fans jetzt komplett aus dem Häuschen.

US-Boy auch nachts aktiv

Auch an Sylvester war Stimmungskanone Robby Gordon dort zu finden, wo sich pralle Leben abspielt. Während sich mancher Werksfahrer von Volkswagen schon kurz nach 22 Uhr vom Dinner abseilte ("Ich bin so furchtbar müde"), pflegte Gordon eine Rennfahrer-Tradition, von der viele dachten, sie sei schon vor vielen Jahren zu Grabe getragen worden, spätestens seit der Formel 1-Playboy James Hunt an einen Herzinfarkt starb.

Nachts um zwei zog Gordon vom Hilton-Hotel aus ab in Richtung Nachtleben, in Begleitung von zwei sehr kurzberockten, brünetten Schönheiten. Die Zyniker unter den Augenzeugen vermuteten, dass es sich bei den Beautys um seine Spanisch-Lehrerin und seine Pilates-Trainerin handelte. Falsch geraten. Die Recherche ergab Profaneres: In Wahrheit kümmerten sich beiden im Biwak von Cordoba um den Fanartikelverkauf des Teams.

Übelkeit im Hummer

Auch auf der ersten Sonderprüfung lieferte der - im positiven Sinn - irre Amerikaner eine bemerkenswerte Geschichte. "Wie mein Tag heute so war?", fragte Gordon im Ziel rhetorisch. "Ha, das ist eine lange Geschichte." Er berichtete von Kühlungsproblemen und allerhand anderem Zores. "Und dann wurde meinem Beifahrer Kennon Walsh schlecht."

"Ja, hast du dann angehalten?", fragt der Reporter interessiert. "Klar, was sonst", antwortete Gordon. "Wir mussten ja die Helme tauschen." Das am Helm montierte Mikrophon der Gegensprechanlage hatte nämlich nach dem Elendsanfall des armen Walsh Schaden genommen. Und damit gebe ich zurück ins Funkhaus. Mahlzeit! Das original argentinische Steak im Biwak von Cordoba ruft!

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