Das Le Mans-Comeback von Porsche

107 Leute und sechs Motoren

Porsche 919 Hybrid - LMP1 - WEC/Le Mans 2014 Foto: Porsche 120 Bilder

Porsche ist das erfolgreichste Team in Le Mans. Doch diesmal gehen die Schwaben nicht als Favorit in die Langstrecken-Schlacht an der Sarthe. Trotzdem lässt Porsche nichts unversucht. Der Rekordsieger kommt mit 107 Leuten, sechs Motoren und jeder Menge Ersatzteile nach Le Mans.

Am 12.Juni 2013 hatte der Porsche 919 Hybrid seinen ersten Auftritt auf der Rennstrecke. Ein Jahr später stehen die zwei Autos in der ersten und zweiten Startreihe. Trotzdem schrauben die Verantwortlichen das Ziel herunter. "Wir wollen ankommen", sagt LMP1-Chef Fritz Enzinger.

Das Le Mans-Abenteuer begann Ende 2011. Da war noch nichts da. Keine Mannschaft, keine Fabrik, keine Autos. Inzwischen arbeiten 230 Mitarbeiter für das Le Mans-Unternehmen, davon 145 Ingenieure. Sie haben sich an eine Titanenaufgabe gewagt. Ein neues Auto, ein neuer Motor, ein neues Konzept vom weißen Blatt Papier. Und das alles in kürzester Zeit.

Noch nie 24 Stunden am Stück mit dem Porsche 919 Hybrid

Doch nach dem dritten Platz in Silverstone und der Pole Position in Spa sind die Ansprüche gestiegen. In Expertenkreisen wurde Porsche sogar als Geheimfavorit gehandelt. "Der Speed stimmt", sagt Enzinger. "Aber wird brauchen auch die Zuverlässigkeit."

Bis jetzt ist Porsche mit seinem 919 Hybrid noch nie 24 Stunden am Stück gefahren. Beim letzten Härtetest in Aragon haben die Autos 30 Stunden zurückgelegt. Aber in drei Portionen. Und noch nicht mit allen Komponenten in den Baustufen, die jetzt in Le Mans im Einsatz sind. Nach dem Vortraining in Le Mans hatte Porsche sogar noch einmal den kleinen Bugatti-Kurs gemietet, um die neuen Teile einzufahren.

Nichts wurde dem Zufall überlassen, und doch kann er nicht ausgeschlossen werden. "Die Technik ist so komplex, dass entsprechend viele Komponenten kaputtgehen können. Die großen Sachen haben wir aussortiert. Es ist ein Mal passiert und dann nie wieder. Mir machen mehr die Kleinigkeiten Angst. Im freien Training hatten wir ein Hydraulikleck. Die Reparatur hat eine halbe Stunde gedauert, weil dabei der Unterboden runter muss. Im Rennen kannst du dir so etwas nicht erlauben", verrät der Chef der Operation.

850 PS aus drei Motoren

Porsche schlug mit 107 Leuten, zwei Chassis, einem Ersatz-Kit, sechs Motoren, je fünf Kraftübertragungen für die Vorder- und Hinterachse, jeweils sechs Flügel für vorne und hinten und 100 Funkgeräten für die Kommunikation in Le Mans auf. In der Mission Control im Dunkel der Garage sitzt eine Heerschar von Ingenieuren vor 66 Bildschirmen, um das Wunderwerk an Technik zu überwachen.

Der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo gibt rund 450 PS ab, die beiden Elektromaschinen steuern weitere 400 PS bei. Und das praktisch die ganze Zeit. Weil die Energie in einer Lithium-Ionen Batterie der Firma A123 gespeichert und nicht wie bei Toyota nur kurzfristig in Superkondensatoren zwischengelagert wird. Pro Runde werden 1,67 Kilowattstunden Strom und 4,79 Liter Benzin verbraucht.

Es ist der zweite Aufguss des V4. Der erste hat so stark vibriert, dass die Fahrer kaum die Straße sehen konnten. Er hätte nie ein 24-Stunden-Rennen überstanden. Eine neue Kurbelwelle und andere Zündreihenfolge hat Abhilfe geschafft. Als der neue Motor bei dem Test in Portimao kurz vor Weihnachten 2013 zum ersten Mal im Auto lief, haben sich alle durch Handauflegen überzeugt, dass er rund wie ein Serienmotor schnurrte.

Sechs Fahrer mit 37 Le Mans-Starts

Die sechs Fahrer bringen die Erfahrung von 37 Le Mans-Starts mit. Sie wurden mit Bedacht ausgewählt. Mit Timo Bernhard und Romain Dumas hatte man zwei alte Hasen für die frühe Testphase zur Hand. Sie waren gesetzt.

Dann kam Neel Jani, der wahrscheinlich Schnellste in dem Sextett. Enzinger verrät, wie er auf den 30 Jahre alten Schweizer gekommen ist. "Wir haben uns Daten aus allen Rennserien besorgt, in denen er gefahren ist. Und sie dann mit seinen Teamkollegen verglichen. Und zwar bis ins kleinste Detail. Also wie viel Tankinhalt, welche Reifen, welche Bedingungen. Besonders seine Zeit bei Rebellion war für uns interessant."

Mark Webber hatte Enzinger einmal gesagt, dass er zum Ende seiner Karriere gerne dorthin zurückkehren wolle, wo er herkam. Mit Webber hat Porsche einen Elder Statesman im Team. Der Australier ist der ruhende Pole und kümmert sich um die jungen Löwen.  Zum Beispiel Brendon Hartley, der bei einem Test überzeugte und wichtige Simulator-Erfahrung vom Mercedes-Formel 1-Team mitbringt. Marc Lieb qualifizierte sich mit seinem Speed und seinem technischen Verständnis. Der 33-Jährige aus Ludwigsburg ist gelernter KFZ-Meister.

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