Ecclestone

"Kein Platz für Formel 1" - Abschied in Magny-Cours

 Die Formel 1 sagt Magny-Cours für immer "Adieu". Motorsport-Mogul Bernie Ecclestone hat ein Machtwort gesprochen und das Rennen in der französischen Provinz aus dem WM- Kalender gestrichen.

 Das Bedauern über den endgültigen Abschied vom "Circuit de Nevers" nach 17 Jahren hält sich bei den Teamchefs in Grenzen. "Wir müssen dort fahren, wo die kommerziellen Rechtehalter es für sinnvoll halten", sagte John Howett von Toyota emotionslos. Die Fahrer hegen etwas mehr Sympathien für den Retortenkurs. "Hier ist es herrlich ruhig. Es ist schön, dass man mal relaxen kann. Ich bedaure, dass wir hier nicht mehr fahren", sagte Ralf Schumacher.

Mangelnde Infrastruktur, lange Anfahrtswege, zu viele einfache Hotels und die ungünstige Anbindung an Flughäfen - Paris und Lyon liegen etwa 270 Kilometer entfernt, Nevers verfügt nur über einen kleinen regionalen Airport - haben letztendlich für das Aus gesorgt. Der verwöhnte Grand-Prix-Zirkus ist Komfort gewöhnt. Magny-Cours war 1991 nur deshalb für das nicht mehr zeitgemäße Le Castellet in den Kalender gerückt, weil der damalige, aus der Region stammende Premierminister und frühere Bürgermeister von Nevers, Pierre Bérégovoye, eine moderne Piste in die Pampa planieren ließ. Die Formel 1 sollte der wirtschaftsschwachen Gegend zum Aufschwung verhelfen.

Solche Beweggründe interessieren den primär an maximaler Profitsteigerung und einem reibungslosen Ablauf interessierten Ecclestone nicht. Der Brite kam nicht mal vorbei, um persönlich "Au revoir" zu sagen. Er gehe nicht gerne zu Begräbnissen, ließ der für seinen Zynismus bekannte Formel-1-Boss verlauten.

Bei Jean Todt schwang dagegen etwas Wehmut mit, weil er hier vor 14 Jahren sein Amt als Ferrari-Teamchef angetreten hatte. "Aber man muss die sentimentalen Gründe weglassen", sagte der Franzose. "Formel 1 ist business. Wichtig ist, dass Frankreich auch künftig einen Grand Prix hat." Zumindest nächstes Jahr muss die Grande Nation in der "Königsklasse" eine Zwangspause einlegen. Zum einen gibt es keine alternative Rennkurs und das ins Spiel gebrachte Paris könnte frühestens 2009 eine Grand Prix taugliche Strecke präsentieren. Zum anderen sollen Imola, Valencia und Singapur wieder bzw. neu in den Kalender rücken, so dass Ecclestone dringend Platz benötigt.

Renault-Teamchef Flavio Briatore unterstützte Todts Plädoyer. "Frankreich ist eines der wichtigen europäischen Länder und für Renault ist es wichtig, hier ein Rennen zu haben. Die Infrastruktur ist uns dabei egal. Ob Magny-Cours oder Paris spielt keine Rolle", sagte er. Howett betonte, dass es für Toyota aus Marketinggründen wichtig wäre, weiterhin in Frankreich zu fahren.

Die Fahrer verteidigten den "Circuit de Nevers" mehr wegen der Streckencharakteristik. "Die Piste hat eine glatte Oberfläche, was gut für unseren Rücken ist", strich Giancarlo Fisichella Vorteile heraus. Für Nick Heidfeld ist wichtig, wo stattdessen gefahren wird. "Sollten wir nach Paul Ricard wechseln, würde ich lieber hier bleiben", sagte der BMW-Pilot aus Mönchengladbach. Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso wies auf den Widerspruch hin, dass Magny- Cours gestrichen werde, weil es im Niemandsland liege, andererseits aber 14 Stunden Flug nach Singapur in Kauf genommen würden: "Ich weiß nicht, was da besser ist."

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