Fahrerkarussel

Keine Entscheidung bei Alonso - McLaren mit Notlösung

Foto: dpa

Fernando Alonso hat bei seiner Suche nach einem Cockpit ein weiteres Team besucht. Der Spanier tauchte diese Woche bei Honda in Brackley auf und soll sogar eine Sitzprobe gemacht haben.

Der frühere Teamchef Nick Fry, der seit der Verpflichtung von Ross Brawn zum Marketingchef degradiert wurde, wurde schon im September vom Honda-Vorstand damit beauftragt, mit Alonso Kontakt aufzunehmen.

Undichte Stelle Nick Fry?

Möglicherweise ist auch das die undichte Stelle, die Alonsos Visite in Brackley an die Öffentlichkeit dringen ließ. Es wäre nicht das erste Mal. Auch die Indiskretion mit der Verpflichtung von Brawn ging von Fry aus.

Keiner will Alsono parken

Alonso sucht ein Team, das ihm eine zweistellige Millionensumme zahlt und ihn bei enttäuschenden Resultaten 2009 wieder freigibt. Das war schon bei seinen Gesprächen mit Renault, Toyota und Red Bull das größte Hindernis. Keines der genannten Teams will den zweifachen Ex-Weltmeister eine Saison lang parken, damit der sich dann 2009 etwas besseres suchen kann. Bei Red Bull gäbe es darüberhinaus noch Probleme, David Coulthard oder Mark Webber aus ihren Verträgen auszulösen. Honda hätte es da mit Rubens Barrichello leichter. Der Brasilianer ist bei Honda angestellt ohne, dass sein Einsatzort genau definiert wäre. Man könnte ihn offenbar gegen eine Ausgleichzahlung zum Satellitenteam SuperAguri abschieben. Es muss jedoch bezweifelt werden, ob Ross Brawn an einer kurzfristigen Verpflichtung von Alonso interessiert ist. Der frühere Ferrari-Technikdirektor sieht den Wiederaufbau von Honda als langfristige Aufgabe, und da wäre ein Superstar wie Alonso, der sich nach einem Jahr wieder verabschiedet eher kontraproduktiv.

McLaren: Keine Chance für Ralf Schumacher

Fry, der ausschließlich Marketingziele im Kopf hat, könnte sich damit schon eher anfreunden. Genauso offen wie die Zukunft von Alonso ist auch die Besetzung des zweiten McLaren-Cockpits. Wunschkandidat Nico Rosberg sitzt bei seinem Rennstall fest im Sattel. "Nico ist ein Williams-Pilot", versichert Technikchef Sam Michael. So sieht es offenbar auch der Fahrer selbst. Er soll Teamchef Frank Williams die Treue geschworen haben. Ralf Schumachers und Heikki Kovalainens Chancen auf ein Cockpit bei McLaren-Mercedes sind praktisch gleich null. Gegen Ralf Schumacher sprechen auch politische Gründe. Schumacher war bei McLaren immer ein Reizthema. Man will sich ersparen, das Hamilton-Alonso Drama noch einmal durchzuspielen. Einer fragt: "Wie reagiert die deutsche Presse, wenn Hamilton schneller ist als Ralf. Schlagen die dann genauso auf uns ein wie die Spanier, die Alonso verteidigt haben?" Kovalainen ist ein Briatore-Pilot und damit aus Sicht von Teamchef Ron Dennis schon einmal gebrandmarkt. Der Finne käme auch nur frei, wenn Alonso zu Renault zurückkehrt. Damit steigen die Chancen von McLaren-Testpilot Pedro de la Rosa, wie schon 2006 den Aushilfsfahrer zu spielen. Der Spanier ersetzte in der zweiten Saisonhälfte 2006 den gefeuerten Juan Pablo Montoya und sammelte insgesamt 19 WM-Punkte für sein Team.

Neben de la Rosa hat McLaren-Mercedes auch noch das Zugriffsrecht auf drei junge Piloten. Gary Paffett, Bruno Spengler und Paul di Resta zählen zum Kader des britisch-deutschen Rennstalls. Paffett hinterließ beim letzten Test in Barcelona trotz einer fast einjährigen Testpause einen guten Eindruck und kam bei vergleichbaren Bedingungen auf Anhieb auf de la Rosas Zeiten. Seit Lewis Hamilton die Welt mit seinem sensationellen Einstand überrascht hat, steht man auch bei McLaren dem Thema junge Fahrer offener gegenüber. Mercedes-Sportchef Norbert Haug bilanziert: "Von Lewis hat auch keiner geglaubt, dass er so einschlagen kann. Viele vergessen, dass er zum Zeitpunkt seiner Unterschrift gerade mal 1.500 Kilometer Formel 1 gefahren war. Warum soll so etwas nicht noch einmal finktionieren? Fahrer wie Vettel und Kubica haben gezeigt, dass die Zeit der junge Generation angebrochen ist."

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