Jordanien

Keine Ehre für Mosley

Foto: dpa

Der wegen eines Sex-Videos unter Druck geratene Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes FIA, Max Mosley, muss bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Affäre mit einem kühlen Empfang rechnen.

König Abdullah II. von Jordanien habe entschieden, den Spitzenfunktionär bei dessen Besuch der Jordanien-Rallye an diesem Wochenende nicht offiziell als Gast zu begrüßen, berichtete die Londoner Tageszeitung "The Times" am Montag. Der FIA-Chef steht wegen angeblicher Nazi-Rollenspiele mit fünf Prostituierten in der Kritik, lehnt einen Rücktritt aber ab.

Rallye statt Formel 1

Bereits beim Großen Preis von Bahrain vor gut zwei Wochen hatte der Kronprinz des Wüstenstaates Mosley gebeten, nicht wie geplant zu dem Formel-1-Rennen zu kommen. Der Brite sagte seine Reise daraufhin ab. Nach Jordanien reist der 68-Jährige auf Einladung von Prinz Feisal, dem Bruder des Königs und Chef des dortigen Motorsportverbands. Auf den Besuch des zeitgleich stattfindenden spanischen Grand Prix in Barcelona verzichtet Mosley.

Der FIA-Präsident hatte sich am Sonntag in einem Interview des "Sunday Telegraph" ausführlich zu dem Skandal geäußert und die Nazi-Vorwürfe als "kalkulierte Lüge" bezeichnet. Er betonte, sein Amt bis zur nächsten Präsidenten-Wahl im Herbst 2009 weiterführen zu wollen. "Meine Absicht ist es, das durchzustehen und zu kämpfen", sagte Mosley. Bei der Wahl 2009 werde er jedoch nicht mehr kandidieren. Vorher werde er aber nur dann abtreten, wenn ihm die Mehrheit der FIA-Mitglieder bei einer außerordentlichen Generalversammlung am 3. Juni in Paris ihr Misstrauen aussprechen sollte. "Wenn sie wollen, dass ich weitermache, mache ich weiter, wenn nicht, werde ich natürlich aufhören", sagte er.

Rückendeckung und Kritik

Der Brite spürt nach eigenen Angaben große Rückendeckung bei den Verbandsmitgliedern. Er habe rund siebenmal so viele Schreiben erhalten, die seinen Verbleib im Amt wünschten, als Aufforderungen zum Rücktritt. Öffentlich haben sich jedoch bislang vor allem Mosleys Gegner zu Wort gemeldet. Neben dem größten FIA-Mitgliedsverband, dem amerikanischen Automobilclub AAA, forderte auch der deutsche ADAC Konsequenzen aus der Affäre.

Die in der Formel 1 engagierten Autofirmen BMW, Mercedes, Honda und Toyota verlangten ebenfalls eine rasche Aufarbeitung des Skandals. Zudem legten mehrere ehemalige Formel-1-Stars Mosley den Rücktritt nahe. Auch Red-Bull-Pilot Mark Webber kritisierte den FIA-Präsidenten scharf. "Dieser Skandal hat den Sport in Verruf gebracht", sagte der Australier am Wochenende der BBC.

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