Kommentar von Marcus Schurig

Sicherheits-Verbesserungen in Le Mans

LeMans, Dänemark, Siegerpodest Foto: John Brooks 15 Bilder

Marcus Schurig über den Tod von Allan Simonsen beim 24h-Rennen in Le Mans, mögliche Versäumnisse bei der Strecken- und bei der Fahrzeugsicherheit und die Folgen für den Langstreckensport.

Der tragische Tod von Allan Simonsen beim 24h-Rennen in Le Mans hat eine massive Diskussion über das Thema Sicherheit im Motorsport losgetreten. In Internetforen radebrechen die User wie heute üblich in thematisch und grammatikalisch fragwürdiger Weise über die allerdings ziemlich berechtigte Frage: Hätte der Tod von Simonsen verhindert werden können?

Früher sind Piloten im Rennsport gestorben wie die Fliegen. Der versicherungstechnisch notwendige Hinweis auf den Zuschauer-Tickets, dass Motorsport gefährlich sei, stammt noch aus jener Zeit. Der Blutzoll war unerträglich hoch.

Die Zeiten haben sich geändert, tödliche Unfälle sind nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. Aber jeder, der in einen Rennwagen einsteigt, sollte sich der Risiken bewusst sein. Auch wenn es makaber klingen mag: Profi-Piloten werden auch deshalb fürstlich entlohnt, weil sie ein Risiko eingehen, das niemand sonst bereit wäre, einzugehen.

Ist Le Mans unsicher?

Für das Wohlergehen der Piloten sind zwei Faktoren ausschlaggebend: Die Streckensicherheit und die Fahrzeugsicherheit entscheiden bei einem Unfall über Leben oder Tod.

Die Strecke in Le Mans stand schon vor dem Unfall von Simonsen in der Kritik. Bei der Streckeninspektion vor dem 24h-Rennen durch den FIA-Beauftragten Roland Bruynseraede hatte der Veranstalter ACO angeblich die gelbe Karte erhalten: Die Auslaufzonen in den schnellen Porsche-Kurven der nach FIA Grade 2 homologierten Strecke wurden angeblich ebenso beanstandet wie die Leitplanken auf den Geraden. Hier muss der ACO dringend nachbessern, wollen die Franzosen nicht riskieren, ihre Zulassung zu verlieren.

Der Unfall von Simonsen hat auch Mängel im Streckenabschnitt Tertre Rouge offenbart: Bäume direkt hinter den Leitplanken verhinderten, dass die Stahlkonstruktionen Energie absorbieren und somit den Aufprall und die damit einhergehende Verzögerung abmildern konnten. Reifenstapel fehlten völlig, die aus den USA bekannte Safer-Wall-Technologie mit dämpfenden Elementen aus Luft- oder Wasserpolstern scheint völlig an den Franzosen vorbeigegangen zu sein.

Ferrari-Pilot Gianmaria Bruni hat angekündigt, im kommenden Jahr nicht mehr in Le Mans antreten zu wollen, wenn nicht zügig Verbesserungen eingeleitet werden. Der Italiener versucht im Hintergrund, eine Allianz der aktiven Fahrer aufzubauen, um den Druck auf den ACO zu erhöhen und den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Sind die GTE-Autos sicher?

Fakt ist auch, dass die Regelmacher neu über das Thema Fahrzeugsicherheit nachdenken müssen, besonders in den seriennahen GT-Klassen. Die LMP-Prototypen sind mit Sitzkisten ausgerüstet, die sicherstellen, dass das System aus Fahrerfixierung, Gurt und HANS-System optimal funktionieren kann.

Im GT-Sport wäre Ähnliches denkbar, ja vielleicht wünschenswert, auch wenn dafür der Tugendpfad der Seriennähe verlassen werden müsste. In Le Mans sickerte durch, dass ein bedeutender Hersteller im GTE-Sport eine Sitzkiste für seine GTE-Rennwagen fix und fertig entwickelte hatte – aber auf einen Einsatz in Le Mans aus Gewichtsgründen verzichtete. Wir reden hier über 10, maximal 15 Kilo. Das grenzt aus meiner Sicht und im Lichte des Unfalls von Allan Simonsen an sträfliche Unterlassung.

Um auch das klarzustellen: Die Sitzkiste ist kein Allheilmittel, aber sie wäre ein Schritt vorwärts. Verbesserungen an der Strecke in Le Mans sind ebenso angezeigt wie an den Fahrzeugen. Wird jetzt nicht gehandelt, dann wäre Allan Simonsen völlig umsonst gestorben.

Ihr Meinung ist gefragt: Safety first?

Welche Konsequenzen sollten aus dem tragischen Unfall von Allan Simonsen beim 24h-Rennen in Le Mans gezogen werden?

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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