Lamborghini - LMDh - Teaser - 2022 Lamborghini
Lamborghini Huracán GT3 Evo2 - Rennwagen
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Lamborghini baut LMDh-Renner für 2024

Start in IMSA und WEC 2024 Lamborghini baut LMDh-Renner

Lamborghini wird als sechster Hersteller einen LMDh-Prototypen für die WEC und die IMSA bauen. Die Italiener entwickeln dafür ihren eigenen Rennmotor und spannen sich beim Chassis wohl mit Ligier zusammen. Wir haben mit Lambo-Boss Stephan Winkelmann und Sportchef Giorgio Sanna über das Projekt gesprochen.

Was lange währt, wird endlich gut: Im Januar 2020 kündigten ACO und IMSA beim 24h-Rennen in Daytona eine gemeinsame neue Topklasse bestehend aus den LMDh-Fahrzeugen nach US-Reglement und den Hypercars nach FIA-/ACO-Regelwerk an. Vom ersten Tag wurde dabei auch über den Zutritt von Lamborghini spekuliert.

Ursprünglich hätte der Einstieg der italienischen Sportwagenmarke im Januar 2021 verkündet werden sollen, damals noch als Zweitverwertung der von Porsche entwickelten VW-Konzernplattform. Dann sollte die Verkündung im Januar 2022 erfolgen, schließlich im März.

Jetzt hat Lamborghini endlich grünes Licht gegeben: Am Dienstag (17.5.) bestätigte die zum VW-Konzern gehörende Marke den Einstieg für das Jahr 2024. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen von 2021 wird Lamborghini das Prototypen-Projekt jedoch in Eigenregie aufsetzen, und nicht auf die Porsche-LMDh-Plattform zurückgreifen.

Damit kämpft Lamborghini ab 2024 nicht mehr nur um Klassensiege im GT3-Sport, sondern um Gesamtsiege bei den großen Langstreckenklassikern wie in Le Mans, Daytona oder Sebring.

"Der Aufstieg in die Top-Klasse des Langstreckensports ist ein Meilenstein in der Geschichte von Lamborghini", erklärte CEO Stephan Winkelmannn. "Wir werden uns in Zukunft mit den stärksten Wettbewerbern bei den wichtigsten Langstreckenrennen der Welt messen. Durch den Einstieg in die LMDh-Klasse erreichen wir eine höhere Sichtbarkeit für unser Sportprogramm, außerdem können wir in der neuen Top-Klasse zukünftige Technologien für unsere Straßensportwagen erproben."

Lamborghini Huracán GT3 Evo2 - Rennwagen
Lamborghini
Mit dem GT3-Huracan ist Lamborghini ist schon seit einiger Zeit erfolgreich in der Langstrecken-Szene unterwegs.

LMDh logischer Schritt für Lamborghini

Zwar gab Lamborghini keine weiteren technischen Details des LMDh-Projekts bekannt, allerdings konnte auto motor und sport im Vorfeld der Ankündigung schon mit Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann und Sportchef Giorgio Sanna über die Hintergründe des Einstieges sprechen.

CEO Winkelmann ordnete den Einstieg perspektivisch ein: "Wir haben 2009 begonnen, Lamborghini als Marke im Motorsport zu etablieren, erst mit unserem Markenpokal, seit 2015 mit dem GT3-Auto auf Basis des Huracán-Modells. In der GT3-Klasse konnten wir dabei schon viele Erfolge einfahren."

Laut Winkelmann war der LMDh-Einstieg die logische Fortsetzung der bisherigen Strategie: "Für unser Engagement waren mehrere Gründe ausschlaggebend: Erstens sind die Kosten vom Reglement stark limitiert, so dass auch ein Hersteller unserer Größe in der Lage ist, in der Top-Klasse mitzufahren. Zweitens gehört unser Herz seit geraumer Zeit dem Langstreckensport, wo wir bereits mit dem GT3 Huracán erfolgreich waren."

"Da ist der Aufstieg in die Topklasse der nächste logische Schritt. Dazu können wir jetzt um prestigeträchtige Gesamtsiege bei den großen Klassikern wie Le Mans, Daytona oder Sebring kämpfen, denn die neuen Autos sind sowohl in Amerika als auch in Europa startberechtigt, womit wir eine hohe Sichtbarkeit in unseren Kernmärkten sicherstellen können."

Porsche LMDh-Renner: Fotos der Protoypen-Tests

Porsche LMDh Spa-Test
Team Penske
Porsche LMDh Spa-Test Porsche LMDh Spa-Test Porsche LMDh Spa-Test Porsche LMDh Spa-Test 40 Bilder

Eigener Weg beim Chassis

Insider hatten spätestens seit März 2022 erwartet, dass Lamborghini beim LMDh-Projekt seinen eigenen Weg gehen würde, und nicht auf den von Porsche entwickelten Konzernbausatz zurückgreift: "Wir hatten die Freiheit zu entscheiden, ob wir unser Auto auf der Porsche-Plattform aufsetzen, oder ob wir unseren eigenen Weg gehen", sagt Winkelmann. "Wir hatten jetzt die Chance, unseren eigenen Ansatz zu verfolgen, und diese Möglichkeit haben wir genutzt, ohne dass wir dabei die Kosten unnötig erhöhen."

Der Lamborghini-Chef bestätigte gegenüber auto motor und sport einen globalen Einsatzplan: "Unser Plan besteht darin, sowohl in der Sportwagen-WM (WEC) als auch in der amerikanischen IMSA-Serie an den Start zu gehen."

Sportchef Giorgio Sanna stellte in diesem Kontext klar, dass Lamborghini das LMDh-Projekt als Kundensport betrachtet: "Die Motorsportphilosophie von Lamborghini basiert ganz klar auf dem Kundensportansatz, so haben wir das bereits im GT3-Sport gehandhabt, und so werden wir das auch in der LMDh-Klasse tun. Das bedeutet, dass wir keine reinrassigen Werksteams an den Start bringen werden, allerdings werden wir in der WEC und der IMSA jeweils Referenzteams bestimmen, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Alle weiteren Details werden wir zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren."

Lamborghini Huracán Super Trofeo EVO2 (2022)
Lamborghini
Neben dem LMDh-Projekt und dem GT3-Renner gibt es auch noch den hauseigenen Markenpokal "Lamborghini Super Trofeo"

Debüt im Frühjahr 2024

Der exakte Termin für das Renndebüt des LMDh-Autos von Lamborghini ist noch nicht fixiert, wie Sanna festhält: "Das Ziel ist, in der Saison 2024 beim 24h-Rennen in Le Mans am Start zu stehen, das ist unser Auftrag. Es ist logisch, dass wir bereits davor Rennen in WEC und IMSA bestreiten werden, noch ist aber nicht klar, ob wir zum Beispiel am 24h-Rennen der IMSA-Serie in Daytona im Januar 2024 teilnehmen. Das Renndebüt unseres neuen LMDh-Autos könnte auch später erfolgen, je nachdem, wie der finale Entwicklungsplan für das Fahrzeug aussieht."

Ein zentraler Grund für den Lamborghini-Einstieg ist das Thema Hybridisierung, wie CEO Stephan Winkelmann festhält: "Vom Timing her ist es für uns perfekt, dass wir in der neuen Top-Klasse des Langstreckensports mit einem hybridisierten Rennfahrzeug an den Start gehen werden – während wir nahezu zeitgleich die Hybridisierung unserer Straßenmodelle starten. Im nächsten Jahr werden wir das Design den neuen LMDh-Autos zeigen, zeitgleich feiern wir den 60. Geburtstag der Marke Lamborghini, und dazu präsentieren wir den Aventador-Nachfolger – mit Plugin-Hybrid." Lamborghini plant, dass bis 2025 sämtliche Straßenmodelle über eine Hybridisierung verfügen.

Lambo mit eigenem Motor

Die technischen Details für den Einstieg in die LMDh-Top-Klasse will Lamborghini erst zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren, doch CEO Stephan Winkelmann bestätigte auf Nachfrage von auto motor und sport immerhin: "Wir werden beim LMDh-Projekt mit unserem eigenen Motor an den Start gehen."

Dieser Schritt ist offenbar seit längerer Zeit in Planung, denn angeblich experimentieren die Motoreningenieure bei Lamborghini bereits mit Einzylinder-Modellen. Die große Gretchenfrage, ob der LMDh-Rennmotor eine technische Grundverwandschaft zu den Straßenmotoren der Lambo-Modellpalette aufweisen wird, bleibt noch unbeantwortet.

Aktuell reicht die Spannweite in der Serie vom V12 (Aventador) über V10 (Huracán) bis zum V8-Biturbomotor beim Urus-SUV. Allerdings könnte der Huracán-Nachfolger eventuell ein neues und kompakteres Triebwerk erhalten, wie Insider aus Italien spekulieren...

Weil Lamborghini sein eigenes LMDh-Projekt aufsetzt und nicht die Porsche-Plattform adaptiert, ist ein eigener Motor zwingend notwendig – und aus Lamborghini-Sicht offenbar auch sehr erwünscht.

Lamborghini - Le Mans - Protoyp - Concept - Hypercar / LMDh - Sean Bull
Sean Bull Design
Wie könnte ein Le-Mans-Prototyp von Lamborghini aussehen? Hier hat sich Designer Sean Bull ausgetobt.

Chassis von Ligier?

Und wie sieht es beim Chassis aus? Hier schweigt man am Firmensitz in Sant‘Agata Bolognese. Fakt ist: Lamborghini nutzt nicht das von Multimatic für Porsche designte Monocoque. Nachdem der langjährige Lambo-Partner Dallara aus Kapazitätsgründen nicht zur Verfügung stand, spannt Lamborghini nun offenbar mit dem LMP2-Konstrukteur Ligier zusammen.

Die besondere Herausforderung beim Design des Lamborghini-LMDh wird darin bestehen, die einzigartige, kantige Designsprache der Marke Lamborghini in ein eigenständiges Markengesicht des LMDh-Prototypen zu übersetzen. Kantige Formen sind aus aerodynamischer Sicht ja nicht immer der optimale Weg.

Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. Lamborghini verspricht weitere Details noch im Juli 2022. Im Mai 2023 will man dann den Prototypen vorstellen und mit der Erprobung starten. Die Homologation soll Ende 2023 erfolgen, so dass einem frühen Rennstart in der Debütsaison 2024 nichts im Wege stehen sollte.

Kooperation mit Iron Lynx?

Im Fahrerlager kursierten zuletzt Gerüchte, wonach sich eine Kooperation zwischen dem Iron Lynx-/Prema-Team und Lamborghini anbahnt. Natürlich hüllen sich die Verantwortlichen bei Lamborghini hierzu in Stillschweigen. Die Aussage von Lambo-CEO Winkelmann, dass das neue eigenständige Projekt nicht zu erhöhten Kosten führe, obwohl Lamborghini nicht die Porsche-Plattform nutzt, weist jedoch indirekt den Weg.

In Sebring war zu hören, dass das Iron Lynx-Team in die neue Top-Klasse des Langstreckensports aufsteigen will, und zwar mit einem namhaften Hersteller. Die Kriegskasse ist bei Iron Lynx über die betuchten Besitzer des Rennstalls prall gefüllt. Angeblich liebäugeln die Macher im Hintergrund sogar mit dem Kauf eines F1-Rennstalls – zusätzlich zum verstärkten Engagement im Langstreckensport.

Es ist also durchaus legitim darüber zu spekulieren, dass Iron Lynx, die zuvor schon mit Ferrari und Mercedes bezüglich eines Hypercars-Einsatzes verhandelt haben sollen, einen Teil der Entwicklungskosten beim LMDh-Projekt von Lamborghini mittragen könnte.

Eine solche Konstellation wäre für einen kleinen Hersteller wie Lamborghini optimal. In der Folge würde es natürlich auch Sinn machen, dass die Iron Lynx-/Prema-Gruppe dann bei den Renneinsätzen in der Sportwagen-WM (WEC) und in der amerikanischen IMSA-Meisterschaft zum Zuge käme.

Doch das sind im Moment noch Spekulationen. Das Entscheidende ist, dass die LMDh-Kategorie mit Lamborghini einen sechsten Hersteller gewinnen konnte. Was lange gährt, wird endlich gut.

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Während des Goodwood-Festivals hat Porsche seinen LMDh-Renner präsentiert.

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