Markenpokale beim 24h-Rennen Nürburgring

Früh aufstehen, spät Bremsen, kräftig Feiern

Mini Challenge, 24h-Rennen, Nürburgring, 2011 Foto: Mini 25 Bilder

Mini, Renault und Seat haben im Rahmen des 24h-Rennens am Nürburgring 2011 zusammen ihre Markenpokalrennen ausgetragen.

Morgens halb acht in der Eifel. Über den Campingplätzen schweben vereinzelt noch Rauchschwaden glimmender Grillkohle, die Zelte sind dicht, die meisten Fans vermutlich auch noch. An der Strecke rumort es dagegen bereits gewaltig. Allein 67 Renault-Motorsportfahrzeuge, 18 Mini Challenge-Teilnehmer sowie 15 Fahrer im Seat Leon Supercopa stecken mitten den Vorbereitungen für ihren Lauf zu den jeweiligen Markenpokalen am Nürburgring.

Morgenstund steigert Rennfahrergunst

Dabei variiert die Art der Vorbereitung vom hektischen Schrauben an der vorderen Aufhängung bis zum Gemütlichen Abgrasen des Frühstücksbuffets. Und draußen fängt es an zu tröpfeln. Ein Wetter, bei dem erste vorweihnachtliche Gefühle aufkommen, eine Uhrzeit, zu der andere erst ans Einschlafen denken und dazu ein Rennen, das lediglich vier Runden läuft - warum deswegen aufstehen? Zum einen, weil jede Runde Nordschleife zählt und zum anderen, weil den Herrschaften am Steuer die Rahmenbedingungen ziemlich wurscht zu sein scheinen.
 
Sie geben Gas, und zwar ordentlich. Trotz der immer stärker anschwellenden Regenschauer halten die meisten Regenreifen für Kinderkram und stürzen sich auf Slicks die Startgerade in Richtung Mercedes-Tribüne herunter. Wenngleich manche dabei eine etwas merkwürdige Linie wählen, verlassen alle mit der Nase vorne das Castrol-S. Bei den Renaults führt Karolina Czapka in ihrem Mégane Trophy, ein 360 PS starkes, hinterradgetriebenes Silhouetten-Fahrzeug, das für Rundenzeiten um 9.17,341 Minuten gut ist. Die Seat Leon-Horde führt Maximilian Sandritter an, die Mini-Meute muss - wie so oft - hinter Hendrik Vieth hinterherfahren.

Bunt gemischte Renault-Horde

Während die britischen und spanischen Einsatzgeräte unter nahezu identischen Voraussetzungen auf die Strecke geschickt werden, wirkt das Renault-Feld, als ob jeder mitfahren darf, der zuhause beim Aufräumen der Garage noch einen französischen Rennwagen gefunden hat: R8 Gordini, R5 diverser Ausprägungen, Alpine A110, Cup-Clios aller Jahrgänge. „Sechs Starter kommen beispielsweise aus China. Diese haben ihre Autos schon vor Monaten nach Deutschland verschifft,“ erklärt Tobias Hütter, Motorsport-Projektleiter bei Renault.
 
Tatsächlich ist die Atmosphäre wieder einmal ganz speziell, es schüttet, das Thermometer müht sich redlich, die 10 Grad-Marke zu erreichen - und scheitert. Allmählich ist offenbar auch das Gripniveau der profillosen Reifen aufgebraucht, wild schwänzelnd und schiebend werden die Kurven angebremst. Als einer der wenigen outete sich Mini-Pilot Erwin Piro vom Team Arden als Hasenfuß, als er kurzfristig auf Regenreifen umstecken ließ. Jetzt kämpft er um Positionen, die ihm sonst fremd sind, nähert sich der ersten Hälfte der Top Ten. Vorne hat sich Hendrik Vieth längst abgesetzt, zumindest sah es in der ersten Runde danach aus. Inzwischen hängt im Nico Bastian im Kreuz, ergattert kurzeitig sogar die Führung.

Kaltverformtes Blech beim Höllenritt

Bei den Leons führt Sandritter, der sich jedoch kaum vom Polen Michal Slomian, der seine Premiere auf der Nordschleife erlebt - im strömenden Regen. Jens Schäfer in der Alpine A110 schert das miese Wetter offenbar wenig, obwohl sein Auto unter diese Bedingungen an der Antriebachse so viel Grip aufbaut wie ein tiefgekühltes Fischfilet. Schäfer nimmt es offenbar mit Humor und eine Streckenabschnitte wie die Anfahrt zum Schwalbenschwanz kurzerhand spektakulär quer. Unterdessen sprießen an den Leitplanken immer Blüten aus kaltverformten Blech, einige Leons und Clios werden weidwund von der Strecke gezogen. Völlig unnötig: Der Auffahrunfall zwischen einem Clio, der in das Heck des R8 Gordini krachte. Da dort unglücklicherweise der Motor werkelt, rollte der Veteran heftig qualmend nach der Mercedes Arena aus.
 
Seat-Start Sandritter, stolperte ebenfalls über einen Clio, da der ihn offenbar nicht rechtzeitig im Rückspiegel sah und den Weg des Deutschen kreuzte, statt ihn zu verlassen. Den darauffolgenden heftigen Einschlag überstand Sandritter unbeschadet - und musste zusehen, wie der Unfallverursacher das Rennen wieder aufnahm. Bei den Minis fühlte sich der Führende Vieth offenbar von seinem Verfolger Bastian - beide sind übrigens für das Team Gigamot unterwegs - derart unter Druck gesetzt, dass mit zu hoher Geschwindigkeit in den Abschnitt Pflanzgarten einbog und nach einer spontan erfundenen Choreographie wild über das Gras rodelte, um immobil im Kiesbett zu stranden. Piro kämpft unterdessen heftig mit Steve Kirsch um Position drei - und gewinnt.
 
Bei Seat holt sich Nordschleifen-Neuling Slomian den Sieg, das Renault Race Festival beendet Czapka als erste. Sie tummelt sich in ihrem Heimatland Polen nebenbei in nahezu jeder Motorsport-Serie, vom Slalom über Bergrennen bis hin zu Rallye - keine schlechten Voraussetzung für einen Rennen auf der Nordschleife, vor allem wenn diese unter Wasser steht. Jetzt krabbeln die ersten Camper aus ihren Zelten, und auch die letzte Glut hat der Regen ertränkt. Noch fünf Stunden bis zum 24h Rennen auf dem Nürburgring.

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