Neue Beweise im Spionagefall

Foto: Wolfgang Wilhelm

Ferrari hat in den vergangenen Wochen intensiv nach belastendem Beweismaterial gegen McLaren gesucht. Die Recherchen sollen zu detaillierten Kenntnissen über die Kommunikation zwischen Nigel Stepney und Mike Coughlan geführt haben.

McLaren-Mercedes hat sich einen Maulkorb verpasst. Die Anwälte des Teams haben dazu geraten. Jedes Wort zuviel könnte die Verhandlung vor dem FIA-Weltrat kommenden Donnerstag in Paris negativ beeinflussen. McLaren liegen seit Mitte dieser Woche die so genannten neuen Beweise vor. Wie mittlerweile durchsickerte, handelt es sich dabei nicht nur um die Verwicklung von Fernando Alonso und Pedro de la Rosa in den Fall.

Reger E-Mail-Kontakt

Ferrari hat offenbar durch Recherchen herausgefunden, wann und wie oft ihr Werkstattchef Nigel Stepney und sein Adressat bei McLaren, Chefdesigner Mike Coughlan, Telefon- und E-Mail-Kontakt hatten. Auch einige Inhalte der E-Mail Kommunikation sollen bekannt sein. Es handelt sich dabei auch um die Zeit, bevor das ominöse 780 Seiten Dossier von Stepney übergeben wurde. Bereits bei der ersten Weltratsitzung am 26. Juli war bekannt geworden, dass Stepney und Coughlan seit Anfang März in Kontakt standen.

Offenbar gab es derart viele Telefongespräche und einen derart regen Mail-Kontakt zwischen Stepney und Coughlan, dass man von einer normalen Kommunikation unter Freunden nicht mehr sprechen kann. Wieviel Brisanz diese neue Information in die Angelegenheit bringt, ist zweifelhaft. Weder die Gespräche von Alonso und de la Rosa über Abstimmungsgeheimnisse von Ferrari, noch die Tatsache, dass Stepney und Coughlan eifrig miteinander kommuniziert haben, ist ein Beweis dafür, dass McLaren diesem Informnationsfluss genutzt, geschweige denn davon profitiert hat.

Kein Beweis der Vorteilsnahme

Der FIA-Weltrat hatte in seinem ersten Urteil vom 26. Juli mit dem WM-Ausschluss für 2007 und 2008 gedroht, sollten sich neue Beweise ergeben, die McLaren belasten. Eine so drakonische Strafe ist aber nur gerechtfertigt, wenn McLaren eine Vorteilsnahme nachgewiesen werden kann. In diesem Punkt ist weit und breit kein handfester Beweis in Sicht.

Im Gegenteil. Die FIA hatte zwei Wochen lang jeden Entwicklungsschritt am McLaren MP4-22 geprüft und nichts gefunden, was darauf schließen lässt, dass irgendeine Information aus der Geheimakte genutzt worden ist. Seitdem liefert McLaren bei der FIA für jede Modifikation eine umfassende Dokumentation ab. So können die Regelhüter überprüfen, ob nicht in Zukunft vom Ferrari abgeleitete Teile eingesetzt werden.

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