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Porsche 919 Hybrid Evo

Schneller als die Formel 1

Porsche 919 Tribute - Spa-Francorchamps - 2018 Foto: Porsche 36 Bilder

Der Porsche 919 Hybrid ist zurück auf der Rennstrecke. Die Ingenieure verwandelten den ausgemusterten LMP1-Renner mit ein paar Technik-Tricks zum Monster-Prototypen. In Spa-Francorchamps schlug er direkt den Formel-1-Rundenrekord.

09.04.2018 Tobias Grüner

Es ist der Traum eines jeden Ingenieurs: Einmal ein Rennauto zu entwickeln, ohne von technischen Reglements eingebremst zu werden. Genau das passierte im vergangenen halben Jahr in der Porsche Motorsport-Zentrale in Weissach. Dort haben die Mitarbeiter des gestoppten LMP1-Programms im stillen Kämmerchen weitergearbeitet und den alten 919 Hybrid-Rennwagen neues Leben eingehaucht.

Die Autos wurden nicht einfach in einen rennbereiten Zustand versetzt. Sie wurden ohne Rücksicht auf die alten Zwänge des Reglements in allen Bereichen optimiert. Die Techniker wollten die Frage beantworten, zu welchen Leistungen der Porsche 919 Hybrid ohne die strengen Limitierungen imstande ist. Dazu bekamen die Prototypen eine Kraftkur verpasst wie ein Bodybuilder im Fitnesstudio.

Gedreht wurde an allen möglichen Stellschrauben. Basis für die Vorbereitung der 919-Evo-Version war der siegreiche 2017er Le Mans-Rennwagen. Hinzu kamen Entwicklungen, die bereits für die WEC 2018 stattgefunden hatten, aber nach dem Ausstieg aus der Langstrecken-WM Ende 2017 brachlagen – sowie spezifische aerodynamische Modifikationen.

Porsche 919 Hybrid Evo mit 1.160 PS

Porsche 919 Tribute - Spa-Francorchamps - 2018 Foto: Porsche
Die Scheinwerfer wurden aus Gewichtsgründen eingespart. Gefahren wird nur am Tag.

Die Hardware des Antriebsstrangs blieb unangetastet. Der Porsche 919 Evo wird genau wie früher von einem Zweiliter V4-Turbobenziner befeuert, der seine Leistung an die Hinterräder abgibt. Dazu wird wie in der Formel 1 Bremsenergie und Abgasenergie gewonnen, die über einen Elektromotor als Boost an die Vorderachse abgegeben wird.

In der WEC war die Durchflussmenge des Benzins streng reglementiert, wodurch der Verbrenner auf eine Leistung von „nur“ 500 PS eingebremst wurde. Darf sich das Triebwerk so viel genehmigen, wie es vertragen kann, dann springt die Kurve in der Prüfstandsmessung plötzlich auf 720 PS. Auch bei der Elektro-Energie konnte die Leistungsausbeute gesteigert werden – von 400 PS auf rund 440 PS. War früher bei den Leistungsangaben stets Geheimhaltung angesagt, verkünden die Techniker nun stolz, was in dem Hybrid-Monster steckt.

Auch aerodynamisch wurde jenseits des alten Reglements ordentlich aufgerüstet. Der neue und größere Front-Diffusor balanciert den mächtigeren Heckflügel aus. Beide können aktiv gesteuert werden und bei Bedarf Abtrieb gegen einen geringeren Luftwiderstand tauschen. Wie beim DRS in der Formel 1 klappt das obere Flügelelement auf Knopfdruck nach oben und lässt die Luft frei hindurchfließen.

Mehr Abtrieb als ein Formel-1-Auto

Porsche 919 Tribute - Spa-Francorchamps - 2018 Foto: Porsche
Die Schürzen saugen den 919 Hybrid Evo so stark an den Asphalt, dass in Eau Rouge das DRS geöffnet bleiben kann.

Unter dem Fahrzeug wurden die Luftleitbleche und die Form des Unterbodens optimiert. Außerdem steigern feste seitliche Schürzen die aerodynamische Effizienz. In Summe resultieren die Aerodynamik-Maßnahmen in 53 Prozent mehr Abtrieb und einer Effizienzsteigerung um 66 Prozent. Damit wird der 919 Evo stärker auf den Asphalt gedrückt als ein Formel-1-Auto.

Zur weiteren Performance-Verbesserung erhielt der superschnelle Evo ein Vierrad-Brake-by-Wire-System für zusätzliche Gierwinkel-Kontrolle. Um die höheren Kräfte zu bewältigen musste die Servounterstützung der Lenkung angepasst werden. Zusätzlich wurden auch die Radträger vorne und hinten verstärkt.

Das Leergewicht sank um 39 Kilogramm gegenüber der Rennversion – auf nun 849 Kilogramm. Dafür wurde entfernt, was für eine einzelne Rekord-Runde bei besten Bedingungen entbehrlich ist: Klimaanlange, Scheibenwischer, einige Sensoren, die Elektronikeinheit der Regelwächter, die Lichtanlage und die pneumatische Wagenhebervorrichtung.

Bei Reifenpartner Michelin orderten die Weissacher neue Gummis, die bei gleicher Dimension (31/71-18) das Grip-Niveau deutlich verbessern und keinerlei Kompromisse hinsichtlich der Sicherheit eingehen.

Porsche 919 Hybrid Evo setzt neuen Rekord in Spa

Porsche 919 Tribute - Spa-Francorchamps - 2018 Foto: Porsche
Neel Jani pulverisierte den alten Runden-Rekord in Spa von F1-Weltmeister Lewis Hamilton.

Mit Spannung fuhr die Mannschaft zum ersten Stopp der sogenannten Tribute-Tour nach Spa-Francorchamps, um zu sehen, wie gut die Maßnahmen auf der Strecke funktionieren. Die ehemaligen Le Mans-Piloten Neel Jani, Timo Bernhard und Andre Lotterer mussten nicht lange überredet werden, bei dem Spaß mitzumachen.

Am Montag (9.4.2018) startete man schließlich mit dem ernsthaften Rekordversuch. Um 10.23 Uhr ging Jani auf eine schnelle Runde, die mit 1.41,770 Minuten gestoppt wurde. Der Schweizer war damit deutlich schneller als Lewis Hamilton bei seiner letztjährigen Pole-Position-Runde im Mercedes-Silberpfeil. Der Brite hatte den 7,004 Kilometer langen Ardennenkurs im August 2017 in 1.42,553 Minuten umrundet.

„Das war eine absolut fantastische Runde – eine herausragende fahrerische Leistung von Neel und das Ergebnis großartiger Ingenieursarbeit. Der Streckenrekord beweist eindrucksvoll die ultimative Performance des innovativsten Rennwagens seiner Zeit“, jubelte Fritz Enzinger, der Leiter des Porsche LMP1-Programms.

Jani kam bei seinem Rundenrekord auf einen Top-Speed von sagenhaften 359 km/h. Er erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 245,61 km/h. „Der 919 Evo ist brutal beeindruckend. Er ist definitiv das schnellste Auto, das ich je gefahren bin. Das Grip-Niveau ist für mich eine völlig neue Dimension. Das konnte ich mir vorher so nicht vorstellen“, zeigte sich der Le Mans-Sieger von 2016 fasziniert.

„Die Abläufe auf einer einzelnen Runde mit dem 919 Evo sind derartig schnell, dass der Anspruch an die Reaktionsschnelligkeit noch einmal ein ganz anderer ist als ich ihn aus der WEC kenne. Wir sind nicht nur schneller als die F1-Pole-Position von 2017. Die Runde war auch 12 Sekunden schneller als unsere WEC-Pole aus dem vergangen Jahr! Die Renningenieure haben bei der Abstimmung tolle Arbeit geleistet, und der Reifen von Michelin ist eine Sensation. Vielen Dank an Porsche für diese Erfahrung.“

In der Galerie zeigen wir Ihnen das schnellste Rennauto der Welt noch einmal in all seinen faszinierenden Details.

Neuester Kommentar

Davon 30 Stück in einem 2 Stundenrennen wär schon zo ziemlich entgeil. Würde gerne wissen wieviel Dirty Air dieser Wagen produziert bzw. wie überholfreundlich so ein Rennwagen ist. Wie teurer ist eigentlich ein LMP1 im Vergleich zu einem F1 ?

Jakob Jagd 13. April 2018, 00:19 Uhr
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