Red Bull unter Schummelverdacht

Foto: dpa 74 Bilder

Der Formel 1 steht eine neue Flügelaffäre ins Haus. Auf TV-Bildern aus Barcelona ist laut einigen Augenzeugen klar sichtbar, dass sich Red Bull scheinbar einen neuen Werbe-Slogan ausgedacht hat: Red Bull verbiegt Flügel.

Nachdem das Formel 1-Fahrerlager mit Argusaugen den neuen Doppeldeckerflügel von McLaren unter Analyse diverser Fernsehbilder betrachtete und nichts beanstanden konnte, wurden die Liebhaber aerodynamischer Details stattdessen bei Red Bull Racing fündig.

Nachdem sich das Team wie kein anderes zwischen dem dritten und vierten Rennen gesteigert hat, war der Renner des fünftplatzierten David Coulhtard auch im britischen Fernsehen des öfteren aus der Inboardperspektive zu sehen.

In der 28. und der 64. von 65 Runden zeigte eine Kamera den Heckflügel des RB3 in Nahaufnahme, und siehe da, das Leitwerkverbiegt sich beim Beschleunigen und noch klarer ersichtlich beim Bremsen.

Konstrukteur: „Dagegen war Ferrari eine Kleinigkeit“

Flexible Flügel sind in der Formel 1verboten, seit Ferrari 2006 mit einem biegsamen Flap am Heckflügel operierte. „Aber im Vergleich zu dem, was beim Red Bull passiert, war der Vorwurf gegen Ferrari eine Kleinigkeit“, sagt ein Formel 1-Technikchef nach Analyse der Bilder.

Beim Red Bull biegt sich der komplette Flügel nach hinten. Der flexible Part muss demnach die Flügelaufhängung sein. Ein Technik-Experte sagt: „Das muss absichtlich exakt so konstruiert sein, ansonsten würde der Flügel abbrechen.“

Red Bull hat zwei verschiedende Flügelaufhängungen entwickelt. Eine kam in Melbourne und Bahrain zum Einsatz, die zweite in Malaysia und Barcelona. In Malaysia gab es jedoch noch keinerlei Verdachtsmomente gegen das Team von Dietrich Mateschitz.

Auffällige Steigerung

Abgesehen von den TV-Bildern ist auffällig, wie sehr sich ausgerechnet Red Bull vor dem Rennen in Spanien gesteigert hat. Plötzlich hatte die vermeintliche Fehlkonstruktion RB3 im Renntempo Williams überholt und eilt mit großen Schritten in Richtung BMW.

In der Qualifikation war David Coulthard mit rund 310 km/h der schnellste Mann im Feld, im Rennen belegten Webber und Coulthard in der Top-Speed-Wertung die Ränge zwei und vier. Ein erfahrener Konstrukteur hält einen Top-Speed-Zuwachsvon sechs km/h bei einem biegsamen Flügel für realistisch und berechnet für Barcelona einen Zeitvorteil von 0,25 Sekunden pro Runde.

Das hieße im Klartext: David Coulthard hätte in der Qualifikation lediglich auf Rang elf statt auf Platz neun gestanden. Der Zeitvorteil im Rennen hätte hochgerechnet bei über 16 Sekunden gelegen. Ansonsten wäre der Schotte nach dieser Rechnung allenfalls Siebter geworden und nicht Fünfter.

Keine Beanstandung bei der Nachuntersuchung

Konkret nachweisen konnte die FIA bisher keinen Regelverstoß, doch die Sporthoheit kündigte an, man werde sich das Red Bull-Flügelwerk künftig genauestens ansehen. Teamchef Christian Horner ist sich keiner Schuld bewusst: „Ich habe die Bilder nicht gesehen, aber so wie wir es sehen, entspricht das Auto komplett den Regeln“, sagte er am vergangenenWochenende.

Horner verwies darauf, dass sein Auto die technische Nachuntersuchung in Barcelona anstandslos überstanden habe. Kritiker melden schon seit Saisonbeginn an, das Prüfverfahren der FIAsei nicht hart genug.

Beim kommenden Rennen in Moncao dürfte kaum mehr Licht in die Affäre kommen. Der Stadtkurs hat zu kurze Geraden, als dass sich biegsame Flügel lohnen.

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