Rennanalyse 24h-Rennen Nürburgring 2018

Warum war Porsche so gut?

Porsche 911 GT3 R - Startnummer #912 - 24h-Rennen Nürburgring 2018 - Nordschleife - 13.5.2018 Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink 235 Bilder
24h-Rennen 2018

Das 24h-Rennen Nürburgring 2018 war ein Kracher. Besonders das Finale furioso nach dem Rennabbruch bot Nervenkitzel pur. Hätte Mercedes ohne rote Flagge gewonnen? Und warum war Porsche so gut? In unserer Analyse geben wir Antworten.

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Wer hätte ohne rote Flagge gewonnen?

Dichter Nebel und die Tatsache, dass die Posten sich nicht mehr gegenseitig sehen konnte, führte am Sonntagmittag um 11.59 Uhr dazu, dass die rote Flagge geschwenkt werden musste. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Renndauer eigentlich noch dreieinhalb Stunden betragen. Stattdessen lief die Uhr weiter, ohne dass Autos auf der Strecke unterwegs waren. Dieses Prozedere hat einen einfachen Grund: Man will das Rennen nicht anhalten und in zwei Teile splitten. Denn dann müssten beide Teile addiert werden, was womöglich zur Folge hat, dass nicht der eigentliche Sieger die Ziellinie als Erster kreuzt.

Der Rennabbruch war des einen Freud und des anderen Leid. Für den #912 Manthey-Porsche kam die Entscheidung wie gerufen. Denn kurz zuvor musste man eine Strafe von 3.32 Minuten wegen eines Vergehens in Code 60 absitzen, was dem direkten Konkurrenten, dem #4 Black Falcon-Mercedes in die Karten spielte. Die rote Flagge wurde in Runde 127 rausgehalten, zur Wertung wurde wie üblich die vorletzte Runde herangezogen, also 125. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Mercedes AMG GT3 ein Polster von 4.25,168 Minuten auf den Elfer. Das war mit dem Rennabbruch dahin. Weil nur noch die #4 und die #912 in einer Runde waren, machten sie den Sieg unter sich aus. Der Porsche hatte am Ende den Vorteil.

Doch hätte man auch unter normalen Umständen gewinnen können? Porsche-Motorsportchef Dr. Frank-Steffen Walliser sagt: „Laut unseren Berechnungen hätten wir 5,5 Sekunden pro Runde aufholen müssen. Das wäre nicht unmöglich gewesen, aber ich glaube, es hätte nicht gereicht.” Im Team Black Falcon war man sich einig: Die rote Flagge war die Katastrophe. “Die rote Flagge hat uns in Schwierigkeiten gebracht”, sagte der Renningenieur der #4, Renaud Dufour. „Sonst hätten wir mit dem Polster von vier Minuten eine gute Chance gehabt.”

Ein Faktor wären dabei auch die Streckenverhältnisse gewesen, wenn das Rennen weitergelaufen wäre. Denn der Porsche schien mit stärkerem Regen besser klarzukommen als der Mercedes. “Deshalb ist mir der Porsche am Ende auch wieder weggefahren, nachdem ich eigentlich aufgeholt hatte”, sagte Mercedes-Pilot Adam Christodoulou. „Ich hatte Mühe das Auto auf der Strecke zu halten.” Aus zunächst 0,933 Sekunden Rückstand nach dem Überholmanöver des Porsche, wurden für Christodoulou schließlich 12,381 und dann im Ziel 26,413 Sekunden.

Warum war Porsche so gut?

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Es war die Frage, die über das gesamte Rennen im Hintergrund schwelte: War die Balance of Performance-Einstufung für den Porsche zu gut? Der Auslöser für diese Frage war vor allem die Phase nach dem Start. Bereits nach zwei Runden kam Kevin Estré, der den Porsche mit der #911 steuerte, mit zehn Sekunden Vorsprung über die Ziellinie. Nach 21 Runden waren es bereits 1.08 Minuten.

Zwar schied die #911 in der Nacht aus, weil Romain Dumas auf einer abgestreuten Ölspur das Auto verlor, doch die #912 machte über das gesamte Rennen Dampf. Dabei war man schon bis auf Platz 90 zurückgefallen, weil man am Ende von Runde eins kurz vor der Einfahrt der Nordschleife in die Boxengasse wegen Reifendruckverlusts vorne links einbog. Dazu kam im weiteren Verlauf die Zeitstrafe von 3.32 Minuten wegen eines Gelbvergehens. Im Vergleich dazu hatte der #4 Mercedes AMG GT3 keinen einzigen Defekt, keine Schramme und keine Strafe. Trotzdem duellierten sich beide Autos auch vor dem Rennabbruch schon um den Sieg.

Bei Mercedes monierte man, der Porsche sei überlegen gewesen. Bei Porsche verwies man auf die theoretische Bestzeit, die mit dem Mercedes auf Augenhöhe gewesen sei. Die Stärke des Porsche war aber eher die Konstanz über einen Stint. “Und das lässt sich nicht mittels BoP balancen”, meint Walliser. Vergleicht man die Porsche untereinander, fällt vor allem auf, dass speziell die Kombination mit den Michelin-Reifen das starke Paket war. Und die hatte Manthey. Die Crux an diesem Thema: Man kann einen Hersteller nicht einzeln in Abhängigkeit vom Reifenpartner einstufen. Plus: Manthey hatte neben dem Michelin-Reifen auch extrem starke und Nordschleifen erfahrene Piloten auf dem Auto.

Was war mit BMW und Audi los?

Porsche übernahm von BMW die Taktik aus dem Vorjahr, mit sechs werksunterstützten Autos an den Start zu gehen. Das hat sich ausgezahlt. BMW schraubte dagegen auf zwei Autos zurück. Mit der Begründung, dass man schlicht Kundensport betreibe und sich mehr auf die wenigen Autos fokussieren will. Wie schnell einem die Felle dabei davon schwimmen, musste Rowe Racing früh realisieren. Zunächst schied die #99 aus, nachdem Vorjahressieger Connor de Phillippi einem anderen Auto auffuhr und sich dabei den Kühler beschädigte. Nach einem kurzen Stopp im Notausgang im Bereich Breidscheid ging es zwar weiter, doch später folgte aufgrund des Kühlerschadens eine Überhitzung des Motors und damit war endgültig Schluss.

Die #98 war nach einer Strafe wegen eines Gelbvergehens von 3.32 Minuten um kurz nach 22 Uhr noch auf einem guten Weg in die Top 5. Doch gegen 4.30 Uhr morgens streikte die Technik: Probleme mit dem elektrischen Drosselklappensteller. Der Defekt trat vorher noch nie auf. Dafür erwischte es gleich mehrere BMW in diesem Rennen. Auch der Falken-BMW haderte mit diesem Thema, das eine über halbstündige Reparaturpause am Samstagabend nötig machte. Immerhin wurde die #102 von Walkenhorst noch 13. und damit bestplatzierter BMW M6 GT3.

Fan-Reportage - 24h-Rennen Nürburgring 2018 - Nordschleife Fan-Reportage 24h-Rennen 2018 Pool-Position an der Nordschleife

Bei Audi war es weniger die Technik als vielmehr Unfälle, die kein Auto mit den vier Ringen nach vorne brachte. Die #8 von WRT schied mit einem spektakulären Crash von Dries Vanthoor im Bereich Tiergarten aus – an der schnellsten Stelle der Nordschleife. Der Belgier kam angeflogen, musste sich zwischen zwei langsamen Autos durchschlängeln, streifte den rechts fahrenden Porsche Cayman dabei leicht und beschädigte sich dabei den Reifen, der anschließend in der Kompression komplett zum Bersten gebracht wurde und Vanthoor zum Passagier machte. Auch der #1 Audi von Land Motorsport war noch in aussichtsreicher Position am Sonntagmorgen, doch in einer Regenphase krachte Kelvin van der Linde auf nasser Strecke mit geschnittenen Slicks in die Planke. Man wurde noch 6. vor dem Phoenix-Audi, der offenbar einen Performance-Nachteil mit den Dunlop-Reifen hatte.

Welchen Unterschied machten die Reifen?

Nach dem Sieg des Dunlop bereiften Audis in 2017 wollte die Marke auch in diesem Jahr angreifen. Unter anderem waren die beiden Porsche von Frikadelli und ein Audi R8 LMS von Phoenix und einer von Mücke mit den Pneus ausgestattet. Und auch Falken wollte mit dem eigenen Team, in dem ein BMW und Porsche ausgerüstet werden, ein Wörtchen mitreden. Doch am Ende hatte Michelin die Nase vorn. Während die Franzosen im Vorjahr mit dem neuen Reifenreglement verwachsten, holte man den Rückstand schnell auf.

Bei trockenen Bedingungen war der Michelin im Vergleich zum Dunlop nur wenige Sekunden schneller, doch im Regen soll es beim eklatanten Nachteil für Dunlop geblieben sein. Falken war vor allem zu Beginn mit dem #44 Porsche gut dabei, fiel dann aber im Laufe des Rennens zurück, weil man nicht immer den richtigen Reifen passend zum Temperaturfenster gewählt hatte.

Neuester Kommentar

Boooooring! Intransparenter Motorsport mit nicht nachvollziehbaren Restriktionen (BoP-Regelungen). Das rennen wird auch immer wieder durch die deutlich langsameren Autos kaputt gemacht. Besser wäre ein 24-Rennen für die Profis (GT3-Klasse und Prototypen á la Glickenhaus etc.) und ein getrenntes 24-Rennen ausschließlich für Amateure OHNE Werksunterstützung. Dafür dann in der Profi-Klasse auch keine Restriktionen hinsichtlich Standzeiten in den Boxen. Dazu einfach ein Mindestgewicht vorgeben und ein maximales Tankvolumen. Dazu noch ein paar Parameter einfrieren (Drehzahllimit, Ladedruck) und fertig. Die Aerodynamik kann man hinsichtlich des maximal erlaubten Verhältnisses der Anpresskraft zu Gewichtskraft des Fahrzeugs beschränken. Die Lastverteilung bei maximaler aerodynamischer Wirksamkeit kann auch vorgegeben werden. Wenn Porsche dann durch sein Heckmotorkonzept Nachteile hätte, müssten sie eben einen Cayman als GT3-Auto einsetzen. BMW müsste dann auf Basis des i8 (dann ohne E-Motor, wenn Hybride nicht zugelassen werden) einen GT3-Auto aufbauen. Dann wäre zum einen der Spitzenmotorsport mehr im Vordergrund und die Amateurklasse wäre auch wieder spannender. Es ist doch eine Schande mit anzusehen, wie die Fahrer in den langsamen Klassen nach den ersten paar Runden nur noch in den Rückspiegel gucken müssen und gar nicht mehr ihr eigenes Rennen fahren können. Sieht nicht so aus, als dass denen das riesig Spaß macht.

ExigeE265 14. Mai 2018, 14:31 Uhr
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