Rennanalyse GP England

Dominanz beim Heimspiel

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Der Chaos-Grand Prix von Silverstone brachte mit Lewis Hamilton einen überragenden Sieger hervor. In der Analyse blicken wir noch einmal auf die entscheidenden Momente der Regenschlacht.

Warum fuhr Lewis Hamilton der Konkurrenz derart dominant davon?

Neben der überragenden fahrerischen Leistung ohne große Abflüge und Dreher profitierte der Brite vor allem von der richtigen Reifenwahl. Während die Konkurrenz von Ferrari beim ersten Stop auf den angefahrenen Intermediates blieb, wechselte Hamilton auf neue Reifen. "Die Entscheidung traf Lewis selbst", bestätigte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh nach dem Rennen.

Beim 23-Jährigen fiel die Wahl allerdings auch einfacher als bei anderen Teams. Hamilton beansprucht die Bridgestone-Gummis überdurchschnittlich stark. So kam der Vizeweltmeister kurz vor dem ersten Stopp auch das erste und einzige Mal unter Druck, als Räikkönen mit besseren Reifen Zeit gutmachen konnte. Nach dem Stopp zog der McLaren-Pilot dagegen davon und gewann das Rennen souverän.

Warum wechselten einige Piloten beim ersten Stopp nicht auf neue Gummis?

Die beiden Ferrari-Piloten sowie Fernando Alonso ließen sich beim ersten Service keine neuen Reifen aufziehen. Wäre das Rennen wie bis dahin mit leichtem Nieselregen oder gar trockenem Wetter weitergegangen, hätte diese Taktik aufgehen können. Dann wären angefahrene Intermediates von Vorteil. "Es war eine gemeinsame Teamentscheidung" gab Räikkönen anschließend zu Protokoll. "Wir hofften, dass sich die Bedingungen verbessern."

Der Niederschlag nahm jedoch kurz nach dem Stopp wieder zu und ließ die Nicht-Wechsler weit zurückfallen. Bei BMW traf man die Entscheidung neue Reifen aufzuziehen sogar erst wenige Kurven bevor die Piloten in die Box einbogen. "Es ist gut ausgegangen. Wir hatten über das ganze Rennen immer die richtigen Reifen drauf", lobte Heidfeld anschließend die Strategie seines Teams.

Wie konnte Heidfeld gleich zwei Doppelüberholmanöver in Silverstone durchziehen?

Der Mönchengladbacher ist bei seinen Kollegen und Experten zugleich als kompromissloser Überholer geschätzt. Die beiden spektakulären Manöver gelangen jeweils in der Zielkurve, in der Heidfeld eine Linie mit viel Grip fand. In Runde 24 ließ er sowohl Timo Glock und Fernando Alonso hinter sich, in Runde 28 hatten die beiden Finnen Kimi Räikkönen und Heikki Kovalainen das Nachsehen.

"Es gehört natürlich auch immer eine Portion Glück dazu", gab der 31-Jährige anschließend zu. "Aber einen McLaren und einen Ferrari überholt man nicht alle Tage gleichzeitig in einer Kurve." Der BMW war in dieser Phase mit besseren Reifen ausgestattet als die Konkurrenten. Dass solche Manöver kein Einzelfall sind zeigte Heidfeld allerdings schon in Malaysia, als er mit Alonso und Coulthard ebenfalls zwei Piloten auf einen Streich passieren konnte.

Warum war Hamilton so viel schneller als sein eigener Teamkollege?

Hamilton fuhr beim Heimspiel in einer Liga für sich. Kovalainen musste dagegen sichtbar mehr mit seinem McLaren kämpfen. Das Auto war zwar perfekt für die Qualifikation abgestimmt, im Rennen schlug sich der Finne dagegen mit Traktionsproblemen auf der Hinterachse herum. Vor allem im langsamen hinteren Streckenabschnitt ließ Kovalainen viel Zeit liegen. Dazu kam der ein oder andere Ausrutscher, bei dem der Blondschopf zusätzlich an Boden verlor.

Warum wechselten nicht mehr Piloten auf Heavy-Wet-Reifen?

Beim großen Regenguss zur Mitte des Rennen entschied sich Rubens Barrichello als einer der wenigen schnell dafür, auf Extrem-Regen-Reifen umzusteigen. Ein Vorteil von bis zu zehn Sekunden pro Runde rechtfertigte diesen Schritt schnell und spülte den Brasilianer am Ende bis auf das Podium vor. Dass die Top-Teams nicht die riskante Strategie mit den Regen-Gummis wählten, war verständlich. Sie hatten zu viel zu verlieren.

Für die verbliebenen Hinterbänkler, wie z.B. Sebastien Bourdais oder auch Felipe Massa gab es mit einer konservativen Strategie dagegen kaum einen Weg in die Punkte. Hier zögerten einige Teams eindeutig zu lange. Nur Nico Rosbergs wechselte auch auf die schnelleren Reifen. Sein Vortrieb wurde jedoch von einem Auffahrunfall gegen Timo Glock gestoppt. "Sonst wären wir locker in die Punkte gefahren", trauert der Wiesbadener der vergebenen Chance nach.

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