Erstes Roboter-Auto fährt Bergrennen

Premiere beim Goodwood Hill Climb

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Roborace schickt mit seinem Robocar das erste vollautonome Roboterauto auf ein Bergrennen. Auf dem Goodwood Hill Climb soll das von einem Deutschen gezeichnete Auto gegen menschliche Fahrer antreten.

Die Piste ist mit 1.867 Metern nur etwas länger als eine Seemeile, der Höhenunterschied beträgt nur 92,7 Meter und die fieseste Steigung bringt es gerade mal auf niedliche 4,9 Prozent: Die Bezeichnung des Goodwood Hill Climb als „Bergrennen“ bedarf einer Prise britischen Humors. Dabei ist das Rennen an sich durchaus eine ernsthafte Zeithatz: Rekordhalter ist seit 1999 Nick Heidfeld auf seinem Formel-1-Renner McLaren MP4/13 – der Deutsche brauchte 41,6 Sekunden und fuhr damit durchschnittlich 161.554 km/h schnell. Jetzt möchte der englische Rennstall Roborace an dem während des Goodwood Festival of Speed (12. bis 15. Juli 2018) stattfindenden Rennens mit einem vollautonomen Auto teilnehmen.

Ohne Fahrer, aber mit vier Motoren

Das Robocar wird von vier Elektromotoren mit einer Leistung von je 135 Kilowatt (184 PS) angetrieben – ein Motor für jedes Rad. Insgesamt ist das Robocar also mit 540 Kilowatt (736 PS) unterwegs. Da es autonom fährt, gibt es kein Cockpit. Der Wagen orientiert sich per LiDAR (light detection and ranging – optische Abstands- und Geschwindigkeitsmessung), Radar, GPS, Ultraschall und per Kamerabildern. Laut Sergey Malygin, Chef-Softwareentwickler bei Roborace, ist die Routenfindung gar nicht so einfach – das Roboterauto muss sich vor allen Dingen an den die Strecke begrenzenden Heuballen und Fels-Steinwänden sowie dem in unmittelbarer Streckennähe befindlichen Wald orientieren, außerdem sei die Strecke sehr eng und komplex. Verarbeitet werden die von den Sensoren gesammelten Daten über einen fürs autonome Fahren entwickelten Nvidia-Drive-PX-2-Prozessor. Robocar hat für den autonomen Renner eine eigene API entwickelt (application programming interface – Programmierschnittstelle). Diese Schnittstelle bieten die Briten auch anderen Herstellern von autonomen Fahrzeugen an.

Roborace Robocar Foto: Roborace
Das Robocar muss sich in Goodwood unter anderem am die Rennstrecke umgebenden Wald orientieren.

Entworfen von einem Deutschen

Das konzeptionelle Design zeigt einen neuen Typ Rennwagen: Das beginnt schon an der geöffneten Front und setzt sich bis ans Heck fort. Dabei bleibt die Formelsprache sanft und verzichtet auf scharfe Kanten. Eingepfercht in enge Radhäuser sind die mächtigen Räder, ein Cockpit gibt es verständlicherweise nicht. Es ist kein Zufall, dass das Robocar ein bisschen an den Film „Tron“ erinnert, schließlich wurde der Wagen von Fahrzeugdesigner Daniel Simon gezeichnet. 1975 in Stralsund geboren, hat er bereits sowohl für Autohersteller (Bugatti, Honda) als auch für Filmproduzenten gearbeitet (Tron Legacy (2010), Tron: Der Aufstand (2011) und Captain America: The First Avenger (2012)). „Das Robocar sollte die Möglichkeiten ausschöpfen, die ohne Fahrgastzelle drin sind.“, sagt der deutsche Automobildesigner. Im Laufe der Robocar-Entwicklung habe er mit Aerodynamik-Experten und Renn-Ingenieuren zusammengearbeitet. Obwohl das abgespacte Gefährt ohne üppige Spoiler auskommt, soll der produzierte Abtrieb enorm sein. „Wir haben den Unterboden als unsere Hauptabtriebsquelle genutzt“, sagt Simon. Zusätzlich sei geplant, aktive Elemente in den skulpturalen Rennwagen zu integrieren, die auf keinen Fall aufgesetzt wirken dürfen. Vielmehr könnten die Lösungen so aussehen wie beim Ferrari LaFerrari, der seine aktive Aerodynamik gut versteckt hat, und sie nur zeigt, wenn sie auch benötigt wird.

Roborace Robocar, Formel E 2016, Autonomes Fahren Foto: Daniel Simon
Science-Fiction: Das Robocar erinnert nicht zufällig an die Renner aus dem Film "Tron".

Das Goodwood Festival of Speed und das dazugehörige Hill Climb gibt es seit 1993 – somit feiert das Rennen dieses Jahr seinen 25. Geburtstag. Charles Henry Gordon-Lennox, 11. Duke of Richmond, ist als Eigentümer der Goodwood-Ländereien und Ausrichter des Festivals hocherfreut über die Teilnahme eines Roboterautos an seinem kleinen Bergrennen: „Ich kann mir keinen aufregenderen Weg vorstellen, unser Silberjubiläum zu feiern, als Roborace den ersten autonomen Rennwagen den Hügel hinauffahren zu lassen.“, so der geschäftstüchtige und autobegeisterte Duke.

Elektro-VW I.D. R Pikes Peak auch in Goodwood erfolgreich
Romain Dumas bewahrt nach Pannen Ruhe

Elektroautos bei Bergrennen auf dem Vormarsch

In Sachen Elektroautos bei Bergrennen schlug Volkswagen gerade einen fetten Nagel ein: Mit dem VW I.D. R Pikes Peak fuhr 2018 erstmals ein Elektroauto den Gesamtsieg beim Pikes Peak International Hill Climb ein. Außerdem knackte der I.D. R die Gesamt-Bestzeit und Fahrer Romain Dumas schaffte als erster die 19,99 Kilometer lange Strecke in unter acht Minuten. Die dünne Höhenluft und die vergleichsweise kurze Distanz kommen Elektroautos zugute. Angeblich denkt VW darüber nach, nach dem Pikes-Peak-Rekord jetzt auch den Goodwood-Rekord zu knacken. Roborace backt beim Goodwood Hill Climb eher kleinere Brötchen und will erstmal fehlerfrei ankommen.

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