Macau-Crash von Sophia Flörsch

Operation erfolgreich, Pilotin fliegt in die Heimat

Sophia Flörsch - Formel 3 - Macau Grand Prix 2018 Foto: MacauGP 6 Bilder

Sophia Flörsch wurde nach ihrem Horror-Crash in Macau erfolgreich am gebrochenen Halswirbel operiert. Verschiedene Videos zeigten, wie es genau zu dem Unfall kam, bei dem insgesamt fünf Personen verletzt wurden. Am 26. November meldete die Pilotin, dass sie die Heimreise antritt.

Sophia Flörsch muss bei ihrem schweren Crash in Macau einen besonders aufmerksamen Schutzengel an Bord gehabt haben. Bei einem Safety-Car-Restart geriet die 17-jährige Münchnerin auf der langen Geraden im Kampf um Platz 15 mit Konkurrent Jehan Daruvala aneinander und verlor die Kontrolle über ihren Van-Amersfoort-Dallara.

Prema-Pilot Guanyu Zhou, der direkt dahinter fuhr, sah das Unheil kommen: „Das war echt ein furchteinflößender Anblick. Am Ausgang der Mandarin-Kurve wurden plötzlich gelbe Warnlichter gezeigt. Das war offenbar ein Fehler der Streckenposten. Sophia war ganz nah dran an Jehan. Als er plötzlich Tempo rausnahm, konnte sie nicht mehr reagieren. Sie hat sein rechtes Hinterrad getroffen und wurde dadurch umgedreht. Dann ist sie auf die Lisboa-Kurve zugeflogen.“

Mit abgeknickten Rädern war Flörsch ab diesem Moment nur noch Passagier in ihrem Formel-3-Renner. Die Speedmessung kurz vor dem eigentlichen Bremspunkt wies eine Geschwindigkeit von 276,2 km/h aus. Doch weil das Auto auf der dreckigen Innenspur rückwärts auf dem Unterboden rutschte, war von einer Bremswirkung kaum etwas zu spüren. Ein hoher Randstein am Eingang der Lisboa-Kurve, der dieses Jahr zum ersten Mal dort montiert wurde, katapultierte das Auto in die Luft.

Crash in einen Fotografen-Unterstand

Der japanische Formel-3-Meister Sho Tsuboi befand sich am Kurveneingang als zusätzliche Sprungschanze direkt in der Flugbahn von Flörsch und wurde, wie die Reifenspuren später deutlich zeigten, am Cockpitrand und am Überrollbügel getroffen. Die Münchnerin stieg dadurch noch ein Stückchen weiter in die Höhe, durchbrach einen Fangzaun und schlug in einen provisorischen Unterstand ein, der für Fotografen und Streckenposten errichtet wurde.

Durch die Wucht des Aufpralls riss es das Blechdach von der Hütte. Wie durch ein Wunder kam niemand im Inneren ums Leben. Ein Fotograf musste mit einer Leberverletzung ins Krankenhaus. Bei einem seiner Kollegen wurde eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Auch ein Streckenposten wurde erwischt. Er erlitt Verletzungen am Oberkörper und im Gesicht, darunter einen Kieferbruch.

Tsuboi war ebenfalls zur Untersuchung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der Japaner hatte über Rückenschmerzen geklagt, kam aber mit dem Schrecken und einigen Prellungen davon. Er konnte die Klinik noch in der Nacht verlassen.

Flörsch verlässt Krankenhaus

Um Flörsch musste man sich nach Anblick der Bilder und ihres völlig zerstörten Autos ernsthafte Sorgen machen. Doch die Teenagerin kam bei der unfreiwilligen Flugeinlage noch verhältnismäßig glimpflich davon. Begleitet von ihrem Vater wurde Flörsch mit einem gebrochenen Halswirbel ins Krankenhaus eingeliefert. Dabei war sie, wie übrigens alle Beteiligten, die ganze Zeit bei Bewusstsein.

Noch am Montag (19.11.2018) nach dem Rennen musste die Patientin unters Messer. Wie die Ärzte nach dem elfstündigen Eingriff mitteilten, wurde Flörsch sehr behutsam behandelt, um das Rückenmark nicht zu verletzen. Komplikationen habe es dabei zum Glück keine gegeben, Lähmungserscheinungen ebenfalls nicht. Flörsch könne die Beine spüren und bewegen, erklärten die Mediziner.

Am Montag, 26.11.2018, meldete sich Flörsch über einen Facebook-Beitrag bei ihren Fans. Sie fliege heute zurück in die Heimat, berichtete sie. Flörsch bedankte sich bei den Ärzten, den Krankenschwestern und noch einmal bei den Streckenposten, den Organisatoren und Mercedes. „Ich habe am 18.11.2018 meinen zweiten Geburtstag in Macau gefeiert. Jetzt beginnt ein neues Kapitel. Ich kann es kaum erwarten. Volle Konzentration auf 2019“, schloss die Fahrerin ihre Botschaft ab. Nun beginnt für die schnelle Bayerin eine längere Reha-Phase.

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