Spionage-Affäre

Besuch bei McLaren

Foto: Mercedes 9 Bilder

Update + + McLaren-Mercedes wird die Schatten der Spionageaffäre nicht los. Zweieinhalb Wochen vor Saisonbeginn bekam am Mittwoch (27.2.) die McLaren-Zentrale im englischen Woking Besuch von englischen und italienischen Beamten.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft in Modena durchsuchten sie Häuser und die McLaren-Fabrik. Laut "Times" sollen die Wohnungen von McLaren-Chef Ron Dennis, Geschäftsführer Martin Whitmarsh, Manager Jonathan Neale, Technik-Direktor Paddy Lowe und Designer Rob Taylor sowie von Ex-Chefdesigner Mike Coughlan durchsucht worden sein.

Schädliche Aktion für McLaren

Nach Ansicht britischer Medien trifft die Aktion vor allem Ron Dennis, dessen Position als Teamchef immer schwächer wird. "Polizei-Untersuchungen mehren die Zweifel an der Zukunft von Ron Dennis mit McLaren", titelte die "Times". Diese Aktion sei für Dennis persönlich und für ein Team, das dringend das Trauma des vergangenen Jahres hinter sich lassen wolle, sehr schädlich. Die "Daily Mail" schrieb am Donnerstag: "Ron Dennis’ Formel-1-Karriere war nahe vor dem Kollaps." Sie berichtete von "dramatischen Ereignissen" am Mittwoch.

McLaren hatte am Mittwochabend die Durchsuchungen bestätigt. Angaben, welche Privathäuser die Polizisten aufgesucht hatten, nannte das Team nicht. Es handle sich um einen ganz normalen Vorgang in Verbindung mit den fortdauernden Ermittlungen durch die italienische Staatsanwaltschaft. Sie würden von McLaren unterstützt, teilte der Rennstall mit.

Nachwirkungen der Spionage-Affäre

Es geht bei den Ermittlungen um den Verdacht der Industriespionage, nachdem im vergangenen Jahr der nach Bekanntwerden der Affäre umgehend suspendierte Coughlan im Besitz von vertraulichen Ferrari-Informationen gewesen war. Bekommen haben soll er sie vom ehemaligen Chefmechaniker der Scuderia, Nigel Stepney. Dieser bestreitet aber weiterhin, das Material weitergeleitet zu haben.

Die Schlagzeilen um die Untersuchungen zweieinhalb Wochen vor dem Saisonauftakt in Melbourne dürften auch die Spekulationen um eine Übernahme von McLaren durch Partner Mercedes weiter anheizen. Dem deutschen Automobilbauer gehören 40 Prozent an dem Rennstall. "Tatsache ist, dass in unserem Formel-1-Team der bekannte Status quo existiert, und dieser bedeutet eine unveränderte Führungsmannschaft mit gleichbleibenden Zuständigkeiten", teilte Mercedes bereits am Mittwoch als Reaktion auf einen spanischen Medienbericht mit. Die "Marca" hatte ohne Quellenangabe gemeldet, dass Dennis nach der Übernahme als Teamchef abgelöst würde. Laut "Times" soll Dennis selbst zum Zeitpunkt der Untersuchung zu Hause gewesen sein. Die Beamten hätten nichts mitgenommen, schrieb das Blatt.

Sportgerichtlich war McLaren mit Partner Mercedes mit der Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar belegt worden, zudem wurden alle Punkte aus der Konstrukteurswertung 2007 gestrichen. Erst durch ein nachdrückliches Entschuldigungsschreiben an den Internationalen Automobilverband FIA war die Spionage-Affäre sportrechtlich ad acta gelegt worden.

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