Spionage-Affäre

Freispruch für McLaren

Foto: FIA

Update + + Der FIA-Weltrat hat am Donnerstag (26.7.) entschieden, aus Mangel an Beweisen vorerst keine Strafe gegen das F1-Team McLaren-Mercedes zu verhängen.

Es war eine Marathonsitzung in zwei Portionen. Der FIA-Weltrat tagte 5.15 Stunden, bis er im Spionage Fall zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes ein Urteil fällte. Das ist Rekord.

McLaren-Mercedes wurde freigesprochen. Das Teammitglied Mike Coughlan habe die vertraulichen Informationen über Ferrari zwar nachweislich in Besitz gehabt, und mindestens zwei weitere McLaren-Mitarbeiter hätten von der Existenz dieser Dokumente gewusst, doch gäbe es keinerlei Beweise, dass McLaren in irgendeiner Form davon profitiert habe.


Keine Vorteilnahme nachweisbar


Ein Abgleich sämtlicher Entwicklungsschritte am McLaren MP4-22 in diesem Jahr mit den bei Ferrari entwendeten Zeichnungen ergab, das nicht ein Detail auch nur im entferntesten Sinne übernommen worden war. Die Untersuchung der FIA nahm eine Woche in Anspruch. Trotzdem will die FIA den Fall nicht ganz schließen. McLaren stehe weiter unter Beobachtung, heißt es in der Urteilsbegründung. Sollten neue Beweise auftauchen, die auf eine stärkere Verwicklung in den Fall schließen lassen, dann nimmt sich der Weltverband das Recht heraus, das Team von der WM auszuschließen.

Es ging offenbar hoch her bei der Sitzung hinter verschlossenen Türen. Zu einem Zeitpunkt soll es sogar zu einem Kreuzverhör zwischen Ferrari-Chef Jean Todt und McLaren-Direktor Ron Dennis gekommen sein. Todt ist als Vertreter der Teams Mitglied in dem 26-köpfigen Weltrat, durfte aber als Beteiligter nicht mit abstimmen. Das Urteil des FIA-Weltrates fiel übrigens einstimmig.

McLaren-Mitarbeiter wussten Bescheid

Im Verlauf der Befragung von McLaren kam auch die tatsächliche Verwicklung von Geschäftsführer Jonathan Neale und dem Ingenieur Rob Taylor zur Sprache. Coughlan hatte in seiner eidesstattlichen Erklärung zugegeben, mit den genannten Kollegen über sein Hintergrundwissen gesprochen zu haben. Demnach trug sich Coughlan mit Kündigungsgedanken, weil er bei McLaren mit seiner Position als Qualitätschef nicht mehr zufrieden war. Sein Chef Jonathan Neale wollte ihn davon abhalten.

Bei einem Vieraugengespräch in einem Golfclub außerhalb der McLaren-Fabrik habe man sich auf ein Verbleib Coughlans in der Firma geeinigt. Coughlan habe dann ein Dokument gezückt, das wie eine technische Zeichnung aussah und mit Geheiminformationen geprahlt. Neale habe ihm daraufhin gesagt: "Was auch immer du da hast, wirf es weg."

Auch der Ingenieur Rob Taylor war von Coughlan angesprochen worden. Taylor hatte früher bei Ferrari gearbeitet. Coughlan wollte von Taylor wissen, ob ihm das Ferrari-Bremssystem, über das er Informationen verlagen, von früher bekannt sei und ob das für McLaren interessant sein könne. Taylor verneinte daraufhin, weil McLaren vom Konzept her ein völlig anderes Bremssystem einsetze, man deshalb auch nichts kopieren könne.

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