24h Le Mans 2010: Taktikspiele von Audi und Peugeot

Welche Boxenstopp-Gleichung geht auf?

Peugeot 908 HDI Foto: xpb 22 Bilder

Audi und Peugeot haben ihre Dieseltriebwerke im Winter noch einmal modifiziert. Der Verbrauch könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Eine Runde mehr pro Stint spart am Ende der 24 Stunden zwei ganze Boxenstopps. Geht die Gleichung auf?

Neben dem Radikalumbau der Aerodynamik standen bei Audi Modifikationen beim Motor an: "Wir haben versucht, die Leistung, die uns der ACO für 2010 weggenommen hat, durch Feinarbeit zurückzuholen", sagt Audi-Motorenchef Ulrich Baretzky. In der Theorie sollte der V10-TDI-Motor dem Peugeot-Triebwerk konzeptionell überlegen sein, weil der V12 wegen der immer kleineren Restriktoren aus seinem optimalen Betriebsfenster herauszufallen droht.

"Für die erzielbare Leistung ist unser V12-Motor eindeutig zu schwer - wie übrigens auch das Getriebe", gibt Peugeot-Technikchef Bruno Famin zu. Beim Thema Motor spielt für Le Mans der Verbrauch eine kriegsentscheidende Rolle. Joest-Technikdirektor Ralf Jüttner geht davon aus, dass 12 Runden die Regelreichweite sein sollten - sowohl für Audi als auch für Peugeot.

Peugeot plant wieder mit 13-Runden-Stints

Bruno Famin sieht die Sache anders: "Wir sind im letzten Jahr mehrfach 13 Runden gefahren. Die Frage ist immer, wie viel Rundenzeit verliere ich mit weniger Motorleistung, und was gewinne ich über die Distanz durch weniger Boxenstoppzeit? Da muss man sehr genau rechnen."

Laut der Theorie spart eine Runde mehr pro Stint zwei Boxenstopps. Oder im Umkehrschluss: Um eine geringere Reichweite von einer Runde zu kompensieren, muss man zwei Sekunden pro Runde schneller fahren. Die Prognose lautet: Wenn die Speeds zwischen Audi und Peugeot annähernd gleich sein sollten, werden die Teams zwei Wagen auf eine aggressive Strategie setzen - also mit voller Leistung und einer Reichweite von 12 Runden operieren. Das jeweils dritte Auto könnte dagegen auf eine Spritspartaktik angesetzt werden.

Zuverlässigkeit sollte kein Problem sein

Zur Fahrzeug-Performance gehört das Thema Standfestigkeit. Audi plant bis Le Mans mit 42.000 Testkilometern. "Bisher hatten wir weder bei den Tests noch bei den Renneinsätzen mechanische Probleme", so Ralf Jüttner. "Nach menschlichem Ermessen sind wir aussortiert."

Das Gleiche dürfte allerdings für Peugeot zutreffen, deren 908-LMP1 in sein viertes und letztes Einsatzjahr geht. "Wir haben die kleinen Probleme, die uns 2009 in Le Mans behinderten, aussortiert", so Famin. Dazu gehörten die Überarbeitung der Kupplung, der Wechsel auf AP-Bremskomponenten sowie eine Verbesserung der Radaufnahmen.

Peugeot-Ingenieure auf der Suche nach Leistung

Außerdem hat Peugeot hart daran gearbeitet, die durchs Reglement bedingten Leistungseinbußen durch Feintuning beim Motor sowie Detailarbeit im Motorumfeld zu kompensieren. Dazu gehörte die Reibungsoptimierung bei Ölpumpe, Wasserpumpe und anderen Nebenaggregaten sowie eine staudruckoptimierte Auspuffanlage.  

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