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Interview mit Toyota-Technikchef Pascal Vasselon

„Heute sind alle Autos Hasen“

Pascal Vasselon - Toyota - Motorsport - 24h-Rennen Le Mans 2017 Foto: xpb 20 Bilder

Toyota-Technikchef Pascal Vasselon erklärt im Gespräch mit auto motor und sport den Aerodynamikvorteil des TS050H, die Entscheidung für ein drittes Auto und seine Meinung zum neuen Reglement ab 2020.

17.06.2017 Michael Schmidt Powered by
Die LMP1-Autos sollten eigentlich langsamer sein, sind aber schneller. In welchem Bereich haben Sie am meisten der verlorenen Zeit kompensiert?

Vasselon: Regeländerungen werden nie dazu gemacht, die Autos langsamer zu machen, sondern den Fortschritt einzubremsen. In diesem Jahr bezogen sich die Änderungen ausschließlich auf die Aerodynamik. Auf den Frontsplitter und die Diffusorgröße. Das war auf dem Papier in Rundenzeit umgerechnet 4,5 Sekunden Verlust. Das haben wir kompensiert. Und noch übertroffen.

Toyota scheint gegenüber Porsche einen Aerodynamik-Vorteil zu haben. Hilft Ihrer Truppe in Köln da die Formel 1-Erfahrung?

Vasselon: Die Formel 1 ist keine Magie. Es stimmt, dass wir dieses Jahr ein bisschen besser als Porsche sind. Wir sind schneller in den Porsche-Kurven und auf den Geraden. Das spricht für eine bessere aerodynamische Effizienz. Die Gründe dafür sind einfach und haben nicht mit unserer Formel 1-Vergangenheit zu tun. Zielsetzung, Prozesse, Erfahrung, Kreativität deiner Leute. Unsere kreativsten Leute kommen nicht aus der Formel 1. Aus der konnten wir höchstens ein paar Prozesse übertragen.

In der Qualifikation lag Ihr Vorsprung bei rund 2,5 Sekunden. Erwarten Sie das gleiche für das Rennen?

Vasselon: Nein, da wird er kleiner sein. Deuten Sie in den Speed auf eine Runde nicht zu viel hinein. Es gibt viele Faktoren, die in der Qualifikation die Rundenzeit bestimmen, und einer der wichtigsten ist Verkehr auf deiner schnellen Runde. Was wir für unsere Analysen tun, ist, dass wir den Durchschnitt unserer besten Sektorzeiten hernehmen, sie zu einer Runde addieren und sie dann mit Porsche vergleichen, die wir nach dem gleichen Kriterium bewerten.

Wovor haben Sie In Le Mans trotz des schnelleren Autos am meisten Angst?

Vasselon: An erster Stelle Unfälle im Verkehr. Das kannst du nicht steuern. Einer hat einen Unfall, reißt ein anderen mit und plötzlich steckst du mittendrin, weil du zufällig in der Nähe bist. Die zweite Angst sind Defekte, die sich einmal im Leben ereignen, weil du sie vorher nie gehabt hast. Auch davor kannst du dich schützen.

So wie letztes Jahr der tragische Ausfall eine Runde vor Schluss?

Vasselon: Genau. Das Teil, das den Ausfall verursacht hat, hat vorher immer 17.000 Kilometer gehalten. Und es galt nicht als kritisches Teil. Trotzdem ist es nach 5.300 Kilometer kaputtgegangen.

Haben Sie seitdem etwas an den Prozessen geändert?

Vasselon: Nein. Das würde viel zu viel Geld kosten, sich gegen alles abzusichern. Dabei besteht die Gefahr, dass du die wichtigen Dinge übersiehst. Es wäre falsch, jetzt ein halbes Jahr damit zu verbringen, einem Problem hinterherzulaufen. Du bekämpfst nicht ein Problem, sondern 1.000.

Warum setzt Toyota in diesem Jahr drei Autos ein?

Vasselon: Organisatorisch ist es kein Problem für uns. Vom Budget her gab uns dieses Jahr eine Chance. Wir mussten keinen großen Technologiesprung finanzieren, sondern uns lediglich in allen Bereichen verbessern. Der Turbomotor, das Hybridsystem und das Chassis blieben von der Basis her gleich. Das hat drei große Kostenfaktoren eingegrenzt. Warum wir ein drittes Auto einsetzen? In den letzten drei Jahren hatten wir zwei Mal die Chance mit je zwei Autos zu gewinnen. Beide Male ist das Gleiche passiert. Ein Auto war in einen Unfall verwickelt, das andere fiel mit einem einmaligen Schaden aus. Das dritte Auto sichert uns dagegen ab.

Nutzen Sie das dritte Auto auch strategisch?

Vasselon: Natürlich. Alle drei Autos gehen mit einem gewissen Risiko-Management in das Rennen. Der Vorteil ist, dass du mit drei Autos mehr Informationen hast. Zum Beispiel in Bezug auf die Reifenwahl. Wir werden nicht ein Auto absichtlich einbremsen, um es über die Runden zu bringen.

Spielt einer den Hasen für Porsche?

Vasselon: Heute sind alle deine Autos Hasen.

Der ACO hat die LMP1-Regeln ab 2020 verkündet. Sind Sie zufrieden damit?

Vasselon. Wir haben an diesen Regeln mitgearbeitet und müssen deshalb zufrieden sein.

Auch mit den Aerodynamik-Restriktionen?

Vasselon: Ich sehe nichts, etwas gegen nur ein Aero-Kit für eine Saison spricht. Dann musst du halt clever sein, den richtigen Kompromiss zu finden. Wir hätten lieber andere Dinge stärker begrenzt statt der Aero. Sie ist im Vergleich zu anderen Komponenten billig im Vergleich zur Rundenzeit, die du dafür bekommst. Da kann auch ein Team mit weniger Ressourcen gut mithalten.

Werden diese Regeln Geld sparen?

Vasselon: Du kannst ein Reglement nicht nur am Kostensparen ausrichten. Wenn du das in den Vordergrund stellst, kannst du den Motorsport gleich aufgeben. Die WEC will Zukunfts-Technologie promoten, um für Hersteller attraktiv zu bleiben. Das hat Priorität. Erst dann kommen die Kosten. Aber man darf sie nicht so weit drücken, dass man dann gar nichts mehr entwickeln kann. Wenn es auf die DPI-Autos hinausgelaufen wäre, dann hätten wir aufgehört.

Ist die 2020er Regel den ersten Kilometer nach jedem Boxenstopp voll elektrisch zu fahren eine Augenwischerei?

Vasselon: Glaube ich nicht. Das ist sehr ähnlich den Plugin-Hybriden in den Städten. Es hat also Relevanz für die Serie. Das wird für uns das Schaufenster für unsere Serienentwicklung.

Wird dieser Kilometer so schnell sein wie der richtige Rennspeed?

Vasselon: Annährend.

Was macht Toyota, wenn Peugeot nicht kommt oder Porsche aussteigt oder beides passiert?

Vasselon: Dazu müsste ich in die Kristallkugel schauen können. Wir haben gewisse Sorgen. Im Moment können wir nur abwarten. Toyota glaubt an die Zukunft der WEC. Der Stand ist, dass drei Hersteller diese Regeln gemeinsam an einem Tisch diskutiert haben. Mehr lässt sich im Moment nicht sagen. Nichts und niemand ist im Motorsport sicher.

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