Toyota will den Doppelsieg in Le Mans

Reparatur-Kit für Notfall

Toyota TS050 Hybrid - Startnummer #7 - 24h-Rennen Le Mans 2018 - Qualifying Foto: xpb 15 Bilder
24h Le Mans

Toyota steht in der ersten Startreihe. Das war Pflicht. Das wird auch der Rennsieg in Le Mans. Doch in 24 Stunden kann vieles passieren. Toyota analysierte vergangene Zwischenfälle und Ausfallgründe, um sich für den Marathon abzusichern und endlich den langersehnten Le Mans-Sieg einzufahren.

Toyota stellt sich eine schwere Aufgabe. Obwohl es auf dem Papier einfach aussieht. Das Reglement bevorteilt die TS050 Hybrid gegenüber den fünf LMP1-Konkurrenzprodukten ohne Elektrokraft. Die Toyotas sind schneller, dürfen elf statt zehn Runden pro Stint fahren und ihre Boxenstopps fünf Sekunden schneller abwickeln. Das bringt den Japanern einen Vorteil von rund neun Minuten auf die Renndistanz. Ein Pfund.

Darin liegt die Krux. Alle Welt erwartet einen Sieg von Toyota. Und der Automobilgigant erwartet nichts Anderes als einen Sieg von sich selbst. Sollte Toyota wieder am Biest Le Mans scheitern, würde man sich bis auf die Knochen blamieren. Deshalb hat das Team mit Wurzeln in Japan und Einsatzort in Köln im Vorfeld alles unternommen, um die beiden TS050 Hybrid kugelsicher zu machen und Risiken zu minimieren.

Toyota deckt mehrere Szenarien ab

Der rund 1.000 PS starke Rennwagen hat vor Le Mans zwischen 25.000 und 30.000 Testkilometer abgestrampelt. Bei den Tests spielte Toyota laut Technikchef Pascal Vasselon fünf bis sechs Hauptszenarien durch, um Technikdefekte und Ausfälle auszuschließen, wie sie Toyota in all den Jahren häufig trafen. Teamdirektor Rob Leupen zählt auf, was die Japaner alles trainierten: „Fahren auf drei Rädern, Software-Ausfall, Elektronik-Ausfall, verschiedene Unfallszenarien und wie wir beim Boxenstopp gewisse Teile schnell und unkompliziert wechseln können.“

Toyota versucht, sich bestmöglichst für die 24 Stunden zu rüsten. Unfälle kann man aber nicht ausschließen. Da spielt immer auch das Glück eine Rolle. Man kann sich auch nicht gegen jeden Technik-Defekt absichern. Sollte der Motor kaputtgehen, ist das Rennen gelaufen. „Den darfst du nicht austauschen. Genauso wenig wie das Chassis.“ Im Vorjahr war Toyota mit drei Autos gestartet und erlebte bei allen drei Pannen. Zweimal rollten die TS050 Hybrid auf der Strecke aus. Weil der Strom aus der Batterie nicht ausreichte, in den weidwunden Autos zurück zur Garage zu humpeln. Toyota hat zwar eine Software entwickelt, wie von der Box aus die Elektroreserven so portioniert werden, damit die Autos zurückkommen. Doch dafür braucht es einen gewissen Ladezustand. Ist die Batterie leer, ist Feierabend.

Ein Reparatur-Set für die TS050

Die Kommunikation zwischen Box und Cockpit wurde intensiv geübt, um in Notfällen die richtigen Entscheidungen zu treffen. In jedem Auto steckt ein Reparatur-Kit bestehend aus Zange, Schraubenschlüssel, Inbus-Set. „Und einem Handy“, sagt Leupen. „Das ist das wichtigste, damit wir zu jeder Zeit mit dem Fahrer kommunizieren können.“ Toyota schulte seine Fahrer. „Sie wissen, wie sie ein loses Rad wieder draufkriegen oder abziehen müssen. Sie müssen sich im Fall der Fälle auch die Hände schmutzig machen.“

Alonso - Nakajima - Buemi - Toyota - 24h-Rennen Le Mans 2018 - Qualifying Foto: xpb
Fernando Alonso, Kazuki Nakajima und Sebastien Buemi starten von der Pole-Position in die 24 Stunden.

Die Pole-Position war Pflicht. Toyota parkte beide TS050 Hybrid in der ersten Startreihe für das 24h-Rennen Le Mans 2018. Das stärkste Konkurrenzauto, der Rebellion-Gibson mit der Startnummer 1, distanzierte der schnellere der beiden einzigen Hybrid-Rennwagen im Feld um über vier Sekunden. „Mit unserem Hybridvorteil mussten wir die restlichen LMP1 ohne Hybrid auf eine Runde klar schlagen“, fasste Leupen nüchtern zusammen.

Kazuki Nakajima glückte früh im dritten Qualifikationsteil die Bestmarke von 3:15.377 Minuten, mit der er das Schwesterauto um zwei Sekunden abhängte. Es fehlten nur 0,586 Sekunden auf den Streckenrekord aus dem Vorjahr, den Kamui Kobayashi aufgestellt hatte. Und den hätten die Japaner 2018 gerne geknackt. Der TS050 Hybrid jedenfalls hätte es laut Hochrechnungen des Teams schaffen können. Die Fahrer sind sich einig, dass der überarbeitete Rennwagen schneller ist als das Vorjahresmodell. Die Teamführung glaubt, dass man bei optimalen Verhältnissen mit leerem Tank, maximaler Leistung des 2,4-Liter-V6-Biturbos und maximalem Boost von 8 Megajoule aus den Energiespeichern die 3:14er Rundenmarke hätte knacken können. „Vielleicht hätten wir eine Sekunde schneller als letztes Jahr fahren können“, meint Leupen. Das hätte einer Rundenzeit von 3:13.7 Minuten entsprochen.

Keine Stallregie bis zum letzten Stopp

Dass es nicht geklappt hat, hatte unterschiedliche Gründe. „Kazuki ist eine wirklich gute Runde fahren“, berichtet Toyotas Motorsport-Teamdirektor. „Aber er klagte über eine eingeschränkte Sicht und leichten Nieselregen.“ Das schränkt das Vertrauen ein, was zwangsläufig in einem Zeitverlust resultierte. Kobayashis Rückstand von zwei Sekunden lässt sich nicht nur mit Verkehr erklären. „Die Runde war einfach bescheiden“, resümiert Leupen.

Toyota weiß: Die erste Startreihe ist nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum großen Ziel. Welche Konkurrenten haben die Japaner auf dem Schirm? „Den SMP Racing mit der Startnummer 17 und die beiden Rebellion. Wir müssen unseren Hybridvorteil im Verkehr ausspielen und das Restrisiko managen“, sagt Leupen. Die beiden Autos dürfen bis zum letzten Boxenstopp gegeneinander fahren. Erst dann will die Teamführung die Platzierungen einfrieren. „Eine Stallregie wird es vorher nicht geben. Es ist unsere Aufgabe als Team, die Fahrer in den beiden Autos fair fahren zu lassen. Wir werden aber nicht mit harten Bandagen kämpfen. Einen Unfall können wir uns nicht erlauben. Sollte zum Beispiel das hinterherfahrende Auto deutlich schneller sein, werden wir anweisen, dass es zu keinen Blockaden kommt.“

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