Vettel ersetzt Kubica

Sebastian Vettel wird beim GP USA sein Debüt in der Formel 1 geben. Zwei Wochen vor seinem 20. Geburtstag wird der Deutsche den Stammfahrer Robert Kubica vertreten. Der Pole hatte beim GP von Kanada einen spektakulären Unfall. Bei einer Untersuchung in Indianapolis verweigerte ihm Rennarzt Dr. Gary Hartstein die Starterlaubnis.

Vettel hatte im letzten Jahr als so genannter Freitags-Testfahrer in BMW-Diensten mehrfach aufhorchen lassen. Beim GP der Türkei war ihm im letzten August sogar die Bestzeit geglückt.

Hauptargument von Mediziner Hartstein für Kubicas Schutzsperre: Falls der Pole auch in Indianapolis einen Unfall hätte, könnte es zu irreparablen gesundheitlichen Folgen kommen, weil der Crash von Montreal lediglich eine Woche zurücklag.

Aus der Sicht des Betroffenen war vier Tage nach dem schwersten Unfall, den die Formel 1 in den letzten Jahren erlebt hatte, alles nur noch halb so schlimm. "Ich bin hundertprozentig ok", versicherte Robert Kubica nach seiner Ankunft im Speedway von Indianapolis. "Ich habe keine Kopfschmerzen. Ich fühle mich so, als wäre gar nichts passiert.

Rehabilitationsmaßnahmen und Test

Die Tage nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus Sacre Coeur in Montreal verbrachte Kubica in der Obhut des Physiotherapeuten Josef Leberer. Rehabilitationsmaßnahmen standen auf dem Plan. "Ich bin viel spazieren gegangen. Jetzt ist auch der Knöchel wieder in Ordnung."

Am Donnerstag Nachmittag mußte der Pole bei Dr. Gary Hartstein antreten. Dem permanenten Rennarzt der Formel 1 oblag die Entscheidung darüber, ob der Pole nur vier Tage nach dem bösen Unfall von Montreal wieder fahren darf.

Für Fälle wie die Sache Kubica hat die FIA ein standardisiertes Verfahren entwickelt, wonach die Eignung der Crashpiloten überprüft wird. Alle Fahrer müssen vor der Saison am Computer eine 25-minütige Prüfung absolvieren, bei dem sie auf Reaktionsschnelligkeit, Koordination und logisches Denken untersucht werden. Die Werte werden in einer Datenbank gespeichert. Nach einem schweren Unfall wird dieser Test vor dem ersten Training des nächsten Grand Prix wiederholt. Die dann erzielten Werte werden mit denen in der Datenbank verglichen. Weichen sie zu stark von der Referenz ab, darf der Fahrer nicht starten.

Über den Unfall konnte Kubica nur noch lachen. Auf die Frage, ob er sich den Crash mal im Fernsehen angeschaut habe, entgegnete er: "Ich habe ihn vor allem live gesehen. Und da hatte ich wirklich einen guten Platz."

Schuldfrage scheint geklärt

Auch die Schuldfrage scheint endgültig geklärt. Kubica war mit seiner Attacke auf seinen Vordermann Jarno Trulli etwas zu optimistisch. "Ich wollte ihn vor der Spitzkehre ausbremsen", sagt Kubica. Beim Ausscheren aus dem Windschatten des Toyota berührten sich die beiden Autos. Der Frontflügel des BMW riss ab. "Dann hat es ihn unter die Vorderräder geschoben", so Kubica weiter. "Das war der Grund dafür warum mein Auto abhob."

Im ersten Schock ging Kubica davon aus, dass Trulli eine "allzu weite Linie fuhr", um ihn zu blockieren. Der Italiener wurde jedoch von dem Verdacht, den Unfall zumindest fahrlässig ausgelöst zu haben, freigesprochen. FIA-Renndirektor Charlie Whiting konnte nach ausgiebigem Studium der Streckenkameras nicht ungewöhnliches feststellen, und auch Augenzeuge Kimi Räikkönen bestätigte: "Da war alles in Ordnung."

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