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Toyota TS050 Hybrid - Vortest - 24h-Rennen Le Mans 2017
Toyota TS050 Hybrid - Vortest - 24h-Rennen Le Mans 2017
Toyota TS050 Hybrid - Vortest - 24h-Rennen Le Mans 2017
Toyota TS050 Hybrid - Vortest - 24h-Rennen Le Mans 2017 30 Bilder

Vortest 24h-Rennen Le Mans 2017

Toyota eine Klasse besser als Porsche

Alle hatten erwartet, dass Toyota beim Vortest in Le Mans schneller sein würde als Porsche – aber nicht so deutlich: Porsche lag mit dem 919-Hybrid-LMP1 3,4 Sekunden hinter den Toyota. Ist das Rennen in Le Mans damit jetzt schon gelaufen?

Toyota ließ beim Vortest zum 24h-Rennen in Le Mans die Muskeln spielen, und schockte das Porsche-Lager: Kamui Kobayashi schaffte mit dem TS050 Hybrid eine Bestzeit von 3.18,132 Minuten und erklärte anschließend ganz cool, es wäre sicher auch noch schneller gegangen, da ihn der Verkehr mit den 60 Autos auf der Rennstrecke doch etwas aufgehalten habe.

Dem bestplatzierten Porsche 919 Hybrid auf Platz vier fehlten bereits 3,380 Sekunden auf die Bestzeit der Japaner, und sogar Porsche-Teamchef Andreas Seidl sprach unumwunden von einem „beeindruckenden“ Abstand.

Allerdings fuhr Kobayashi eine Qualifying-Simulation mit wenig Sprit und frischen Reifen, während Porsche auf das zeitintensive Unterfangen verzichtete, weil die Schwaben sowieso schon anderthalb Stunden Streckenzeit einbüßten, da nach einem Ölleck am Auto mit der Startnummer #2 sicherheitshalber der Motor getauscht werden musste.

Was sind die Zeiten beim Le Mans-Vortest wert?

Bei der Bewertung der Vortest-Rundenzeiten scheint also Vorsicht geboten, der Abstand von Porsche könnte am Rennwochenende kleiner ausfallen, da die Kombination aus wenig Sprit und frischen Reifen beim Qualifying-Versuch locker zwei bis drei Sekunden ausmachen kann. Doch bei Porsche gab man offen zu, dass Rundenzeiten im Bereich von 3.18 Minuten nicht auf dem Spielplan stehen – nicht mal für das Zeittraining in Le Mans.

Toyota TS050 Hybrid - Vortest - 24h-Rennen Le Mans 2017
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Toyota fuhr beim Vortest fast 3,5 Sekunden schneller als Porsche.

Toyota sieht die Zeit von Kobayashi eher als erste Annäherung: „Wenn wir in der Le-Mans-Woche mehrere Quali-Versuche fahren würden, was wir nicht tun, dann könnten wir vermutlich 3.15er-Zeiten schaffen“, enthüllte Toyota-Technikchef Pascal Vasselon. „Realistischer Weise sollten wir 3.16 Minuten schaffen!“

Halten wir kurz inne: Das wären Zeiten auf dem Niveau des aktuellen LMP1-Quali-Rekords von 3.16,887 Minuten, aufgestellt von Porsche-Pilot Neel Jani im Jahr 2015. Zu Saisonbeginn wurde eine signifikante Abrüstung bei der Aerodynamik eingeführt, die nach übereinstimmender Simulation in Le Mans knapp über 4 Sekunden pro Runde kosten sollte. Toyota schaffte 2016 eine Bestzeit von 3.20,7 Minuten, mit der Aero-Abrüstung läge man theoretisch bei 3.25 Minuten, jetzt fährt man 3.18 min. – das sind alleine 7 Sekunden.

Massives Motor-Update von Toyota

Bei Porsche lässt man durchblicken, dass man den Performance-Verlust durch die neuen Aero-Regeln vermutlich kompensiert habe – mehr aber nicht. Trifft das zu, müsste Porsche im Qualifying eine Rundenzeit im Bereich von 3.19 Minuten oder knapp darunter schaffen. Was in Summe bedeutet, dass das beim Vortest offenbarte Delta zwischen den LMP1-Herstellern doch ziemlich realistisch bei netto drei Sekunden liegen dürfte.

Was die Frage nach dem Warum aufwirft. Zwei Antworten: Erstens ist der Porsche 919 fraglos das älteste Fahrzeug im LMP1-Feld, was automatisch bedeutet, dass sein Verbesserungspotenzial am geringsten ausfällt. Toyota hat bereits von 2015 auf 2016 ein neues Chassis mit neuem Motor und neuem Hybridkonzept eingeführt, das für 2017 abermals deutlich optimiert wurde, unter anderem mit einem massiven Motor-Update. Zweitens köchelt im Hintergrund weiter die Legalitätsfrage: Porsche hatte vor dem WM-Lauf in Spa die FIA offiziell um die Klärung der Frage gebeten, ob die Aero-Lösungen beim Toyota im Heckbereich – Stichwort Doppeldiffusor – legal sind. Die FIA antwortete mit dem Verweis, dass das Auto homologiert sei – und damit legal ist.

Sollte bei Toyota ein Doppeldiffusor oder eine vergleichbar effektive Aero-Lösung zum Einsatz kommen, dann wäre der Vorteil in Le Mans groß, denn die Strecke gilt auf Grund der langen Geraden als sehr leistungs- und aero-sensitiv. In Summe würde Toyota mit so einer Lösung mit einem ähnlichen Abtriebsniveau wie Porsche antreten – jedoch mit weniger Luftwiderstand.

Skepsis wächst bei Porsche

In der Tat lag Toyota beim Vortest in allen Sektoren klar vorne, in Sektor zwei und drei jeweils eine volle Sekunde, dazu führte man auch die Topspeed-Hitliste in der LMP1-Klasse an. „Es dürfte schwer sein zu leugnen, dass wir nach dem Vortest als Favorit ins Rennwochenende gehen“, sagte Toyota-Technikchef Vasselon.

Und er sagte: „Noch haben wir hier nichts gewonnen, nur das Rennen zählt.“ Bei Porsche sieht man es ähnlich, wenngleich mit wachsender Skepsis. Es ist unwahrscheinlich, dass Porsche noch eine Patrone im Lauf hat, von der wir nichts wissen. Über rohen Speed wird Porsche in Le Mans nicht siegen – das ist jetzt schon klar. Doch es gibt ja noch andere Variablen, wie Zuverlässigkeit, wechselndes Wetter oder die Strategie – doch das sind die Defensivwaffen im Motorsport.

Dazu gibt es noch andere Unwägbarkeiten, beispielsweise die neuen LMP2-Autos, die heuer gut 8 Sekunden schneller fuhren als 2016 und obendrein die besseren Topspeeds als die LMP1-Autos haben. Gleich 25 LMP2-Autos starten in Le Mans, beim Vortest dominierten wie erwartet die Oreca-LMP2, die die ersten 13 Plätze in der Klasse einnahmen.

Ford GT - Vortest - 24h-Rennen Le Mans 2017
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Ford hielt sich vornehm zurück.

Ford GT: Abstrus langsam?

Wenig bis gar nichts haben wir dagegen in der GTE-Klasse gelernt: Alle GT-Werks-Teams konzentrierten sich darauf, die Fahrzeugabstimmung auf die neuen Michelin-Reifen anzupassen. Doch die im Verlauf des Testtages immer besser werdenden Streckenbedingungen wollten so gar nicht zur Rundenzeitenentwicklung in der GTE-Pro-Klasse passen: Stundenlang hielt Porsche die Bestzeit mit einer Rundenzeit knapp unter 3.55 Minuten. Corvette-Pilot Oliver Gavin verbesserte die Bestmarke gegen Ende und höhnte: „Wir mussten den Motor tauschen, und als ich wieder rausfuhr, war die Strecke viel besser als zuvor – nur die Rundenzeiten waren gleich.“

Besonders abstrus: Alle vier Werks-Ford GT, die letztes Jahr dominierten und im Rennen Rundenzeiten von 3.51 Minuten schafften, markierten beim Vortest die letzten vier Plätze – mit Zeiten nicht unter 3.57 Minuten.

„Wenn man hinter den Ford GT herfährt, rieselt förmlich der Sand aus den Türritzen“, witzelte ein deutscher GT-Werkspilot als Anspielung auf das sogenannte Sandbagging. Nach dem BOP-Desaster in 2016 wollen FIA und ACO heuer hart durchgreifen: Sollten GT-Teams im Rennen schneller fahren als im Qualifying, drohen empfindliche Zeitstrafen. Doch das galt ja noch nicht für den Testtag ...

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