Zoff in der Rallye-DM

Foto: DRM

Um die Neuordnung des Deutschen Rallyesports wird hinter den Kulissen heftig gestritten. Im Motorsportbund DMSB gibt es ernsthafte Verstimmungen, Kalender und Reglement sind alles andere als kugelsicher.

"Fans und Teilnehmer dürfen sich gleichermaßen auf einen engagierten Neubeginn freuen", sagt ADAC-Sportpräsident und DMSB-Präsident Hermann Tomczyk in Personalunion und streut seinem zuständigen Fachgremium Rosen: "Besonders freue ich mich, dass der neu konstituierte Fachausschuss Rallye unter der Leitung von Robert Stadler auf Anhieb zu einer guten und effektiven Zusammenarbeit gefunden und so in kürzester Zeit die Weichen für eine erfolgreiche DRM-Zukunft gestellt haben."

Das frisch gebackene Ausschussmitglied Manfred Hiemer sieht den Fall allerdings komplett anders: "Die Mehrheit im Fachausschuss hat diese Weichen ganz sicher nicht gestellt", sagt der ehemalige Weltklassebeifahrer-Beifahrer gegenüber der "Motorsport aktuell". Die Diskussionen entzünden sich an zwei entscheidenden Punkten: Die Teilnahme der nationalen Meisterschaft am deutschen WM-Lauf und am Fahrzeugreglement.

WRC endgültig verboten

Hiemer und die Mehrheit im Fachausschuss plädierten dafür, die nationale Meisterschaft nicht wie geplant bei der Rallye Deutschland an den Start zu schicken. Zum einen befürchteten sie, dass die nationalen Starter neben den WM-Stars kein Medien- und Publikumsinteresse finden, zum anderen sind die Starter der DRM wegen unterschiedlicher Technikregularien beim WM-Lauf bisher gar nicht zugelassen. Statt vier nationalen Läufen und dem WM-Lauf plädierte der Fachausschuss mit vier zu zwei Stimmen für einen Verzicht auf die Deutschland-Rallye sowie eine Aufstockung des Kalenders auf sieben statt fünf Läufe.

Der Vorschlag wurde von Präsident Tomczyk ebenso abgelehnt wie die Erlaubnis, noch eine weitere Saison die World Rally Cars zuzulassen. Die von der FIA und FIA-Vize-Präsident favorisierte Super 2000-Kategorie steckt noch in den Kinderschuhen. Für 2007 sind kaum Autos lieferbar. Skoda wird 2007 einen Fabia Super 2000 vorstellen, doch erst 2008 sollen Kundenautos ausgeliefert werden. Der deutsche Sportchef Nikolaus Reichert bot den DRM-Organisatoren an, für das Übergangsjahr noch einmal mit dem Fabia WRC anzutreten, doch das DMSB-Präsidium favorisiert als Publikums-Magneten Autos wie den Porsche GT3 oder den Aston Martin DB7.

Manfred Hiemer: "Empfehlungen nicht beachtet"

"Unsere Empfehlungen wurden nicht beachtet, die Entscheidungen ohne uns getroffen", sagt Manfred Hiemer. Der fünfmalige Deutsche Titelträger Matthias Kahle findet gegenüber "Motorsport aktuell" deutliche Worte: "Diese Art ist mir noch aus der Jugend bekannt. Damals wurden wir auch fremdbestimmt", sagt der in Sachsen aufgewachsene Rekordmeister.

Zum DRM-Kalender zählen vorläufig die Rallyes Hessen-Vogelsberg (20. bis 21.4.), Sachsen (18. bis 19.5.), Saarland (15. bis 16.6.), Deutschland (18. bis 20.8.) und Lausitz (19. bis 20.10.). Der DMSB hat die Lausitz-Rallye als Saisonfinale der konkurrierenden Deutschen Rallye-Serie abspenstig gemacht. Die vom AvD unterstützte Serie, in der World Rally Cars weiterhin erlaubt sind, hatte sich nach der Abschaffung der DRM Ende 2005 für die Nachfolge stark gemacht, soll aber trotz der Wiedereinführung des deutschen Championats mit sieben Rallyes 2007 weitergeführt werden.

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