09/2019, Waymo Peterbilt Semi-Truck und Chrysler Pacifica Waymo
06/2018, Waymo Chrysler Pacifica
06/2018, Waymo Chrysler Pacifica
06/2018, Waymo Chrysler Pacifica
06/2018, Waymo Chrysler Pacifica 7 Bilder

Selbstfahrender Peterbilt-Truck von Waymo

So funktioniert der autonome Riesen-Lkw

Kameras, Radar, Lidar und ein selbstlernender Computer: Die Lastwagen der Google-Tochter Waymo sehen klassisch aus, sind aber vollgestopft mit modernster Technik.

Bereits seit 2009 arbeitet Google an selbstfahrenden Autos. In den vergangenen zehn Jahren sind die Forschungsfahrzeuge dabei immer größer geworden: Es begann mit den markanten Kleinstwagen, die sich mit legendärer Vorsicht und Langsamkeit über die kalifornischen Straßen tasteten. Als der Google-Mutterkonzern Alphabet das Thema in die Verantwortung seiner neuen Tochterfirma Waymo legte, wurden aus den Eier-Autos Minivans des Typs Chrysler Pacifica. Inzwischen kümmert sich Waymo sogar um ausgewachsene Lastwagen: Seit 2017 lassen die Amerikaner sogenannte Semi-Trucks zu Testzwecken durch die US-Bundesstaaten Arizona, Kalifornien und Georgia fahren.

Peterbilt-Fronthauber mit modernster Technik

Die Peterbilt-Fronthauber sind von typisch amerikanischer Machart und vollgestopft mit Technik: Die Lkw nutzen eine Kombination aus Kameras, Radar und Lidar ähnlich denen in den Chrysler-Vans, um sich möglichst sicher über die Highways zu bewegen. Die Kameras sitzen auf einem zentralen Gehäuse auf dem Dach, das sogenannte „Vision modules“ enthält. Dabei handelt es sich um mehrere Kameras: Normale, aber auch hochauflösende für eine bessere Fernsicht und solche mit besonders hoher Bildrate, die vor allem bei Dunkelheit gut funktionieren sollen.

Um die Entfernung von Objekten einschätzen zu können, kommen Radar- und Lidar-Systeme zum Einsatz. Radar sendet Schallwellen aus und kann anhand der Reflexionszeiten erkennen, wie weit ein Objekt entfernt ist. Der Vorteil dieser Technik: Sie kann weit in die Ferne blicken, funktioniert bestens bei schlechtem Wetter und ist gut darin, bewegte Objekte zu erkennen.

Waymo Logo
Fiat-Chrysler
Waymo ist jene Tochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet, die Systeme für autonome Fahrzeuge entwickelt.

Selbstlernender Computer an Bord

Die Funktionsweise von Lidar ist ähnlich; nur mit dem Unterschied, dass die Technik mit Licht- statt mit Schallwellen arbeitet. Lidar ist ebenfalls dafür da, die Entfernung zu Objekten einzuschätzen. Es ist der Technik egal, ob es hell oder dunkel ist; und da sie die Welt dreidimensional wahrnimmt, ist sie besonders gut darin, Personen zu erkennen. Am Waymo-Truck sind mehrere Lidars angebracht: für kurze Strecken auf dem Dach und für mittlere sowie lange Entfernungen über den Außenspiegeln.

Hinzu kommt ein Computer, der hochauflösende Karten nutzt, um präzise zu bestimmen, wo genau sich der Lkw gerade befindet. Per Software und künstlicher Intelligenz lernt das Fahrzeug selbständig hinzu. Auf Basis der gesammelten Daten und eigener Interpretationen soll der Truck so prognostizieren können, was die Personen und Fahrzeuge in der Umgebung als Nächstes tun – und eine Entscheidung für das eigene Verhalten treffen.

Andere Herausforderungen als bei normalen Autos

Das sieht bei einem großen Lkw oft anders aus als bei einem normalen Auto: Es gibt größere tote Winkel, der Bremsweg ist länger, die Beschleunigung langsamer, der Wendekreis größer. „Deshalb müssen wir genau verstehen, wie wir das Fahrzeug lenken, beschleunigen und bremsen müssen, damit es sich sicher fortbewegt“, sagt Vijay Patnaik, Produktmanager Waymo Truck, beim US-Fachportal Jalopnik. Um zu erfahren, wozu der Lastwagen in der Lage ist und wozu nicht, mussten die Waymo-Ingenieure erst einmal mehrere hundert Testreihen durchführen. Doch bald sind die Peterbilt-Lkw soweit, offiziell auf die US-Highways abzubiegen und dort richtige Transportaufgaben zu übernehmen.

Umfrage

587 Mal abgestimmt
Glauben Sie an autonom fahrende LKW?
Ja, das ist die Zukunft!
Nein, völlig unrealistisch!

Fazit

Riesige Lastwagen, die vom Computer gesteuert werden statt von einem Menschen: Dieser Gedanke macht vielen Leuten Angst. Dabei ergibt das autonome Fahren beim Fernverkehr mit großen Nutzfahrzeugen am meisten Sinn. Die Lkw sind fast ausschließlich auf Fernstraßen unterwegs, die dortige Umgebung ist für autonome Fahrzeuge viel einfacher einzuschätzen als das wuselige Treiben in Innenstädten. Ein Computer muss zudem keine Lenkzeiten einhalten, er kann nicht einschlafen und lässt sich nicht von Was-auch-immer ablenken. Ganz davon abgesehen, dass er auf lange Sicht Personalkosten für die Spediteure spart. Deshalb wäre es nicht verwunderlich, wenn sich das autonome Fahren in diesem Bereich schneller durchsetzt als bei den Pkw.

Nutzfahrzeuge Neuvorstellungen & Erlkönige Scania AXL autonomer Lkw Scania AXL Autonom fahrendes Lkw-Konzept

Diese Kieslaster fahren wie von Geisterhand.

Mehr zum Thema Autonomes Fahren
Tech & Zukunft
Toyota LQ Concept Tokio 2019
E-Auto
Waymo fahrerlose Autos
Tech & Zukunft