Bentley EXP 100 GT Bentley

Bentley EXP 100 GT

Grand Touring im Jahr 2035?

In diesem Sommer kann Bentley auf eine nunmehr 100-jährige Geschichte voller spannender Autos und Geschichten zurückblicken. Zum Jubiläum schlägt der britische Nobelhersteller mit der spektakulären Studie EXP 100 GT zugleich ein neues Kapitel auf und präsentiert seine Vision von Luxus, Mobilität und der Marke selbst.

Der erste große Auftritt des EXP 100 GT vor gut 100 geladenen Premierengästen geschieht schon mal in völliger Übereinstimmung mit der Firmentradition: Wie der Prototyp des Dreiliter-Sportwagens EXP 1 von Walter Owen Bentley anno 1919 will das Showcar von 2019 zunächst partout nicht laufen. Als der GT zur Präsentation von Designchef Stefan Sielaff aus dem Off einer tropischen Waldkulisse auf die Bühne rollen soll, streiken die Elektromotoren. Immerhin zeigt er dem Publikum schon mal sein strahlendes Gesicht, denn zwischen den beiden großen Rundscheinwerfern leuchtet bei Annäherung des Fahrers auch der mächtige Matrixgrill gleißend hell und in schillernden Facetten auf.

Als dann der EXP 100 doch noch lautlos seinen Platz in der Mitte einnimmt, sind die meisten Gäste irgendwas zwischen verblüfft und verzückt. Schließlich zeigt die Bentley-Vision für einen Luxus-GT des Jahres 2035 neben spektakulären Proportionen und Details auch den typisch britischen Sinn für Humor: Über Raumökonomie ist der 5,80 Meter lange Viersitzer ebenso erhaben wie über banale Außenspiegel, Scheibenwischer oder Türgriffe. Zudem recken sich die zwei Meter breiten Flügeltüren beim Öffnen auf fast drei Meter Höhe und souverän über jedes Garagenmaß hinaus. Und schon heute freuen wir uns auf gewundene Passstraßen und entgegenkommende Autos bei der ersten großen Alpenfahrt mit dem 2,40 Meter breiten Flachmann.

Natürliche Materialien, künstliche Intelligenz

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Der EXP 100 GT kommt ohne klassische Instrumente, Tasten, Displays oder Touchscreens. Stattdessen ist ein virtueller, persönlicher Assistent an Bord.

Jedenfalls glaubt Bentley fest an die Zukunft des luxuriösen Grand Tourers, der selbst im Zeitalter autonomen Fahrens „jede einzelne Reise für seine Insassen verstärken und bereichern“ kann. Ein sinnliches Erlebnis verspricht bereits das großzügige Interieur mit edlen Oberflächen, reduzierten Funktionen und üppiger, dimmbarer Verglasung bis ins Dach. Besonders stolz ist man auf den einzigartigen Mix exquisiter, aber umweltschonender Materialien wie 5000 Jahre altes Flussholz mit Kupfereinlagerungen, britischer Schafswolle sowie organischen Leder- und Textilverkleidungen. Einen reizvollen Kontrast dazu bilden Elemente aus Kupfer, Chrom und geschliffenem Kristallglas – etwa für den virtuellen „persönlichen Assistenten“ (PA) in der Mittelkonsole.

Klassische Instrumente und Tasten scheinen dagegen ebenso entbehrlich wie riesige Displays oder Touchscreens, denn der PA sammelt allerlei biometrische Daten des Fahrers und nimmt dessen Bedürfnisse vorweg. So generiert er aus Infos wie Sitzposition, Körpertemperatur, Blutdruck oder Kopf- und Augenbewegung, aber auch aus den jeweiligen Umweltbedingungen die optimale Einstellung wichtiger Funktionen, während Informationen für den Fahrer situativ in Frontscheibe oder Interieur eingeblendet werden. Des weiteren lässt sich die Außenwelt – etwa Licht, Geräusche, Gerüche oder Luftqualität – mit einer Handbewegung ganz nach Bedarf reinholen oder weitgehend ausblenden, und zwar in den fünf verschiedenen Grundmodi Enhance, Cocoon, Capture, Re-Live und Customize.

Fahren oder fahren lassen

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Vier Elektromotoren sollen den Luxusliner in weniger als 2,5 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis auf 300 km/h beschleunigen.

Wählen kann der Fahrer natürlich auch, ob er selbst steuern oder bei stressigen Alltagsfahrten der Elektronik das Kommando überlassen will. Im ersten Fall unterstützt sie ihn mit Empfehlungen und Hinweisen entlang der Route sowie agilitätsfördernden Maßnahmen; im autonomen Modus fährt das Lenkrad dagegen zurück und schafft mehr Platz für individuelle Konfigurationen. So können Sitzflächen und Kopfteile der beiden Fondsessel komplett versenkt und die beiden vorderen Einzelsitze weit nach hinten in eine äußerst luftige, entspannte Position gerückt werden. Und wer dann noch etwas über die Wolken oder das Gebirge draußen in Erfahrung bringen möchte, kann sich die passenden Informationen dazu mit einer Geste ins Bordnetz holen.

Mit konkreten Details über die weitere Hardware hält sich Bentley allerdings noch vornehm zurück. Der EXP 100 GT soll von vier Elektromotoren mit 1500 Nm Drehmoment angetrieben werden, die den Wagen in weniger als 2,5 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis auf 300 km/h beschleunigen können. Wegen ihrer fünfmal höheren Energiedichte als heute bei deutlich niedrigerem Gewicht sollen die Batterien eine Reichweite von 700 Kilometern und ein Nachladen der Kapazität auf 80 Prozent in nur 15 Minuten ermöglichen. Wie man trotz großzügigem Einsatz von Alu und Karbon das Leergewicht auf 1900 kg begrenzen will, weiß man bei Bentley noch nicht so genau. Aber auch Walter Owen konnte ja vor 100 Jahren noch nicht wissen, dass ihn seine Firma so lange überleben und seit 1998 unter VW neu erblühen würde.

Bentley EXP 100 GT
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Fazit

Der EXP 100 GT ist ganz sicher ein Hingucker, vielleicht auch eine Inspirationsquelle für das künftige Bentley-Design, aber auf keinen Fall der Prototyp eines Serienmodells für das Jahr 2035. Er steckt voller Ideen und Visionen, nur die drängendste Frage beantwortet er nicht wirklich: Wie positioniert sich Bentley neu zwischen Tradition und Innovation, Luxus und Ökologie, individuellem Fahrerlebnis und autonomer Fremdsteuerung? Für eine überzeugende Antwort kann sich Bentley jedenfalls nicht bis 2035 Zeit lassen.

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