05/2019, Ford Focus ST Turnier (2019) Ford-Werke GmbH

Neuer Ford Focus ST (2019)

Ab Sommer auch als Turnier

Downsizing? Der neue Ford Focus ST pfeift auf den Motoren-Trend. Er stockt bei Hubraum und Leistung auf und kommt als Schrägheck-Fünftürer oder Kombi. Auch eine Dieselversion wird es wieder geben. Marktstart ist im Sommer.

Die Fans sportlicher Ford-Modelle dürften beim Studieren dieser Eckdaten glänzende Augen bekommen: Die ST-Version erhält in ihrer neuen Version einen 2,3-Liter-Turbobenziner, wie er auch im alten Focus RS vertreten war und aktuell im Mustang zum Einsatz kommt. Allerdings haben die Ingenieure das Triebwerk etwas gezähmt. Es leistet im ST 280 PS und sendet maximal 420 Newtonmeter an die Vorderräder. Zum Vergleich: Im Mustang 2.3 Ecoboost kommt der Vierzylinder auf 290 PS und 440 Nm. Dennoch reicht die Power, um den Neuling zum stärksten Focus ST aller Zeiten zu machen. Der Zweiliter-Vierzylinder des Vorgängers lieferte als Benziner 250 PS und höchstens 360 Nm.

Neuheit beim Benziner: „Anti-Lag“-Funktion

Ein Novum des Turbo-Benziners ist die „Anti-Lag“-Funktion, die ursprünglich aus dem Rallyeauto Fiesta WRC stammt und auch schon im GT und F-150 Raptor zum Einsatz kommt. Der Trick: Beim Hochschalten bleibt die Drosselklappe auch dann noch ein Stück geöffnet, wenn der Fahrer vom Gas geht. Dadurch drehen die Schaufeln des Twinscroll-Laders weiter und der Turbomotor spricht beim nächsten Beschleunigen schneller an. Apropos beschleunigen: In weniger als sechs Sekunden soll es von Null auf Hundert gehen. Exakt homologierte Fahrleistungen liegen jedoch noch nicht vor.

Als Alternative bietet Ford weiterhin eine Dieselversion des Focus ST an. Sie übernimmt den Motor vom Vorgänger, allerdings in einer modernisierten Variante. Per variabler Turbinengeometrie und einiger innermotorischer Maßnahmen hat Ford die Verbrennungsprozesse derart optimiert, dass der Selbstzünder nun die Euro 6d-Temp-Abgasnorm erreicht. Ein bisschen stärker ist er außerdem geworden: Er leistet nun 190 PS, der Vorgänger kam auf 185. Das maximale Drehmoment von 400 Nm bleibt gleich.

Automatik nur für den Benziner

Ford Focus ST
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Das Fahrwerk hat straffere und steifere Dämpfer, ein elektronisches Sperrdifferenzial soll für Traktion sorgen.

Das serienmäßige manuelle Sechs-Gang-Getriebe haben die Ford-Ingenieure mit einigen Gimmicks ausgestattet. Einerseits fallen die Schaltwege sieben Prozent kürzer aus als bei den zahmeren Focus-Versionen. Andererseits erhält der ST eine automatische Drehzahlanpassung beim Herunterschalten. Die Zwischengasfunktion ist bei handgeschalteten Benzinern ebenso wie eine Schaltpunktanzeige Bestandteil des Performance-Pakets. Wer lieber schalten lässt, kann den Ottomotor an eine Sieben-Gang-Automatik mit Schaltwippen koppeln lassen, die ihre Schaltstrategie permanent an der Fahrweise des Piloten ausrichtet.

Die Federspezifikation übernimmt der neue ST von den Focus-Schwestermodellen, aber der Schwerpunkt liegt zehn Millimeter niedriger. Die Stoßdämpfer hat Ford neu abgestimmt: Sie sind vorne 20 Prozent straffer und hinten 13 Prozent steifer. Im Performance-Paket ist eine elektronische Dämpferregelung enthalten, die deren Kennung kontinuierlich an die Fahrsituation anpasst. Außerdem umfasst es den Fahrmodus „Rennstrecke“, während der Standard-Focus ST nur über die Programme „Rutschig“, „Normal“ und „Sport“ verfügt. Die Abstimmungen wirken unter anderem auf die Gaspedal-Kennlinie, die Lenkung, das ESP, den elektronischen Motorsound-Verstärker und die Einstellung der Klimaanlage. Bei den Benzinern ist im Sportmodus eine Launch Control-Funktion enthalten.

Elektronisches Sperrdifferenzial für den Benziner

Ford Focus ST
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Auch das direkt im Antriebsstrang platzierte elektronische Sperrdifferenzial von Borg Warner, das allerdings nur beim Benziner zum Einsatz kommt, wird von den Fahrmodi beeinflusst. Es arbeitet mit hydraulisch aktivierten Kupplungen, die den Drehmoment-Transfer zwischen den Vorderrädern steuern und bis zu 100 Prozent an das Rad mit der aktuell besseren Traktion leiten können. Durchdrehende Räder beim Beschleunigen sollen damit der Vergangenheit angehören, auch weil das System dank vieler Sensordaten die Drehmomentverteilung schon präventiv optimieren kann. Beim Diesel kommt übrigens die Torque-Vectoring-Technologie zum Einsatz, die per Bremseingriff am kurveninneren Rad die Fahrdynamik beeinflusst.

Die Servolenkung des neuen Ford Focus ST arbeitet elektromechanisch. Sie ist 15 Prozent direkter übersetzt als beim normalen Focus und soll in Sachen Direktheit sogar den kleineren Fiesta ST übertrumpfen. Dabei dürfte sich auch die veränderte Geometrie, mit der die Lenkung an die Vorderachse angebunden ist, und die verbesserte Software, die Antriebseinflüssen minimieren soll, positiv auswirken. Die Bremse arbeitet vorne mit 330-Millimeter-Scheiben, die von Zweikolben-Sättlen in die Zange genommen werden. Die hinteren Scheiben haben einen Durchmesser von 302 Millimetern.

Neue Hinterachs-Geometrie für den ST

All diese Dreingaben hat natürlich auch der Focus ST Turnier an Bord. Und darüber hinaus noch einige Besonderheiten. Die betreffen nicht nur den größeren Kofferraum, wobei dieser Unterschied durchaus bemerkenswert ist: Im Normalzustand liegt der Turnier mit 608 zu 375 Litern vorne, bei umgeklappten Rücksitzen steht es 1.635 zu 1.354 Liter. Außerdem hat Ford die Hinterachs-Geometrie des ST Turniers geändert und die Dämpfer etwas versetzt, damit das Auto auch bei höherer Beladung möglichst wenig von seiner Agilität einbüßt.

05/2019, Ford Focus ST Turnier (2019)
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Die Recaro-Sportsitze sind mit mehreren Bezügen lieferbar: Stoff, Leder, Leder-Stoff oder die Option „Dinamica“ in Wildleder-Optik. Das Sportlenkrad ist unten abgeflacht, der Schalthebel trägt einen Aluminiumknauf. Obendrein gibt es diverse Dekorelemente und ST-Logos im Interieur. Die für die Modellvariante typischen Anzeigen für Ladedruck, Öldruck und Öltemperatur gibt es weiterhin. Sie sind jetzt allerdings digital ausgeführt und werden im 4,2 Zoll großen TFT-Monitor des Bordcomputers angezeigt. Kommandozentrale des Ford-Sync-3-Infotainmentsystems ist ein Acht-Zoll-Touchscreen. Apple Carplay und Android Auto sind ebenso an Bord wie ein WLAN-Hotspot, über den sich bis zu zehn Geräte mit dem Internet verbinden lassen.

Breites Angebot an Fahrassistenten

Von außen unterscheidet sich der ST durch anders geformte Kühlergrills sowie Flügel und Spoiler (am vorderen Stoßfänger und an der hinteren Dachkante) von den braveren Geschwistern. Die beiden Auspuff-Endrohre rahmen das Diffusorelement im hinteren Stoßfänger ein, das erstmals auch mit einer Anhängerkupplung versehen werden kann. Serienmäßig rollt der Focus ST auf 18-Zoll-Felgen, 19-Zöller bietet Ford optional an. Sie sind stets mit Michelin Pilot Sport 4S-Reifen bespannt. Sieben Karosseriefarben sind verfügbar: Performance-Blau, Tropical Orange, Frost-Weiß, Magnetic-Grau, Race-Rot, Ruby-Rot und Iridium-Schwarz.

Ford Focus ST
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Die früher analogen Anzeigen für Ladedruck, Öldruck und Öltemperatur werden jetzt digital im Bordcomputer-Display angezeigt.

Die Assistenten übernimmt der ST vom normalen Focus. Dazu gehören der Stau-Assistent samt Stop-and-Go-Funktion und Lenkeingriff, ein adaptiver Tempomat, ein kamerabasiertes Kurvenlicht mit Verkehrsschild-Erkennung, der Park-Assistent-Plus, der automatisch lenkt, bremst, beschleunigt und die Gänge wählt, der Ausweichassistent und ein Head-up-Display.

So günstig wie früher gibt es den neuen Focus ST nicht mehr. Als Fünftürer mit Dieselmotor kostet er 31.900 Euro und damit gut 5.000 Euro mehr als der Vorgänger. Die 280 PS starke Benzinervariante ist noch einmal 1.000 Euro teurer. Für den Ford Focus ST Turnier werden 33.100 beziehungsweise 34.100 Euro fällig. Ende Juli rollt das Modell zu den Händlern, der noch nicht eingepreiste Benziner mit Automatik folgt im November. Der wirklich wahre Top-Focus, der RS, dürfte erst 2020 auf den Markt kommen.

Ford Focus ST
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Fazit

In Bezug auf die Fahrdynamik stand der Focus ST stets weit oben an der Spitze der Hot Hatches. Angesichts des Aufwandes, den Ford bei der Neuauflage betrieben hat, dürfte das auch bei dieser Modellgeneration wieder der Fall sein. Und trotz höherer Preise bleibt er finanziell attraktiv: Zusammen mit dem Hyundai i30 N Performance ist der Focus ST einer der günstigsten sportlichen Kompakten. Erst recht in Kombi-Gestalt.

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