Aston Martin Valkyrie, Exterieur Aston Martin
Mercedes AMG Project One, Exterieur
Mercedes AMG Project One, Exterieur
Mercedes AMG Project One, Exterieur
Mercedes AMG Project One, Exterieur 17 Bilder

Valkyrie, Project One, Ford GT: Falsch gehypte Hypercars

Hypercars-Hype Preise absurd, Power nebulös, Wartezeiten lang

Inhalt von

Der Hype um die Hypercars kennt keine Grenzen. Aber, ist die Hysterie berechtigt? Aston Martin Valkyrie und Mercedes-AMG Project One sorgen zudem noch für Wartezeiten.

Hypercars sind die Leuchtturmprojekte der Autoindustrie. Sie sollen die fahrfertige und maximale Potenzierung des Autofahrens darstellen. Dazu nutzen sie das komplette Arsenal aus der Hexenküche der Hersteller, sie repräsentieren das Mögliche des Unmöglichen auf vier Rädern. Der Preis spielt übrigens keine Rolle, wobei wir das gleich wieder revidieren müssen: Früher waren abstruse Preise verpönt, weil die Marktgesetze noch in Kraft waren. Damals hießen die Hypercars noch Supersportwagen: Alles jenseits von 600 Verbrenner-PS reichte, um sich für die erlesene Kategorie zu qualifizieren.

900 PS um Ernst genommen zu werden

Seit einem knappen Jahrzehnt werden die Supercars von den Hypercars in die Zweitklassigkeit gestoßen. Die zusätzliche Hybridisierung sorgte bei den Hypercars fast für eine Verdoppelung der Gesamtleistung. Die erste Generation wie McLaren P1, Porsche 918 oder Ferrari LaFerrari protzte mit Potenz: Gut 900 PS mussten es schon sein, wollte man ernst genommen werden. Die Preise und damit die Profitabilität verdoppelten sich: Unter 600.000 Euro ging jetzt gar nichts mehr. Leistung vierstellig, Preise sechsstellig.

McLaren P1 GTR Ayrton Senna
McLaren
McLaren P1 GTR Ayrton Senna McLaren P1 GTR Ayrton Senna McLaren P1 GTR Ayrton Senna McLaren P1 GTR Ayrton Senna 9 Bilder

Die erste Generation stellte zumindest ansatzweise noch den Anspruch in den Raum, maßstabsetzend zu sein: Porsche stellte sich mit dem 918 Spyder dem Supertest von sport auto, um unter Beweis zu stellen, dass dieses Auto die Benchmark ist. Marc Lieb setzte mit einer Zeit von 6,57 Minuten einen neuen inoffiziellen Rundenrekord auf der Nordschleife. McLaren schien ebenfalls den klassischen Weg der Beweisführung gehen zu wollen: Wochenlang wurde mit dem P1 auf der Nordschleife geübt, dann gab es im November 2013 eine langatmige Pressemitteilung, in der zwar ein neuer Rekord verkündet, aber die Zeit nicht genannt wurde.

Geht es noch um Performance? Oder nur um Marketing?

Hier entstand der erste große Riss bei der Glaubwürdigkeit der neuen Hypercars. Ging es wirklich noch um Performance? Oder doch nur um Marketing? Natürlich gab es keine "harten" Tests mit dem 916 PS starken P1, nur "weiche" Schönschreibgeschichten. Wie der Berliner zu sagen pflegt: "Es kracht, es zischt, zu sehen ist nischt." Während sich Porsche wenigstens ernsthaft darum bemühte, die Leistungsfähigkeit zu demonstrieren und das Gesagte mit der Vergabe von Testwagen zu untermauern, verweigerten die Wettbewerber den Nachweis der Tauglichkeit.

Ferrari LaFerrari, Frontansicht, Autobahn
Hans-Dieter Seufert
Ferrari LaFerrari, Frontansicht, Autobahn Ferrari LaFerrari, Seitenansicht Ferrari LaFerrari, Seitenansicht Ferrari LaFerrari, Heckansicht 16 Bilder

Ferrari und der LaFerrari seien hier entschuldigt, obwohl das Ergebnis leider das gleiche ist: Die Italiener hatten es aufgrund ihres einmaligen Status in der Welt der Sportwagen nie nötig, die Performance ihrer Super- oder Hypercars zu beweisen. Es reichte die reine Proklamation, so war es schon beim Enzo, beim F50, beim F40 – und auch beim 963 PS starken LaFerrari.

Am besten lernt man von den Besten, dachten sich die Gegner – das Ferrari-System wurde von den Wettbewerbern in der Hypercar-Ära kopiert. Proklamation statt Legitimation, dazu die totale Entkoppelung von Entwicklungsaufwand und Verkaufspreis. Heute MÜSSEN diese Autos siebenstellig kosten, sonst sind es keine Hypercars. Das Muster droht uns bei der zweiten Hypercar-Welle: Der Nachfolger des Ferrari LaFerrari wird zwar erst im Sommer vom Vorstand abgenickt, aber schon jetzt ist klar: Es soll der teuerste straßenzugelassene Ferrari-Sportwagen aller Zeiten werden.

Mercedes-AMG Project One: Klammheimlich verschoben

Mercedes und Aston Martin sind die beiden Marken, die die nächsten Kugeln aus dem Hypercar-Revolver ballern – wenngleich mit Verzögerung. Denn bei beiden Prestigeprojekten knarzt es ganz vernehmlich im Gebälk. Mercedes hatte auf der IAA in Frankfurt 2017 den AMG Project One vorgestellt. Tenor: Das F1-Auto für die Straße.

12/2020, Mercedes-AMG One GP Circuit Abu Dhabi
Daimler AG
12/2020, Mercedes-AMG One GP Circuit Abu Dhabi 12/2020, Mercedes-AMG One GP Circuit Abu Dhabi 12/2020, Mercedes-AMG One GP Circuit Abu Dhabi 12/2020, Mercedes-AMG One GP Circuit Abu Dhabi 60 Bilder

Der Project One soll den Motor aus dem F1-Mercedes verwenden – inklusive Rekuperation und Hybridisierung. Die Markteinführung wurde für 2019 versprochen – und jetzt klammheimlich auf 2021 verschoben. Der Grund: Probleme beim Triebwerk. Für Experten kommt das überhaupt nicht unerwartet: Die Ankündigung, dass die Kunden der gut drei Millionen Euro teuren Hightech-Flunder damit prahlen dürfen, das echte F1-Weltmeister-Triebwerk zu fahren, ist vollmundig und mehr als ambitioniert. F1-Triebwerke taugen nur für die F1, für nichts weiter. Das musste auch schon Porsche erfahren, wo man das fertig entwickelte F1-Triebwerk in die Tonne trat, nachdem der VW-Vorstand den F1-Einstieg abgeblockt hatte.

AMG hat den Motor unterschätzt

Mercedes macht jetzt die gleiche Erfahrung. Zwei kleine Beispiele: F1-Motoren sind empfindsame Zicken. Man muss ihren Ölkreislauf im Stand mühsam anwärmen, bevor man sie überhaupt starten darf. Das jedoch hat auch konstruktive Rückwirkungen – und die wiederum sind überhaupt nicht kompatibel mit dem, was beim Straßeneinsatz passiert. Und offenbar hat sich bei der Entscheidung, den F1-Motor zu verwenden, auch keiner Gedanken darüber gemacht, wie man die fragile Konstruktion emissionstechnisch auf die Straße bringen kann. Mehrere Abgas-Nachreinigungssysteme samt Partikelfilter müssen zum Einsatz kommen, wenn man das Auto auch außerhalb von Ruanda für den Straßenbetrieb zulassen will. Good Luck with that!

Umfrage

Welches Modell ist für Euch das ultimative Hypercar?
5043 Mal abgestimmt
LaFerrari
Ferrari LaFerrari
Mark Webber - Porsche 918 Spyder - Zuffenhausen 2015
Porsche 918
McLaren P1 GTR - Genfer Autosalon 2015
McLaren P1