Toyota Supra (2019)

Ein Auto voller Fake-Lufteinlässe

Gleich 13 Luftein- oder -auslässe befinden sich in der Karosserie des neuen Toyota Supra. Nur die wenigsten davon erfüllen einen technischen Zweck. Wir haben uns das mal näher angeschaut.

Wir haben durchgezählt: Ganze 13 (in Worten: dreizehn) Lufteinlässe haben die Toyota-Designer in die Karosserie des neuen Supra geschnitzt. Allein fünf von ihnen zieren die Frontschürze. Motor, Bremsen und die sonstige Technik scheinen einen enormen Kühlluftbedarf zu haben. Oder doch nicht? Schaut man genauer hin, dann zeigt sich: Viele der Löcher haben gar keine Funktion – zumindest keine technische.

Toyota GR Supra (2019)
Wolfgang Groeger-Meier 1/36 Flach, lange Haube, Double-Bubble-Dach: der neue Toyota GR Supra.
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Kühlluft für die Bremsen? Nicht ganz

Fangen wir also vorne an. An den Scheinwerfern sitzen vergitterte vertikale Schlitze. Zumindest sieht es so aus. Sieht man sich die Elemente aus der Nähe an, dann zeigt sich: Sie sind komplett geschlossen, das Wabengitter wurde auf das Kunststoff-Teil nur aufgeprägt. Was suggeriert, die vorderen Bremsen zu kühlen, tut in Wahrheit also gar nichts.

Die äußeren Lufteinlässe in der vorderen Frontschürze sind noch einmal unterteilt. Hier sitzen Elemente in Form von Parallelogrammen; das Exemplar auf der Beifahrerseite präsentiert eine glatte Fläche, das andere nicht. Hinter Ersterem sitzt die Technik für den Abstandsradar, Letzteres scheint aktuell funktionslos zu sein – oder erfüllt den Zweck, optische Symmetrie herzustellen.

Toyota GR Supra (2019)
Wolfgang Groeger-Meier
Zählt man die unterteilten Öffnungen in der Schürze doppelt, sitzen allein in der Supra-Front sieben Lufteinlässe.

Gehen wir der Supra-Linie weiter nach hinten, fallen die Öffnungen an den Außenseiten der Motorhauben auf. Jedenfalls wirken sie auf den ersten Blick wie Öffnungen. Tatsächlich sind sie mit Gummi gefüllt, lassen also weder Frischluft rein noch heiße Luft aus dem Motorraum raus. Zumindest ist das beim Serienauto der Fall. Bei künftigen seriennahen Rennversionen sind sie offen und helfen, den Temperaturhaushalt im Maschinenraum im gesunden Bereich zu halten.

In den Türen – im Bereich der B-Säule – stechen lange diagonale Einschnitte ins Auge. Wir kennen Derartiges von Mittel- oder Heckmotor-Autos. Doch der Toyota Supra, das haben wir gecheckt, fährt sein Triebwerk im Fahrzeugbug spazieren. Motorkühlung fällt als Erklärung also aus. Worum geht es dann? Frischluft für die Bremse? Könnte sein, wenn nicht auch hier ein Kunststoff-Teil sitzen und dahinter gar kein Luftschacht anschließen würde. Letztlich ist es also doch „nur“ ein Designelement.

Toyota GR Supra (2019)
Wolfgang Groeger-Meier
Schlitze in der Motorhaube, Schlitze in den Türen: Technische Zwecke erfüllen sie nicht.

Fehlen noch die senkrechten Kerben an den Heckleuchten. Um es kurz zu machen: Hier wiederholt sich die Geschichte vom anderen Ende des Autos. Sie erfüllen keinerlei technischen Zweck.

Toyota GR Supra (2019)
Wolfgang Groeger-Meier
Auch hinten gilt: alles Show.

Also zählen wir nochmals durch: Wenn wir jenes rechts vorne, hinter dem die Radartechnik sitzt und das deshalb einen technischen Zweck erfüllt, herausrechnet, kommen wir auf neun falsche Luftein- oder -auslässe. Die als nichts anderem dienen als Show- und Designzwecken. Sie greifen auch nicht einer künftigen Rennversion vor. Zumindest nicht dem Exemplar für die japanische Super GT-Serie, das gerade beim Tokyo Auto Salon debütierte und ganz anders geformte und dimensionierte – echte – Kühlluftöffnungen zur Schau stellte.

Fazit

Den Ansatz der Toyota-Designer – er lautete wohl: „Mehr ist mehr“ – kann man gut finden oder auch nicht. Er trägt zumindest nicht gerade dazu bei, das eh schon recht zerklüftete Supra-Design zu beruhigen. Übrigens: Der technische Zwilling des Supra, der neue BMW Z4, präsentiert elf sichtbare Öffnungen. Längst nicht alle davon sind echt.

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