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Abgas-Affäre

Dobrindts Untersuchungsbericht ist geschönt

Im April 2016 hatte die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte „Untersuchungskommission Volkswagen“ die Ergebnisse von Stickoxid-Messungen an 53 Fahrzeugen veröffentlicht. Nun wurde bekannt, kritische Passagen wurden gestrichen.

Änderungen zu Gunsten von Opel, Audi und Fiat

Dies geht aus Akten hervor, die ein Recherche-Team von Spiegel Online, dpa und des Bayerischen Rundfunks, einsehen konnten. „Ein Vergleich jedoch mit älteren Versionen des Berichtes, die im Januar und Februar in seinem Haus (Dobrindts Verkehrsministerium, Anm. der Redaktion) erstellt worden waren, zeigt: Anklagende Passagen zu diversen Modellen sind wieder herausgestrichen worden. Zu Gunsten etwa von Herstellern wie Opel, Audi und Fiat.

Hintergrund: Bei den Stickoxid-Messungen wurde festgestellt, dass bei den Fahrzeugen die Abgasreinigungsanlagen bei einer bestimmten Temperatur herunterfahren bzw. ganz ausgeschaltet werden. Dies wurde von den Herstellern als “Thermofenster„ deklariert und mit dem Schutz des Motors begründet. Bei Opel soll dies der Fall ab einer Außentemperatur von 17 Grad Celsius der Fall sein, andere Autobauer schalten ab 10 Grad Celsius ab. Eine entsprechende EU-Verordnung legen die Automobilhersteller anders aus, als einige Juristen, die die Abschaltvorrichtung für illegal halten. In den USA wäre eine solche Technik nicht erlaubt gewesen.

„Selbst die Experten des Ministeriums hegten große Zweifel an der Rechtmäßigkeit und wollten die Ausrede der Autobauer nicht gelten lassen, aus Gründen des Motorschutzes müsse die Reinigung giftiger Stickoxide gedrosselt werden. Auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) kam zu dem Ergebnis, man müsse wie im Falle eines Opel Insignia und Zafira `von einer Abschalteinrichtung´ ausgehen. So stand es jedenfalls zunächst in dem Untersuchungsbericht“, heißt es beim Spiegel.

Ein Gutachten sei bestellt worden, dessen Autor die „Zweifel an der Zulässigkeit dieser temperaturabhängigen Emissions-Minderung-Strategie“ gestützt habe. Zu ähnlichen Ergebnissen seien die Prüfer auch für einen Audi A6, einen Chevrolet Cruze, eine Alfa Romeo Giulietta, zwei Hyundai-Pkw sowie Modellen von Nissan, Suzuki und Range Rover gekommen.

Dacia und Renault ebenfalls unter Verdacht

Die entsprechenden Passagen finden sich in der im April veröffentlichten Version der Untersuchungskommission nicht wieder. Auch eine weitere Passage wurde gestrichen, in der es um die Modelle Renault Kadjar und Dacia Sandero ging. Bei diesem Modellen hat die Kommssion festgestellt, dass der „Verdacht auf eine unzulässige Abschalteinrichtung nicht ausgeräumt“ werden könne. Bei Tests fiel auf, dass die Abschaltung der Abgasreinigungsanlage knapp unterhalb der Temperatur beginnt, bei der Fahrzeuge auf dem Prüfstand getestet werden.

Unterdessen hat Fiat-Chrysler (FCA) auf den Bericht reagiert: Die FCA-Fahrzeuge erfüllen „alle einschlägigen Emissionsanforderungen ... Sie verfügen insbesondere über keine illegalen Abschalteinrichtungen. Darüber hinaus hat FCA am 2. Februar 2016 bekannt gegeben, im Rahmen einer freiwilligen Maßnahme das Emissionsverhalten seiner Fahrzeuge weiter zu verbessern. FCA-Fahrzeuge erfüllen die inzwischen geltende Euronorm 6. Die aktuellste und jüngst implementierte Kalibrierung, die das Emissionsverhalten verbessert und stabilisiert, ist in allen FCA-Modellen, die gegenwärtig zum Verkauf stehen, vorhanden und kann auf Wunsch der Kunden auch in bereits verkaufte Fahrzeuge kostenlos implementiert werden.“

In unserer Fotoshow zeigen wir Ihnen die Messergebnisse der 53 getesteten Modelle.

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